Holland weint - Erste Absturzopfer kommen heim

Die Niederlande holen die ersten Opfer des Flugzeugabsturzes in der Ostukraine zur Identifizierung heim. Die Hintergründe der Katastrophe sind noch immer unklar - auch die Zahl der bislang geborgenen Opfer.
| dpa
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Tag der Trauer in den Niederlanden - holländische Fahne in Den Haag weht auf Halbmast.
dpa Tag der Trauer in den Niederlanden - holländische Fahne in Den Haag weht auf Halbmast.

Den Haag - Die Niederlande empfangen die Opfer des Flugzeugabsturzes in der Ostukraine am Mittwoch in tiefer Trauer. Ein Flugzeug mit den ersten Särgen wird am Nachmittag gegen 16 Uhr aus Charkow in Eindhoven erwartet. Dort werden sie von Angehörigen, dem niederländischen Königspaar und Ministerpräsident Mark Rutte erwartet, teilte ein Regierungssprecher am Dienstagabend in Den Haag mit. Nach der Landung der Maschine soll im Land eine Schweigeminute abgehalten werden. Der Mittwoch wurde von der Regierung zum Tag der nationalen Trauer erklärt. Bei dem Absturz waren 193 Niederländer ums Leben gekommen.

Die Niederlande übernahmen am Dienstag auf Bitten der Ukraine offiziell die Leitung der internationalen Untersuchung zur Absturzursache von Flug MH17 der Malaysia Airlines. Die genauen Umstände sind auch gut eine Woche nach der Katastrophe noch unklar. Wie US-Geheimdienstler laut Medienberichten vom Dienstagabend sagten, trafen prorussische Separatisten die Malaysia-Airlines-Maschine mit 298 Menschen an Bord nach bisherigen Erkenntnissen mit einer Boden-Luft-Rakete vom Typ SA-11. Die Rebellen hätten aber wahrscheinlich nicht beabsichtigt, die Boeing 777-200 abzuschießen. Eine russische Mitwirkung ließe sich derzeit nicht bestätigen.

Der stellvertretende US-Sicherheitsberater Ben Rhodes sagte dem TV-Sender CNN, die USA untersuchten weiter eingehend, ob es eine "direkte Verbindung" zu Russland gebe. Unabhängig davon trage Moskau eine Verantwortung, weil es die Separatisten mit Material und Training unterstütze und die instabile Situation in der Ukraine mitverursacht habe. Auch nach dem Flugzeugunglück habe Russland die Hilfe nicht eingestellt. Separatistenführer Alexander Borodaj hatte zuvor erneut bestritten, dass Aufständische das Flugzeug abgeschossen hätten.

Die Außenminister der Europäischen Union (EU) gaben Russland ebenfalls eine Mitschuld. Bei einem Treffen in Brüssel bereiteten die Minister schärfere Sanktionen gegen Moskau vor; auch Waffen-Exporte könnten verboten werden. Beschlüsse gab es aber nicht. Ein Kühlzug mit den sterblichen Überresten der Passagiere und Besatzungsmitglieder war am Dienstag in der ostukrainischen Stadt Charkow eingetroffen, die von der Regierung in Kiew kontrolliert wird. Nach einer ersten Untersuchung sollen die Opfer gruppenweise nach Eindhoven unweit der deutschen Grenze ausgeflogen und dann in einer Kaserne nahe Amsterdam identifiziert werden.

Unklarheit herrschte jedoch darüber, wie viele Leichen in den Waggons waren. Nach niederländischen Angaben könnten sich darin lediglich die Überreste von 200 Opfern befunden haben. Die Suche nach Opfern müsste dann an der Absturzstelle fortgesetzt werden, zitierte der britische Sender BBC den Forensiker Jan Tuinder. Zunächst hatte es geheißen, die sterblichen Überreste von etwa 250 Menschen und weitere Leichenteile seien in den Waggons. Nach Angaben Ruttes waren auch die Flugschreiber der Boeing in dem Zug.

Lesen Sie hier: Drama um Flug MH17 - Der Westen droht Putin

Die Separatistenführung in Donezk hatte diese an eine Delegation aus Malaysia übergeben, diese reichten sie nun an Vertreter der Niederlande weiter. Die Flugschreiber sollen zunächst in Großbritannien ausgewertet werden. Zur Lösung des blutigen Konflikts im Osten des Landes beschloss die Ukraine derweil eine Teilmobilmachung. Präsident Petro Poroschenko begründete die vom Parlament unterstützte Maßnahme damit, dass die nationale Unabhängigkeit gesichert werden müsse. Mit den zusätzlichen Kräften will Poroschenko härter gegen die Separatisten vorgehen.

Der russische Präsident Wladimir Putin verlangte von Kiew eine Feuerpause, solange in der Ostukraine nach der Absturzursache gesucht wird. Bei einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates in Moskau sagte Putin, Russland versuche auf die Separatisten einzuwirken, damit diese eine vollständige Aufklärung ermöglichen. Poroschenko hatte am Montag eine Waffenruhe verkündet, die auf 40 Kilometer im Umkreis um die Absturzstelle gelten sollte. Der australische Ministerpräsident Tony Abbott kritisierte nach dem mutmaßlichen Abschuss eine Manipulation von Beweisen. "Nach dem Verbrechen kommt die Vertuschung. Was wir gesehen haben, ist die Manipulation von Beweisen in industriellem Ausmaß und das muss natürlich aufhören", sagte Abbott. Er macht die Separatisten für den Absturz verantwortlich, bei dem 37 Australier starben.

 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren