Hochwasser: Politiker im Krisenmodus

Jahrhunderthochwasser in Bayern: Seehofer fliegt über die Fluten, Ude schickt Hilfe nach Rosenheim - und die Grünen kritisieren. Die Reaktionen der Politik.Und. So war es anno 2002.
| Angela Böhm
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Leadership in Gummistiefeln: Gerhard Schröder (l.) und Edmund Stoiber während der Flutkatastrophe 2002.
dpa Leadership in Gummistiefeln: Gerhard Schröder (l.) und Edmund Stoiber während der Flutkatastrophe 2002.

Jahrhunderthochwasser in Bayern: Seehofer fliegt über die Fluten, Ude schickt Hilfe nach Rosenheim - und die Grünen kritisieren. Die Reaktionen der Politik.

München - Es sind historische Bilder: In Gummistiefeln und grüner Regenjacke kletterte Gerhard Schröder auf Deiche, sprach Opfern und Helfern Mut zu. Zwei Tage später brach seine Herausforderer Edmund Stoiber seinen Urlaub ab, zog ebenfalls die Gummistiefel über und stapfte in Armani-Jeans und hellblauem Polo durchs Wasser in Dresden. Das war 2002 – und die Entscheidung der Bundestagswahl. Schröder blieb überraschend Kanzler. Stoiber ging baden. Leadership in Gummistiefeln.

Jetzt haben die Politiker wieder auf Krisenmodus geschaltet. Kanzlerin Bundeskanzlerin Angela Merkel musste gestern noch das holländische Königspaar in Berlin empfangen. Heute beginnt sie ihre Besuche in den überfluteten Krisenregionen. Horst Seehofer und seine FDP-Koalitionspartner Martin Zeil taten das schon gestern Nachmittag. Der Ministerpräsident und sein Wirtschaftsminister Martin Zeil starteten ihre Hochwasser-Tour um 15 Uhr in Kolbermoor, an der Carl-Jordan-Brücke. Die ganze Nacht hatten dort Bürger und Hilfskräfte bis zur Erschöpfung die Mangfall mit Sandsäcken abgedichtet.

Herausforderer Christian Ude war den beiden schon zuvorgekommen. Er hatte in der Nacht Hilfe aus seiner Landeshauptstadt ins nur wenige Kilometer entferne Aisingerwies an der Mangfall bei Rosenheim geschickt. 24 Fahrzeuge und 100 Einsatzkräfte der Münchner Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr kämpften dort von 23 Uhr bis acht Uhr morgens gegen die Wassermassen.

Ude: „Ich habe die Münchner Berufsfeuerwehr gebeten, ihre Hilfe in den Hochwassergebieten anzubieten.“ Seinen geplanten Wahlkampfauftritt im niederbayerischen Markt Schwarzach sagte er gestern ab: „In Zeiten solcher Notlagen verbietet es sich, Wahlkampf zu machen.“ Er fahre nicht mit Gummistiefeln und grüner Regenjacke in die Hochwassergebiete, heißt es in der SPD-Zentrale.

Ministerpräsident Horst Seehofer und seine Wirtschaftsminister Martin Zeil flogen von dem Katastrophengebiet in Oberbayern mit dem Hubschrauber gleich weiter nach Regensburg, um sich dort ein Bild zu machen. Heute fährt das Duo nach Passau. Am Montagmittag hatte Seehofer seine Minister zu einer weiteren Krisensitzung in die Staatskanzlei bestellt. Bereits am Sonntagnachmittag hatte er sie dort zusammengetrommelt. Innenminister Joachim Herrmann war bereits in Gummistiefeln erschienen. Die Staatsregierung will Opfern mit einem sofortigen Hilfspaket in Höhe von 150 Millionen Euro unter die Arme greifen.

Scharfe Kritik kommt von den Grünen im Landtag. Sie werfen der schwarz-gelben Staatsregierung „Versagen bei der Landesplanung, beim Hochwasser- und Klimaschutz“ vor. Ihr Umweltpolitischer Sprecher Christian Magerl: „An diesem Hochwasser ist leider vieles hausgemacht.“ Der ökologische Hochwasserschutz komme in Bayern nur sehr zäh voran.

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