Gescheiterter Versuch: Nordkorea provoziert mit Raketentest

Trotz aller Warnungen: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat die Weltgemeinschaft mit einem neuen Raketentest provoziert.
| dpa
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Nordkoreas Staatsoberhaupt Kim Jong Un winkt in Pjöngjang während der Militärparade, die zu Ehren des 105. Geburtstags von Staatsgründer Kim Il Sung im Stadtzentrum stattfindet.
Wong Maye-E/dpa Nordkoreas Staatsoberhaupt Kim Jong Un winkt in Pjöngjang während der Militärparade, die zu Ehren des 105. Geburtstags von Staatsgründer Kim Il Sung im Stadtzentrum stattfindet.

Seoul/Peking - Mit einem neuen Raketentest hat Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un die USA herausgefordert. Trotz aller Warnungen startete das nordkoreanische Militär am Sonntag einen Flugkörper von der Ostküste des Landes nahe der Hafenstadt Sinpo.

Nach Angaben des südkoreanischen und amerikanischen Militärs scheiterte der Raketentest allerdings kurz nach dem Start. Der Flugkörper "explodierte fast sofort", wie das US-Pazifikkommando berichtete. Man habe "etwas aufgespürt und verfolgt, was nach unserer Einschätzung ein nordkoreanischer Raketenstart" gewesen sei, teilte das US-Pazifikkommando mit. Um welche Art von Rakete es sich gehandelt habe, werde noch geprüft.

Die neue Provokation überschattet den Besuch von US-Vizepräsident Mike Pence, der an heute in Seoul erwartet wurde. Pence wollte vor dem Hintergrund der verschärften Spannungen um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm die Solidarität der USA mit dem südkoreanischen Verbündeten bekunden.

Pence wurde nach Infomationen des US-Senders CNN kurz nach einem Zwischenstopp in Alaska über den Raketentest informiert und hatte auch direkten Kontakt mit Präsident Donald Trump.

Trump weiß Bescheid - basta!

US-Verteidigungsminister James Mattis teilte wenige Stunden nach dem Vorfall mit: "Der Präsident und sein Militärstab wissen über den jüngsten missglückten Raketenstart Nordkoreas Bescheid. Der Präsident hat dem nichts hinzuzufügen."

Auf dem Programm von Vizepräsident Pence steht auch, mit US-Soldaten, die in der militärischen Pufferzone an der streng bewachten Grenze zwischen Nord- und Südkorea stationiert sind, Ostern zu feiern. Zudem will er Gespräche mit der südkoreanischen Regierung führen. In Seoul trat am Sonntagmorgen der Nationale Sicherheitsrat zusammen.

US-Präsident Trump hatte betont, dass alle Optionen auf dem Tisch lägen und die USA notfalls auch im Alleingang gegen Nordkorea vorgehen würde. Ein Regierungsvertreter, der nicht namentlich zitiert werden wollte, hatte dazu in Washington ausgeführt, die USA hätten bereits mehrere militärische Möglichkeiten überprüft. Die USA seien dazu auch im Austausch mit ihren Verbündeten.

Erst Anfang April hatte Nordkorea zuletzt eine Rakete von der Ostküste abgeschossen. Dabei dürfte es sich um eine ballistische Rakete vom Typ KN-15 mit mittlerer Reichweite gehandelt haben. Sie flog 60 Kilometer und fiel dann ins Japanische Meer. Südkoreanische Regierungsbeamte meinten, bei dem Flugkörper vom Sonntag könnte es sich um den gleichen Typ gehandelt haben, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.

UN-Resolution verbietet Raketentests

UN-Resolutionen untersagen Nordkorea den Abschuss ballistischer Raketen. Der Test erfolgte nur einen Tag nach den Feiern zum 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung, zu dem am Samstag eine große Militärparade mit tausenden Soldaten, Raketen, Panzern und anderen Militärfahrzeugen durch die Hauptstadt Pjöngjang gezogen war.

Beobachter hatten anlässlich der alljährlichen Feierlichkeiten zum "Tag der Sonne" genannten Geburtstag des verstorbenen Staatsgründers Kim Il Sung mit einem Atom- oder Raketentest gerechnet. Als Demonstration militärischer Stärke entsandte Trump einen Flottenverband mit dem US-Flugzeugträger "USS Carl Vinson", der an diesem Wochenende nahe der koreanischen Halbinsel in Position gehen sollte.

China hatte noch am Freitag vor dem Hintergrund der stark angespannten Lage eindringlich vor neuen Provokationen und Drohungen gewarnt, damit die Situation nicht außer Kontrolle gerät. Alle Seiten sollten Zurückhaltung zeigen und nichts unternehmen, was die Situation noch verschärfen könnte, sagte Außenminister Wang Yi.

Experten warnten auch davor, dass es in der aufgeheizten Situation zu Fehlkalkulationen und Missverständnissen kommen könnte, die in einem militärischen Konflikt münden könnten.

Lesen Sie auch: Statt 36 Taliban - US-Bombe tötete mindestens 94 Islamisten

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren