Gedenken an Hubert Aiwanger: Söders Kabinett trägt sich ins Kondolenzbuch ein
Wo auch immer Hubert Aiwanger (FW) hinging, war es laut. Er war einer, der nie ein Blatt vor dem Mund nahm und, wenn er es für nötig erachtete, auch gerne polterte. Doch obwohl Aiwanger am Freitagnachmittag im Mittelpunkt gestanden hat, war es ausnahmsweise ganz still. Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sowie sein Kabinett schrieben als erste in das Kondolenzbuch für den verstorbenen Freie-Wähler-Politiker, in das Bürgerinnen und Bürger sich seit Freitagnachmittag bis einschließlich Montag von jeweils 9 bis 18 Uhr im Prinz-Carl-Palais eintragen dürfen.
Als Söder – schwarzer Anzug, schwarze Krawatte, ernstes Gesicht – ankommt, schüttelt er leise Hände. Schweigend geht er mit seinem ebenfalls in Schwarz gehüllten Kabinett in die Eingangshalle des Prinz-Carl-Palais, wo ein Tisch mit dunkler Decke und einem überlebensgroßen Schwarz-Weiß-Foto von Aiwanger mit schwarzer Schärpe an der Ecke aufgestellt ist. Auf dem Tisch liegt das Kondolenzbuch und brennt eine einzelne Kerze.
Trauer um Aiwanger: Söder schweigt
Erst schreibt Söder seine Anteilnahme nieder, dann Aigner und dann ein Kabinettsmitglied nach dem anderen. Niemand wechselt ein Wort, selbst der sonst so redselige Ministerpräsident verzichtet auf eine Ansprache. Auch im Nachhinein gibt es für die Presse kein Statement. Als sein Kabinett und er unterschrieben haben, fährt er wieder.

Am Zaun zum Prinz-Carl-Palais warten bereits eine halbe Stunde vor dem offiziellen Einlass einige Bürgerinnen und Bürger darauf, ihr Mitgefühl und ihren Dank an Hubert Aiwanger niederschreiben zu dürfen – trotz kalten Novemberwetters und grauen Himmels. Wie die Kondolenzen ausfallen, erfährt die AZ nicht – die Staatskanzlei bat Medien im Vorfeld, die Menschen aus Respekt vor ihrer Trauer nicht anzusprechen.
Stolz über Aiwanger: "Unglaublich nah an den Menschen"
Mit wem die AZ sprechen kann, sind Aiwangers Parteikollegen und Staatsminister. Fabian Mehring (Digitales), der an Aiwangers Todestag noch mittags mit ihm per SMS schrieb, spricht mit zittriger Stimme. "Ich habe mich im Kondolenzbuch einerseits bedankt für den Einsatz für unsere Heimat und für die Menschen in Bayern und andererseits auch für die persönliche Freundschaft und all die Unterstützung, die ich von ihm erfahren habe."

Aiwanger sei es gewesen, der ihn zum Minister und zum Stellvertreter in der Partei gemacht habe. 15 Jahre Freundschaft hätten die zwei miteinander verbunden. "Ich verdanke ihm auch meine Karriere."

Auch Anna Stolz, Staatsministerin für Unterricht und Kultus, empfindet mit Blick auf Aiwanger große Dankbarkeit. "Er war ein Mensch, der unglaublich nah an den Menschen war und ein ganz großes Herz hatte." Ihre Augen sind glasig, während sie spricht. Ihre Gedanken, als sie von seinem Tod erfuhr: "Man kann es nicht glauben, man kann es nicht fassen, man möchte es nicht glauben."
Auch Mehring erging es so: "Man geht davon aus, er ruft gleich wieder an. Und dann gibt es so Momente wie jetzt, wo ich ins Kondolenzbuch schreibe und auf sein Bild schaue und begreife: Nein, er ruft nicht mehr an. Das ist jetzt real."
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