Fünf Stunden weichgekocht – jetzt wankt die Rebellin

Ein Tollhaus – mit unerwarteten Wendungen: Nun will die Hessen-SPD Rebellin Metzger zum Rückzug zwingen, um doch Ypsilanti mit den Stimmen der Linken zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen. Und der Druck auf Metzger beginnt zu wirken.
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Sie hat gerade 50 Wortmeldungen gegen ihre Person hinter sich: Dagmar Metzger (49) am Ende des Krisentreffens der Hessen-SPD.
dpa Sie hat gerade 50 Wortmeldungen gegen ihre Person hinter sich: Dagmar Metzger (49) am Ende des Krisentreffens der Hessen-SPD.

WIESBADEN - Ein Tollhaus – mit unerwarteten Wendungen: Nun will die Hessen-SPD Rebellin Metzger zum Rückzug zwingen, um doch Ypsilanti mit den Stimmen der Linken zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen. Und der Druck auf Metzger beginnt zu wirken.

Fünf Stunden lang debattierten Landesvorstand, Parteirat und Fraktion – eine heftige Redeschlacht. Zu Beginn sah es nach Wundenlecken aus, mürrisch wirkte Ypsilanti, sehr entschlossen die plötzlich so bekannte Abgeordnete Metzger mit ihrer Turmfrisur. Doch es kam anders. „Es war gut. Gut für Andrea“, sagt ein Teilnehmer.

Rebellin Metzger geriet – gelinde gesagt – unter Beschuss. 50 Wortmeldungen gab es gegen sie, die „Königinmörderin“. Ypsilanti formulierte vornehm, es sei „sehr, sehr eindringlich“ an Metzger appelliert worden, ihre „Auffassung zu überdenken“. Sollte sie das nicht tun, müsse sie die Konsequenzen ziehen. Die Parteispitze setzte der Rebellin ein Ultimatum, sich bis Dienstag zu entscheiden, ob sie ihr Mandat niederlegt. In Anwesenheit Metzgers wurde eine Erklärung verabschiedet: „Das Verhalten und die Umstände der Erklärung von Frau Metzger führen zu einer schweren Belastung der SPD in Hessen.“

Sichtlich mitgenommen ging die Darmstädter SPD-Frau dann an die Öffentlichkeit: „Ich werde meinen Entschluss überdenken. Meine Partei muss handlungsfähig bleiben. Es kann nicht sein, dass ein Fraktionsmitglied dann letztlich querschießt und im Parlament etwas nicht mitträgt, was als Parteitagsbeschluss da ist.“ Sie überlege daher, „das Mandat doch lieber niederzulegen, als letztendlich immer der ausgegrenzte Abgeordnete zu sein“.

Drei Optionen

Sie habe nun drei Optionen, analysierte die 49-jährige Sparkassen-Justiziarin: Mandat niederlegen und den Weg für ihren Nachrücker freimachen, Mandat behalten und Ypsilanti zusammen mit den Linken zu wählen oder aber Mandat behalten und Ypsilanti scheitern lassen. Sie werde sich „in den kommenden Tagen“ entscheiden, ob sie es bis Dienstag schaffe, wisse sie noch nicht.

Und dann die nächste Volte: Metzgers Nachrücker, der 31-jährige Juso Aron Krist, galt bisher als sicherer Ypsilanti-Fan. Gestern erklärte er aber, auch er habe „erhebliche Zweifel“ an einer Tolerierung durch die Linken und „Bauchschmerzen“, unter diesen Umständen Ypsilanti zu wählen.

Bei der fünfstündigen Krisensitzung ging es aber nicht nur wegen ihr hart zur Sache. Mehrere Redner kritisierten die Annäherung an die Linkspartei als „Himmelfahrtskommando“, bei dem die SPD „vergewaltigt werde“. Andere übten heftige Kritik an Fraktionschef Jürgen Walter: Der hatte früh von Metzgers Plänen gewusst. Doch bei der entscheidenden Fraktionssitzung, als Ypsilanti vor der Veröffentlichung ihrer Linkspläne die Mehrheit durchzählte und Metzger beim Schifahren war, signalisierte er, dass es keine Abweichler gebe. Das sei eine „Sauerei“, Ypsilanti so ins Messer laufen zu lassen, wurde ihm nun vorgeworfen. Walter wollte selbst Spitzenkandidat werden, hatte aber parteiintern gegen Ypsilanti verloren.

Am Ende der Sitzung jedenfalls wurde beschlossen, dass das Projekt Machtwechsel noch nicht aufgegeben wurde – in fast euphorischer Stimmung, hieß es. Einstimmig wurde Andrea Ypsilanti dafür das Vertrauen ausgesprochen. Auch mit der Stimme von Dagmar Metzger.

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