Eine seltsame Männerfreundschaft

Hessens Regierungschef Roland Koch: " Der Dalai Lama ist ein echter Freund. Ich verehre ihn sehr.“ Der CDU-Vize kennt Tenzin Gyatso, wie der Dalai Lama mit Mönchs-Namen heißt, schon seit mehr als 20 Jahren
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Hessens Regierungschef Roland Koch: " Der Dalai Lama ist ein echter Freund. Ich verehre ihn sehr.“ Der CDU-Vize kennt Tenzin Gyatso, wie der Dalai Lama mit Mönchs-Namen heißt, schon seit mehr als 20 Jahren

WIESBADEN Die meisten Politiker zeigen dem Dalai Lama bei seinem Deutschland-Besuch die kalte Schulter. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Steinmeier – sie alle schoben Terminschwierigkeiten vor, sagten Treffen ab. Nur einer bereitete dem tibetischen Religionsoberhaupt einen geradezu überschwänglich-herzlichen Empfang: Hessens Ministerpräsident Roland Koch.

Er holte den 72-jährigen Mönch gestern persönlich am Flughafen in Frankfurt ab. In Wiesbaden zogen sich beide dann erstmal zu einem ausgedehnten Frühstück zurück, bevor sich Koch und der Dalai Lama der Presse stellten – in ausgesprochen gelöster Stimmung, lächelnd und scherzend, so wie man Hessens Regierungschef nur selten sieht.

Keine Image-Kampagne?

Will Koch mithilfe des Dalai Lamas etwa sein Hardliner-Image aufpolieren? „Nein“, sagt er. „Der Dalai Lama ist ein echter Freund. Ich verehre ihn sehr.“ Der CDU-Vize kennt Tenzin Gyatso, wie der Dalai Lama mit Mönchs-Namen heißt, schon seit mehr als 20 Jahren.

Kennen gelernt hatten sich beide 1987 in Hofheim im Taunus. Der Filmemacher und Tibet-Aktivist Friedhelm Brückner hatte damals bei zig Bonner Ministern und Abgeordneten angeklopft, um ein Treffen mit dem Dalai Lama zu arrangieren. Doch keiner wollte – bis auf einen: der 29-jährige Roland Koch. Und der sagte auch nur zu, weil er sich von dem hohen Besuch vermutlich geschmeichelt fühlte, damals, als relativ unbedeutender Vize-Chef der Jungen Union.

Koch bei der Schwester seiner Heiligkeit

Doch es blieb nicht bei der ersten Begegnung: Koch lud den Dalai Lama 1995 nach Wiesbaden ein und besuchte ihn im Exil im indischen Dharmsala (Koch: „Ich durfte sogar bei seiner Schwester wohnen.“). 2005 holte Koch den Dalai Lama erneut nach Hessen und ließ sogar die tibetische Fahne vor der Staatskanzlei hissen – ein diplomatischer Affront, denn Tibet gilt nicht als souveräner Staat. Überhaupt muss Koch viel Kritik einstecken: Chinesische Diplomaten rufen ihn schon mal gerne persönlich an und beschimpfen ihn. Und aus christdemokratischen Reihen musste er sich fragen lassen, warum er sich so für „diese Heiden“ engagiere.

In der Tat ist diese Männerfreundschaft ziemlich ungewöhnlich. Wie passen sie zusammen – der sanftmütig-lächelnde Buddhist und der erzkonservative Katholik? Der weise Friedensnobelpreisträger aus Tibet und der knallharte Law-and-Order-Mann aus der hessischen Provinz?

Das Konservative hält Koch und den Dalai Lama zusammen

„Mir tut es gut, diesen in sich ruhenden, kraftvollen und sanften Menschen zu erleben“, sagt Koch. Er habe von ihm Optimismus gelernt. „Und mich fasziniert, wie entschlossen aber doch friedlich er für die Bewahrung der kulturellen Identität seines Volkes kämpft.“ Bewahrung der kulturellen Identität – offenbar ist es das Konservative, das den Dalai Lama und Koch zusammenhält.

Nach seinem Hessen-Besuch fuhr der Dalai Lama weiter zu NRW-Regierungschef Jürgen Rüttgers. Und heute will sich SPD-Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul mit ihm treffen. Aus den eigenen Reihen wurde sie dafür scharf kritisiert. Der Dalai Lama verständnisvoll: „Ich will keine Probleme bereiten.“

zo

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