Die dunklen Milliarden des Vatikan

Mafia- und Drogengeld – Benedikt wollte Finanzgeschäfte transparenter machen. Er ist gescheitert
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Der Vatikan hat auch seine dunklen Geheimnisse.
dapd Der Vatikan hat auch seine dunklen Geheimnisse.

 

Mafia- und Drogengeld – Benedikt wollte Finanzgeschäfte transparenter machen

MÜNCHEN Der Papst-Rücktritt war nicht der einzige im Vatikan in den letzten Wochen. Im Schatten des Benedikt-Bebens musste auch Kardinal Attilio Nicora seinen Posten aufgeben. Als Chef der Vatikan-Finanz-Aufsichtsbehörde wollte er die Milliarden-Geschäfte der Vatikan-Bank transparenter machen. Tarcisio Bertone, Benedikts rechte Hand und aktuell die Nr.1 im Vatikan, hat das verhindert.

Es gibt Einiges zu verbergen. Beim IOR, „Instituto per Opere Religione“, sollen eigentlich nur Kirchenleute Konten haben, es soll Orden und Klöstern als Finanzinstitut dienen. Auf den 44000 Konten sind mindestens sechs Milliarden Euro gebunkert. Rund 1000 Konten sollen Strohmännern gehören. Die wahren Besitzer sind unbekannt. 2010 konnten die Bank-Manager – in Wahrheit meist einfach Geistliche – 23 Millionen Euro an Überweisungen keinem echten Absender zuordnen. In den Jahren zuvor waren es 200 Millionen, deren Herkunft nicht bekannt ist.

Um dieses Schwarzgeld, mehr noch als um Schwulen-Zirkel im Vatikan, soll es bei den Dokumenten gehen, die Papst Benedikt vom Schreibtisch geklaut wurden, und die im Mittelpunkt des „Vatileaks-Skandals“ stehen. Schon in den Achtzigern sollen Mafia- und Drogen-Millionen unter der Oberaufsicht des Erzbischof Marcinkus bei der Vatikan-Bank gewaschen worden sein. Legendär ist der Selbstmord des Vatikan-Bankers Roberto Calvi 1982 unter einer Londoner Brücke.

Die Bankenaufsichten der USA und Italiens nennen das IOR „für Geldwäsche anfällig“. Seit 1942 de facto Staatsbank des Papstes, muss sie keine Rechnungslegung veröffentlichen. Die FAZ nennt die IOR ein „Offshore-Paradies für dunkle Finanzgeschäfte“. Der Reichtum des Vatikan ist unermesslich. Er gründet sich unter anderem auf die Lateranverträge, die der Vatikan 1929 mit dem Diktator Mussolini schloss. Der Vatikan verzichtet auf das Territorium des alten Kirchenstaats, als Gegenleistung kassierte der Vatikan 1,75 Milliarden Lire.

Allein die „Propaganda Fide“, die „Kongregation zur Verbreitung des Glaubens“ beziffert ihr Vermögen heute auf neun Milliarden Euro. Über 650000 Immobilien in ganz Italien, darunter Liegenschaften in Milliardenwerten rund um Rom, listete eine Mailänder Zeitung kürzlich als Vatikan-Besitz auf. Papst Benedikt versprach Transparenz bei seinem Amtsantritt. Erst 2011 gründete er eine neue Aufsichtsbehörde für die Bank. Chef wurde Kardinal Nicora. Dieser sollte dafür sorgen, dass die Bank auf die „weiße Liste“ der OECD kommt. Dort stehen nur Banken, die nicht unter Verdacht der Geldwäsche stehen. Doch die Anti-Geldwäsche-Kommission des Europarats bemängelte noch 2012, dass es beim IOR „keine Vorkehrungen gegen Terrorismus-Finanzierung“ gebe und „keine wirklich unabhängige Aufsicht“. Benedikts Transparenz-Offensive ist gescheitert.

 

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