Die CSU in Kreuth: Der Spießrutenlauf

CSU-Landtagsfraktion in Kreuth: die Affäre der BayernLB und Hypo Alpe Adria - das Schlimmste soll sofort vom Tisch. Geistiger Beistand kam am Dienstag: Münchens Erzbischof Reinhard Marx eilte nach Kreuth.
| Abendzeitung
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Wütende Demonstranten begrüßten die CSU-Landtagsabgeordneten in Kreuth mit Hohn-und Spottplakaten
dpa Wütende Demonstranten begrüßten die CSU-Landtagsabgeordneten in Kreuth mit Hohn-und Spottplakaten

MÜNCHEN/KREUTH - CSU-Landtagsfraktion in Kreuth: die Affäre der BayernLB und Hypo Alpe Adria - das Schlimmste soll sofort vom Tisch. Geistiger Beistand kam am Dienstag: Münchens Erzbischof Reinhard Marx eilte nach Kreuth.

Jetzt muss die CSU schon nach geistlichem Beistand rufen. Münchens Erzbischof Reinhard Marx eilt am Dienstag ins verschneite Kreuth. Braucht die vom Niedergang bedrohte Volkspartei etwa schon die letzte Ölung? Denn schlimmer kann es für sie wohl kaum mehr kommen: Das Desaster um den Kauf der Hypo Alpe Adria spitzt sich immer mehr zu. Der Verdacht, dass Bayern 400 Millionen Euro zu viel für die Bank gezahlt hat, erhärtet sich. Grüne und SPD nehmen die CSU nun mit Hilfe ihrer Kärntner Parteifreunde in die Zange. Und in München verhört die Staatsanwaltschaft am Dienstag Tilo Berlin, den Drahtzieher des umstrittenen Deals, der die bayerischen Steuerzahler 3,7 Milliarden Euro kostet.

Schon am Montag musste die CSU-Fraktionsspitze bei ihrer Ankunft in Kreuth einen Spießrutenlauf absolvieren. Demonstranten bildeten an der Einfahrt in das Hochtal eine Gasse und buhten die eintreffenden Politiker mit Parolen gegen die dritte Startbahn am Großflughafen Erding und die BayernLB aus.

Das Schlimmste will die CSU in ihrer Klausur gleich als erstes vom Tisch bringen. Punkt eins ist am Dienstagnachmittag die Diskussion um die Affäre der BayernLB und Hypo Alpe Adria. Hier prallen zwei Weltanschauungen aufeinander – und führen gleich zu einem brisanten Duell: Ernst Weidenbusch, der Vorsitzende des Kontrollausschusses zur BayernLB, der gnadenlos aufklären will und weder vor ehemaligen CSU-Größen noch vor Finanzminister Georg Fahrenschon Halt macht, will auch den bevorstehenden Untersuchungsausschuss leiten. Er tritt gegen Fraktionsvize Thomas Kreuzer an. Der drängt sich eigentlich nicht nach dem Amt, soll es aber übernehmen. Der ehemalige Staatsanwalt hat nämlich Erfahrung, Schaden von der Partei abzuwenden. Das hat er bereits in zwei Untersuchungsausschüssen um den Waffenhändler Karlheinz Schreiber und beim Gammelfleisch bewiesen. Kreuzer will für seinen Einsatz aber belohnt werden – mit einem Staatssekretärs-Posten.

SPD und Grüne aus Bayern und Kärnten schossen sich am Montag im Landtag ein: Als „mehrstöckigen Leichenkeller“ bezeichnete der BayernLB-Experte der Grünen, Eike Hallitzky, die Hypo Alpe Adria. Sein Kärntner Kollege Rolf Holub erklärte: „Tilo Berlin hat die Braut so geschmückt, dass die Bayern sie unbedingt haben wollten.“ SPÖ-Klubobmann Herwig Seiser drohte: „Wir werden diesen kärntnerisch-bayerischen Amigo-Sumpf trockenlegen.“

Zuvor aber erhofft sich die CSU noch tröstenden Zuspruch vom Erzbischof. Er soll gleich nach der Diskussion um die Hypo Alpe Adria die Gemüter der CSU-Fraktion kühlen. Zuspruch aber brauchen auch die Genossen in Bayern. Am Mittwochabend eilt Münchens oberster Hirte dann gleich zur Klausur der SPD – ins schwäbische Kloster Irsee.Angela Böhm

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren