Der sanfte Senkrechtstarter

„Ab heute wird die FDP liefern“: Philipp Rösler begeistert die Delegierten mit seiner Antritts-Rede als FDP-Partei-Chef.
| Katrin Kuntz
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„Ab heute wird die FDP liefern“: Philipp Rösler begeistert die Delegierten mit seiner Antritts-Rede als FDP-Partei-Chef. Als einer der Jüngsten in der Bundesregierung legt er eine steile Karriere hin.

Rostock  - Am Ende gab es neun Minuten Applaus, ein Küsschen von Frau Wiebke - und das Gefühl, es könnte wieder aufwärts gehen mit der FDP. Wirtschaftsminister Philipp Rösler, hielt auf dem Parteitag am Samstag seine erste Rede als Parteichef. Klar wurden dabei zwei Dinge: Der Wille, die Partei inhaltlich breiter aufzustellen – und einen neuen Ton anzuschlagen. Unaufgeregt soll er sein, bestimmt, selbstironisch. Es ist der Ton von Philipp Rösler.

Der Ton eines Mannes, der die Notwendigkeit kennt, die Seele seiner Partei zu streicheln. „Kein Zufall“, sei es, dass eine liberale Partei „so einen“ wie ihn, einen gebürtigen Vietnamesen, zum Parteichef wählt, sagte er. Wer ist der Mann, der die Genossen aus dem Tal der Tränen führen soll? Und: Kann er das?
Böse Stimmen nennen Rösler einen „Bundestagspraktikanten“, zu harmlos für den Politik-Betrieb, zu nett. Andere sehen in ihm einen Menschen, der Selbstverantwortung radikal ernst nimmt, und einen Funken von Obama-Optimismus hat.

Dass mit seinem Image als Polit-Küken endgültig Schluss sein soll, machte Rösler am Samstag mehr als deutlich. Nicht nur, dass er hehre Worte aus einem Gedicht des Friedensnobelpreisträgers Albert Schweitzer zitierte, das ihn motivierte, sich den Liberalen anzuschließen (s. Kasten). Deutliche Worte fand Rösler auch mit seinem Bild vom Frosch: Wirft man einen Frosch in heißes Wasser, springt er wieder aus dem Topf, erklärte er da. Sitzt er in kaltem Wasser, das langsam erhitzt wird, bleibt er drin, bis er gar ist. Was er damit meint? Zum einen, dass die Bürger das langsame Aushöhlen ihrer Bürgerrechte - im Internet oder bei den Sicherheitsgesetzen - nicht bemerken und dass die FDP als traditionelle Bürgerrechts-Partei diese Rechte wieder stärken will. Zum anderen aber auch, dass er nicht der Softie ist, für den viele ihn halten. „Soviel zum netten Herrn Rösler“, sagt er am Ende der Anekdote.
Rösler ist ein Mann, der in kein Schema passt. Der 38-Jährige hebt sich durch seine Art nicht nur ab von seinem polternden Amts-Vorgänger Westerwelle, seine Politik-Karriere sieht er auch als Signal für Migranten in Deutschland.

Mitten im Krieg wurde Rösler 1973 im südvietnamesischen Dorf Khanh Hungh geboren. Er war ein Kind ohne Namen, weiß nichts über seine Eltern, kam ins Waisenhaus. Mit neun Monaten adoptierten ihn die Röslers aus Niedersachsen – und nannten ihn Philipp. Auch die neue Familie zerbrach, Philipp Rösler wuchs nach der Scheidung seiner Adoptiv-Eltern bei dem Vater auf, einem Hubschrauberpiloten der Bundeswehr.

Auch Rösler ging nach dem Abitur 1992 zur Armee, er studierte Medizin, wurde Sanitätsoffizier. Damit die Kinder beim Arzt keine Angst hatten, nahm er Handpuppe „Willi“ - und übte sich als Bauchredner. Statt Augenarzt wurde Rösler dann doch Politiker.

Seine politische Karriere begann früh und verlief steil: Als Landeschef der Jungen Liberalen begann er in Niedersachsen, mit 27 wurde er dort Generalsekretär der FDP, später Fraktions- und Parteichef. Mit 35 Jahren war Rösler Wirtschaftsminister in Niedersachsen, ein Jahr später wechselte er – als Jüngster in Merkels Runde – nach Berlin ins Gesundheitsressort – und scheiterte mit der Kopfpauschale. Nun ist er Merkels Wirtschaftsminister, FDP-Parteivorsitzender – und Familienmensch.

Als Vater der Zwillingsmädchen Gesche und Grietje kaufte er sich 2009 mit seiner Frau Wiebke, Klinikärztin, ein Haus bei Hannover. Momentan sieht er seine Kinder meist auf dem iPhone, spätestens 2018 soll sich das ändern – mit 45, sagt Rösler, ist wieder Schluss mit der Politik. Bis dahin? „Man muss den Tiger reiten, ohne sich von ihm fressen zu lassen“, hat Rösler mal gesagt.

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