Demokraten-Parteitag: Michelle Obama wirbt für Wiederwahl

Die scheinbar grenzenlose Begeisterung aus dem ersten Wahlkampf ist verflogen. Auf dem Parteitag der Demokraten soll eine Frau helfen, die populärer ist als der Präsident.
dpa |
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Die scheinbar grenzenlose Begeisterung aus dem ersten Wahlkampf ist verflogen. US-Präsident Barack Obama muss auf dem Parteitag alles geben, um seine Anhänger mitzureißen. Ihm soll eine Frau helfen, die weit populärer ist als der Präsident selbst.

Charlotte - Zwei Monate vor der US-Präsidentenwahl wollen die Demokraten mit einer glanzvollen Parteitags-Show nun die Weichen für eine Wiederwahl Obamas stellen. Zum Auftakt der politischen Großveranstaltung in Charlotte im North Carolina) stand am Dienstagabend die Rede der First Lady Michelle Obama auf dem Programm. Das Wahlkampfteam hoffte, mit dem Auftritt der populären Präsidenten-Gattin entscheidende Sympathiepunkte zu sammeln. Bei der Convention sollen auch Ex-Präsidenten, Minderheiten-Vertreter und Stars für Obama werben. Der Schlagabtausch zwischen dem Amtsinhaber und Herausforderer Mitt Romney wird dabei immer härter.

Bei dem Parteitag der Republikaner in der vergangenen Woche hatte Romneys Ehefrau Ann auf der emotionalen Ebene vorgelegt. In einer stimmungsvollen Rede warb sie für ihn als einen "Mann, den Amerika braucht". Sie stellte ihren 65 Jahre alten Gatten als treu sorgenden Familienvater dar. Während Ann Romney bis zu ihrem Auftritt weitgehend unbekannt war, gilt Michelle Obama als ausgesprochen beliebt. Ihre Umfragewerte sind weit besser als die ihres Mannes - mehr als zwei Drittel der Amerikaner mögen sie. Im Wahlkampf versucht Michelle Obama vor allem, die persönlichen Seiten des Präsidenten zu zeigen.

In den Mittelpunkt des Parteitags rückte am Dienstag auch der 37 Jahre alte Bürgermeister der texanischen Stadt San Antonio, Julian Castro. Die Zukunftshoffnung der Partei wurde mit der Eröffnungsrede betraut. Castro ist der erste Demokrat lateinamerikanischer Herkunft in dieser Funktion. US-Fernsehsender und Zeitungen bezeichneten ihn am Dienstag bereits als einen der möglichen Nachfolger Obamas im Weißen Haus. Castro spricht wegen seiner Herkunft eine wichtige Klientel der Demokraten an. Bei der Wahl 2008 hatte Obama zwei Drittel der hispanischen Wählerstimmen erhalten.

Fast 6000 Delegierte sollen Obama am Mittwoch formell als ihren Kandidaten für die Wahl am 6. November aufstellen. Der ehemalige, in der Bevölkerung bis heute sehr beliebte US-Präsident Bill Clinton (1993 - 2001) wird die offizielle Nominierungsrede halten. Obamas mit Spannung erwartete Antrittrede ist zum Abschluss des Parteitags für Donnerstag geplant. Er wird nach eigener Aussage erklären, wie er die Wirtschaft ankurbeln, Arbeitsplätze schaffen und Mittelschicht stärken will.

Vor dem Auftritt in Charlotte nutzte der Amtsinhaber seine Wahlkampftour für neuerliche Angriffe auf Romney. Dessen Plan für die Wirtschaftserholung werde nicht funktionieren, rief Obama am Montag Anhängern in Ohio zu. Paul Ryan, Romneys Kandidat für den Vizepräsidenten, warf Obama vor, das Land in den vergangenen vier Jahren nicht voran gebracht zu haben. "Er kann Euch nicht erzählen, dass es Euch bessergeht", sagte Ryan bei einem Auftritt in North Carolina. Vizepräsident Joe Biden konterte, dass Obama die Autoindustrie gerettet und den Terrorchef Osama bin Laden getötet hat. "Amerika geht es heute besser", sagte er.

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