Interview

Florian von Brunn: "Das bringt mich wirklich auf die Palme"

Florian von Brunn (SPD) ärgert sich darüber, dass nur in Schlachthöfen auf Corona getestet wird – und dass die Union beim Arbeitsschutz blockiert.
| Natalie Kettinger
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil.
imago Bundesarbeitsminister Hubertus Heil.

München - AZ-Interview mit Florian von Brunn: Der Münchner (51) ist umwelt- und verbraucherschutzpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag.

AZ: Herr von Brunn, Corona-Ausbrüche in Schlachtbetrieben hat es in Bayern schon mehrere gegeben. Daraufhin wurde die Belegschaft getestet, für Infizierte und Kontaktpersonen wurde Quarantäne angeordnet. Ist das ausreichend?
Florian von Brunn:
Nein, es ist nicht ausreichend! Übrigens sind die Kontrollen viel zu spät erfolgt. Wir wussten schon seit Anfang April, dass in anderen Bundesländern Mitarbeiter an Schlachthöfen und Erntehelfer erkrankt sind. Es gab sogar Todesfälle. Aber die Staatsregierung hat wochenlang tatenlos zugeschaut. Das finde ich unfassbar verantwortungslos. Und jetzt wurden zwar die Mitarbeiter von Schlachthöfen getestet, aber was ist mit den vielen Erntehelfern? Erst vor wenigen Tagen kam heraus, dass fast 80 Mitarbeiter eines Spargelhofs in Schwaben an Corona erkrankt sind. Warum gibt es da immer noch kein flächendeckendes Untersuchungsprogramm? Das bringt mich wirklich auf die Palme.

"In der Schlachtbranche herrschen menschenunwürdige Zustände"

Was müsste noch geschehen?
Wir brauchen in all diesen Bereichen nicht nur flächendeckende Corona-Tests, sondern vor allem auch bessere Arbeits- und Wohnbedingungen für die Mitarbeiter! Es gibt miserable Massenunterkünfte und 90 Prozent der Beschäftigten arbeiten nur mit Werkverträgen. In der Schlachtbranche herrschen menschenunwürdige Zustände. Außerdem müssen auch der Arbeitsschutz und die Hygiene in den Betrieben scharf kontrolliert werden. Es ist ein Skandal wie mit Menschen – aber auch mit den Tieren – umgegangen wird! Deswegen bin ich froh, dass SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil diesen Saustall jetzt aufräumt.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. © imago

Stecken sich die Menschen bei der Arbeit in den Schlachthöfen an oder in den Sammelunterkünften?
Leider äußert sich die zuständige Ministerin Frau Huml dazu nicht. Die SPD-Fraktion hat darum letzten Dienstag im Landtag einen Bericht dazu durchgesetzt. Ich gehe aber davon aus, dass die Massenunterkünfte die Hauptrolle spielen. Deswegen finde ich es sehr gut, dass Hubertus Heil und die SPD im Bund für eine Gesetzesänderung zum Schutz der Arbeiter gesorgt haben: Ab jetzt darf der Zoll die Unterkünfte kontrollieren!

Hubertus Heil will auch die Beschäftigung von Subunternehmern in der Fleischindustrie ab 1. Januar 2021 verbieten. Ist das angesichts der immer neuen Covid-19-Ausbrüche nicht viel zu spät?
Wir haben im Bund die Kontrolle der Unterkünfte durchgesetzt. Wir werden auch so schnell wie möglich mit mieser Bezahlung und Scheinselbstständigkeit aufräumen. Von uns aus können wir ein entsprechendes Gesetz sofort beschließen. Aber leider blockieren noch Teile der Union. Offenbar sitzen bei denen zu viele Lobbyisten der Fleischindustrie. Das sieht man ja auch, wenn es um Tierwohl geht. Sie können aber davon ausgehen, dass wir uns in dieser Frage durchsetzen werden. Hubertus Heil lässt da nicht locker. Und wir in Bayern auch nicht.

Lesen Sie hier: BLLV-Präsidentin - "Wir fordern knallharte politische Aussagen"

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren