Brüderle ist wieder da: Herrenwitz, Teil 2

Rainer Brüderle legt seine Antwort auf die Dirndl-Affäre vor – der Beifall ist überschaubar
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"Jetzt rede ich": Rainer Brüderle (FPD) stellt in Berlin sein Buch vor.
"Jetzt rede ich": Rainer Brüderle (FPD) stellt in Berlin sein Buch vor.

Rainer Brüderle legt seine Antwort auf die Dirndl-Affäre vor – der Beifall ist überschaubar

Berlin - Doch, sie existiert noch, die FDP: Rainer Brüderle, ihr Spitzenkandidat bei der verhagelten Bundestagswahl, hat  am Mittwoch sein Buch „Jetzt rede ich“ vorgestellt – es ist seine Replik auf die Sexismus-Vorwürfe. Vorgestellt wurde das Werk von Gregor Gysi (Linke).

Brüderle hatte bisher eisern zum gesamten Thema Sexismus geschwiegen, das der „stern“ vor gut einem Jahr unter dem Titel „Der Herrenwitz“ aufbrachte. Darin hatte Reporterin Laura Himmelreich über Avancen berichtet, die Debatte wurde in ganz Deutschland hitzig geführt.

Brüderle sagt jetzt, er habe damals schweigen müssen. „Ich bin heute noch überzeugt, dass ich die Debatte anders nicht überstanden hätte. Da kommen Sie mit der Wahrheit nicht weiter, wenn Frauenrechtlerinnen wie Alice Schwarzer im Kampfmodus sind.“ Und: „Jede Äußerung hätte einen Teil der Medien nur angestachelt, ihren Feldzug mit noch größerem Eifer fortzusetzen.“

Für den FDP-Mann ist klar: Er sieht sich als Opfer einer politisch motivierten Medienkampagne. „Der ,stern’ wollte die FDP und mich beschädigen. Es war eine von langer Hand geplante politische Attacke.“ Was er damals an der Bar zu Himmelreich sagte („Sie können auch ein Dirndl ausfüllen“) sei „nicht bös gemeint“ gewesen. Es hätten viele Journalisten herumgestanden, keiner hätte sich aufgeregt, „auch die Dame nicht“. Sie habe ihn danach noch ein Jahr lang auf mehreren Terminen begleitet und sei im Auto mit ihm mitgefahren. Brüderle: „Das macht doch niemand, der sich belästigt fühlt. Ich hatte und habe ein reines Gewissen.“ Bei der Live-Vorstellung des Buchs formulierte er manches zarter als im Buch: "Ich fühle mich nicht als Opfer, aber unfair behandelt."

Und im übrigen wolle er sich künftig wieder stärker in politische Debatten einmischen, so der 68-Jährige, der gerade ein Beratungsunternehmen „Rainer Brüderle Consult“ gegründet hat. Er strebe zwar kein neues Amt an, aber: "Ich bin ein sehr freier Freidemokrat." Der neue Chef Christian Lindner habe über ihn, Brüderle, gesagt, es fehlten liberale Marktwirtschaftler wie er, also er selbst, sagte Brüderle.

In der FDP stieß sein Buch nicht eben auf Beifall. Parteivize Wolfgang Kubicki sprach es am deutlichsten aus: „Ich kann dieses Gejammer, die Medien sind böse zu uns, nicht mehr hören. Das ist albern. Man ist für seine Kommunikation immer selbst verantwortlich.“ Finanziell jedenfalls, so Kubicki, sei Brüderle nicht auf das Buch angewiesen: Nach den vielen Jahren als Minister müsste er ja wohl nicht hungern, spottete der Parteifreund. Jetzt noch die Antwort auf die Dirndl-Affäre vorzulegen, sei vielleicht für Brüderle persönlich wichtig. „Der FDP hilft es nicht.“

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