Ausgelacht? Ärztin berichtet über unschöne Begegnung mit Friedrich Merz

Ein heftiger Schlagabtausch im TV zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der Kinderärztin Bea Merscher hat hohe Wellen geschlagen. Doch nun berichtet die in Sozialen Medien aktive Medizinerin und zweifache alleinerziehende Mutter auch, was nach der Sendung "Am Tisch mit Friedrich Merz" von RTL geschehen sein soll und zeigt sich enttäuscht von der Art, wie der Kanzler mit ihr kommunizierte.
In dem Format, das am Donnerstagabend ausgestrahlt wurde, hatte Merscher Merz unter anderem für die Einsparungen im Gesundheitssystem kritisiert.
Die Kinderärztin, die auf Instagram unter dem Namen "Dr. Bea" zu Gesundheitsthemen postet und mehr als 500.000 Follower hat, erzählt in einem Video, dass es nach dem offiziellen Ende der Sendung nochmals ein Gespräch zwischen ihr und dem Kanzler gegeben habe.
Dabei habe sie ihn unter anderem eingeladen, zu der von ihr organisierten Demonstration in Berlin am 5. September zu kommen. Unter dem Motto "Es reicht! Gesundheit statt Sparwahn" soll vor dem Reichstagsgebäude – in unmittelbarer Nähe zum Bundeskanzleramt – gegen das geplante GKV-Spargesetz und weitere Einschnitte in der Familienpolitik protestiert werden.
Schützenhilfe aus Bayern
Wie reagierte Merz der Kinderärztin zufolge auf die Einladung? Merscher macht in dem Beitrag ein verächtliches Kichern nach. Gesagt habe er dann: "Ganz sicher nicht." Merscher kommentiert: "Das ist unser Bundeskanzler. Ich lass' das so stehen." Auch in weiteren Videos berichtet die zweifache Mutter darüber, dass Merz bei dem Gespräch gelacht habe.

Unterstützung bekommt sie von einem weiteren Gast der RTL-Sendung mit Merz, der in Bayern bereits für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Der dreifache Familienvater Oliver Bernt aus Oberfranken hatte im November 2025 eine Petition mit mehr als 200.00 Unterschriften an den Bayerischen Landtag übergeben, die den Erhalt des Kinderstartgelds forderte (AZ berichtete). Diese Landesleistung war den Sparmaßnahmen im Haushalt zum Opfer gefallen. Die Staatsregierung wollte das Geld stattdessen lieber in den Kita-Ausbau stecken – und blieb trotz des Protests hart.
"Worüber haben Sie gelacht?"
Bernt springt Merscher nun bei und bestätigt in einem Video die Reaktion des Kanzlers, bei der er dabei gewesen sei. Auf Nachfrage seinerseits hätte Merz die Einladung "abgetan" und dies mit Zeitmangel begründet. Im Text zum Video schreibt "Dr. Bea" an den Kanzler gerichtet: "Worüber haben Sie gelacht? Mich, unser soziales Engagement oder das Thema unserer Demo?"
Es ist aber nicht das einzige Thema, um das es nach Aussagen der Kinderärztin bei dem Gespräch nach dem TV-Auftritt gegangen sein soll. Sie habe Merz nach einem Foto gefragt, sofern er ihr gegenüber nach dem verbalen Schlagabtausch vor der Kamera nicht zu negativ eingestellt sei. Er habe geantwortet: "Ich bin nicht pikiert, Frau Merscher. Aber die Aussagen, die Sie getroffen haben, sind straffällig."
Damit bezog sich der Kanzler wohl auf die im TV getroffene Aussage Merschers, Merz breche seinen Amtseid und erlasse menschenverachtende und zerstörerische Gesetze wie das Sparpaket bei den Gesundheitsausgaben. "Das geht jetzt ein bisschen über das normale Maß der Kritik hinaus", antwortete Merz während der von Pinar Atalay moderierten Sendung. "Das ist eine persönliche Herabsetzung, die geht zu weit."
Merz: "Das ist ziemlich starker Tobak"
Er sei bereit, Kritik hinzunehmen, sagte Merz in der Sendung. "Dass wir Probleme haben und dass wir die lösen müssen, einverstanden. Aber das geht zu weit."
Man könne ja sagen, man sei nicht einverstanden mit dem, was die Bundesregierung tue. "Aber uns, und auch mir persönlich, einen vorsätzlichen Bruch meines Amtseides vorzuwerfen, das ist schon ziemlich harter Tobak." Er weise den Vorwurf mit Entschiedenheit zurück, "dass ich vorsätzlich die Zukunft dieser Kinder zerstöre".
Auch Bernt ging hart mit dem Kanzler ins Gericht
Merz wies Vorwürfe zurück, die Gesundheitsreform gehe eher auf Kosten der Versicherten als beispielsweise der Pharmaindustrie. "Das ist ein Gefühl. Aber das entspricht nicht unserem Gesetz", sagte der Kanzler. Die Bundesregierung habe alle Beteiligten am Gesundheitswesen mitbelastet und "aufgefordert und auch dazu gebracht, Einsparbeiträge zu leisten". Merz ergänzte: "Also ich finde, Sie machen sich das ein bisschen leicht."

Auch Bernt hatte Merz in der Sendung harsch kritisiert und monierte, die Politik lasse Familien mit Kindern allein. "Ich finde, Ihre Kritik ist ein bisschen zu hart", antwortete der Kanzler. "Wir tun nach wie vor viel für die Familien." Er wisse natürlich, dass man mehr tun könnte, aber Spielräume für die öffentlichen Haushalte seien begrenzt.