Arm trotz Arbeit: Immer mehr Menschen haben mehrere Jobs

Die Zahl der Menschen, die parallel mehreren Beschäftigungen nachgehen, ist gestiegen - die Linke wirft der scheidenden Regierung vor, versagt zu haben.
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Viele Beschäftigte gehen aus purer finanzieller Not einem weiteren Job nach.
Hannibal Hanschke/dpa Viele Beschäftigte gehen aus purer finanzieller Not einem weiteren Job nach.

Wenn ein Job nicht zum Leben reicht: Immer mehr Deutsche gehen mehreren Beschäftigungen nach.

Binnen zehn Jahren nahm die Zahl der Mehrfach-Arbeiter nahezu kontinuierlich um rund eine Million auf 3,2 Millionen im vergangenen März zu, wie aus einer Erhebung der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervorgeht. Und das, obwohl die Arbeitslosigkeit sinkt und der Konjunktur-Motor brummt. Die Linken im Bundestag hatte die Zahlen bei der BA angefragt.

Auch im Vorjahresvergleich nahm die Zahl zu. Im März des vergangenen Jahres waren knapp 3,1 Millionen Arbeitnehmer betroffen. Bis Jahresende nahm die Zahl zu, um seither wieder leicht abzusinken.

Die Linke fordert, Leiharbeit komplett abzuschaffen

Mit 2,7 Millionen Betroffenen ist eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit mindestens einer zusätzlichen geringfügigen Beschäftigung (450-Euro-Job) die häufigste Kombination. Mehr als 310 000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte haben mindestens einen weiteren solchen Job.

Eine dritte Variante ist, dass Beschäftigte eine ausschließlich geringfügige Arbeit und mindestens eine weiteren geringfügigen Job ausüben. Das betraf über 260 000 Menschen. Die Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann, die die Anfrage gestellt hatte, kritisierte: "Für immer mehr Beschäftigte reicht das Einkommen aus einem Job nicht mehr aus. Der überwiegende Teil dürfte aus purer finanzieller Not mehr als einen Job haben und nicht freiwillig."

Viel zu viele Menschen seien arm trotz Arbeit. "Die scheidende Bundesregierung hat hier auf der ganzen Linie versagt", kritisierte Zimmermann. Dass der Mindestlohn eingeführt worden ist, sei nicht ausreichend gewesen, um Arbeit existenzsichernd zu machen. Nötig sei deshalb, diesen zu erhöhen und "Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit" abzuschaffen.

Die Arbeitslosigkeit ist zuletzt auf ein neues Rekordtief gesunken. Knapp 2,5 Millionen Arbeitslose gab es im September. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nahm in den vergangenen Jahren fast kontinuierlich von 26,8 auf knapp 32 Millionen zu, die der ausschließlich geringfügig Beschäftigten sank von 5,2 auf rund 4,9 Millionen.

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