6000 Euro für ein Date mit Rüttgers

Die NRW-CDU verkauft Gesprächstermine mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers: Eine Privataudienz kostet 6000 Euro, geht nun aus Werbebriefen hervor. Die CDU sprach von einem „ungeschickten Sprachgebrauch“, versicherte aber, Rüttgers sei nicht käuflich.
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CDU bietet Treffen zum Verkauf an – reine Fototermine billiger als mit Gespräch
dpa CDU bietet Treffen zum Verkauf an – reine Fototermine billiger als mit Gespräch

Die NRW-CDU verkauft Gesprächstermine mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers: Eine Privataudienz kostet 6000 Euro, geht nun aus Werbebriefen hervor. Die CDU sprach von einem „ungeschickten Sprachgebrauch“, versicherte aber, Rüttgers sei nicht käuflich.

DÜSSELDORF

Es geht um den Parteitag der NRW-CDU Mitte März: Derzeit verschickt die Partei Briefe an Firmen und potenzielle Sponsoren, ob sie nicht Ausstellungsfläche bei der Veranstaltung erwerben möchten. Im Angebot ist etwa das so genannte „Partnerpaket“, das einen mehr als 15 Quadratmeter großen Stand plus „Einzelgespräche mit dem Ministerpräsidenten und den Minister/innen“ verspricht. Der Preis: 20000 Euro. Für 14000 Euro gibt es eine Ausstellungsfläche von 10 bis 15 Quadratmetern, dann aber nicht mehr mit vertraulicher Unterredung, sondern nur noch inklusive „Fototermin mit dem Ministerpräsidenten und den Minister/innen“. Das persönliche Date mit Rüttgers kostet also 6000 Euro Aufpreis.

Ein Parteisprecher räumte die Existenz der Briefe ein und sprach von einem „ungeschickten und falschen Sprachgebrauch einzelner Mitarbeiter“. Der Preisunterschied beziehe sich nur auf die Größe der Stände. Generalsekretär Hendrik Wüst sagte, er bedauere, dass mit den Schreiben „ein falscher Eindruck“ entstehe. Allerdings ist die Praxis nicht neu: Auch beim Parteitag 2008 konnte man ein „Partnerpaket“ samt Gespräch mit Rüttgers buchen.

Von der Opposition kam harsche Kritik. „Wenn CDU-Minister-Kontakte käuflich zu erwerben sind, ist das nichts anderes als die Anbahnung politischer Korruption und der Marsch in die Bananenrepublik“, so Thomas Oppermann, Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Die grüne Landtags-Fraktionschefin Sylvia Lührmann sprach von einem „weiteren Baustein im Sittengemälde der Amtsführung von Schwarz-Gelb“.

Rüttgers wurde es dann offenbar selbst zu peinlich: Gestern erklärte er, er habe angewiesen, die Briefe nicht länger zu verschicken. tan

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