Wartezimmer: Wo Sie wirklich laaange warten

Eine neue Befragung zeigt, welche Ärzte besonders schnell Termine vergeben – und was Patientenschützer deswegen fordern.
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Mr. Bean (Rowan Atkinson) vertreibt sich die Zeit, indem er sich über andere Patienten lustig macht.
YouTube/Goodnight Mr. Bean Mr. Bean (Rowan Atkinson) vertreibt sich die Zeit, indem er sich über andere Patienten lustig macht.

Es nervt, klar. Stundenlanges Sitzen neben hustenden Menschen, röchelnden Patienten und schreienden Kindern geht an die Substanz. Man hat seine Zeit ja nicht gestohlen, heißt es dann. Muss sich daran etwas ändern? Ja, meint Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Er machte jüngst Furore, als er Ärzten mehr Geld für Sprechstunden ohne Terminvergabe versprach.

Mediziner und Krankenkassen lehnten das prompt ab. Experten sprechen von einer Phantomdebatte. So zählten die Wartezeiten in Deutschland im internationalen Vergleich zu den kürzesten, heißt es. Klagen Patienten zurecht übers viele Warten?

Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) gaben bei einer Befragung im vergangenen Jahr nur noch 27 Prozent der Versicherten an, im Vorjahr ohne einen Tag Wartezeit einen Termin bekommen zu haben. In den Umfragen bis 2008 lag der Anteil stets bei mindestens 30 Prozent. Deutlich häufiger als früher gebe es auch Wartezeiten von mehr als drei Wochen. Die KBV-Befragung birgt noch mehr Details:

Regionale Unterschiede: Nach wie vor sind demnach kurze Wartezeiten in den alten Bundesländern häufiger als in den neuen.

Frauen warten häufiger: Wartezeiten von mehr als drei Wochen betreffen häufiger Frauen. "Dies dürfte aber auch mit dem höheren Anteil an Vorsorgeterminen bei Frauen unter 60 Jahren zusammenhängen", heißt es in dem Papier.

Beim Facharzt dauert’s: Bei Hausärzten wartet die große Mehrheit höchstens drei Tage auf einen Termin, bei Fachärzten länger.  Und innerhalb der Facharzt-Gruppen? Bei HNO-Ärzten und Chirurgen gibt es schneller Termine als etwa bei Frauen- und Hautärzten oder Orthopäden.

Wie lange Sie sitzen: Die Wartezeiten in der Praxis sind seit Jahren konstant. Nur jeder Elfte hatte demnach im Vorjahr gar keine. Gut ein Drittel kam innerhalb einer Viertelstunde dran, fast genauso viele nach 30 Minuten. 17 Prozent verbrachten bis zu eine Stunde im Wartezimmer, sieben Prozent bis zu zwei Stunden und zwei Prozent noch länger.

Besser Privat versichert: In allen genannten Aspekten waren Privatpatienten im Vorteil. Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, sagt: "Studien sind das eine, die alltäglichen Erfahrungen (...) zeigen etwas anderes." Manche gesetzlich Versicherte müssten Monate warten. "Auch, weil Privatpatienten für den Arzt schlicht lukrativer sind."

Besonders schwierig sei es für Ältere und Pflegebedürftige. "Deshalb ist wichtig, dass die Terminservicestellen ausgeweitet werden, Ärzte mehr Sprechstunden anbieten und Hausbesuche machen sollen."

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