Neue Infektion in Bayern - Deutsche werden ausgeflogen

Ein Flugzeug der Bundeswehr soll Deutsche aus Wuhan in die Heimat bringen. In Deutschland infiziert sich auch ein Kind mit dem Coronavirus. Es ist der sechste Patient hierzulande.
| dpa
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Die Südpfalz-Kaserne am Rande von Germersheim. Hier sollen die Rückkehrer in Quarantäne gebracht werden.
Frank Wiedemann/Bundeswehr/dpa/dpa 9 Die Südpfalz-Kaserne am Rande von Germersheim. Hier sollen die Rückkehrer in Quarantäne gebracht werden.
Der Airbus A310 "Kurt Schumacher" startet auf dem Flughafen Köln Bonn in Richtung Wuhan, um Deutsche auszufliegen.
Oliver Berg/dpa/dpa 9 Der Airbus A310 "Kurt Schumacher" startet auf dem Flughafen Köln Bonn in Richtung Wuhan, um Deutsche auszufliegen.
Diese Turnhalle auf dem Gelände des Frankfurter Flughafens steht als erste Quarantäne für die aus Wuhan ausgeflogenen Menschen bereit.
Boris Roessler/dpa/dpa 9 Diese Turnhalle auf dem Gelände des Frankfurter Flughafens steht als erste Quarantäne für die aus Wuhan ausgeflogenen Menschen bereit.
Die aus Wuhan Evakuierten werden zunächst auf dem Frankfurter Flughafen untergebracht, bevor sie nach einer ersten Untersuchung ins rheinland-pfälzische Germersheim gebracht werden.
Boris Roessler/dpa/dpa 9 Die aus Wuhan Evakuierten werden zunächst auf dem Frankfurter Flughafen untergebracht, bevor sie nach einer ersten Untersuchung ins rheinland-pfälzische Germersheim gebracht werden.
Ein Hinweisschild informiert in der Quarantänehalle auf dem Gelände des Flughafens in Frankfurt über das Corona-Virus.
Boris Roessler/dpa 9 Ein Hinweisschild informiert in der Quarantänehalle auf dem Gelände des Flughafens in Frankfurt über das Corona-Virus.
Außenminister Heiko Maas gibt ein Statement zur Rückführung deutscher Staatsbürger aus China.
Michael Kappeler/dpa/dpa 9 Außenminister Heiko Maas gibt ein Statement zur Rückführung deutscher Staatsbürger aus China.
Sicher ist sicher: Ein Pilot im Schutzanzug parkt einen Jet auf dem internationalen Flughafen Wuhan-Tianhe. An Bord: 60 Tonnen medizinisches Material.
Cheng Min/XinHua/dpa/dpa 9 Sicher ist sicher: Ein Pilot im Schutzanzug parkt einen Jet auf dem internationalen Flughafen Wuhan-Tianhe. An Bord: 60 Tonnen medizinisches Material.
Fiebermessen bei der Ankunft im Flughafen der chinesischen Stadt Wuhan.
Dake Kang/AP/dpa/dpa 9 Fiebermessen bei der Ankunft im Flughafen der chinesischen Stadt Wuhan.
Gespenstische Bilder in Zeiten des Coronavirus: Ein Temperatur-Scanner am indonesischen Flughafen "Sultan Iskandar Muda" interessiert sich nur für eines - die Körpertemperatur der Reisenden.
Zikri Maulana/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa/dpa 9 Gespenstische Bilder in Zeiten des Coronavirus: Ein Temperatur-Scanner am indonesischen Flughafen "Sultan Iskandar Muda" interessiert sich nur für eines - die Körpertemperatur der Reisenden.

Köln/Berlin - Erstmals hat sich ein Kind in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert. Sein Vater ist einer der ersten fünf Patienten in der Bundesrepublik, die alle bei der Firma Webasto im bayerischen Stockdorf angestellt sind.

Auch Deutschland holt wie bereits die USA, Frankreich und Japan seine Bürger nun aus der von der neuen Lungenkrankheit schwer betroffenen Stadt Wuhan heraus. Am Freitagmittag startete eine Maschine der Luftwaffe vom Flughafen Köln-Wahn Richtung China.

Die Rückkehrer sollten am Samstagmittag in Frankfurt landen und dann für etwa 14 Tage in die Südpfalz-Kaserne am Rande von Germersheim in Quarantäne gebracht werden. Mit dem Rückholflug sollten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur etwa 130 Menschen - rund 90 deutsche Staatsbürger und etwa 40 Angehörige mit anderer Staatsangehörigkeit - ausgeflogen werden. Die Teilnahme an dem Flug ist freiwillig. Es gebe unter den Passagieren keine Verdachtsfälle, betonte Außenminister Heiko Maas (SPD). Beim Hinflug sollten auf Bitten Chinas 10.000 Schutzanzüge mitgenommen werden, die vor Ort gebraucht würden.

Die Menschen in Germersheim reagierten weitgehend gelassen auf die Nachricht, dass die Heimkehrer in ihrer Stadt isoliert werden sollen. "Wir haben die Franzosen überlebt, wir haben die Hippies überstanden - da wird uns doch ein Virus aus China nicht gleich umbringen", sagte ein 72-Jähriger und spielte mit den Hippies auf die bis zu 100.000 Besucher eines legendären Rockfestivals 1972 in der südpfälzischen Kommune an. Die Kaserne sei für eine Quarantäne gut geeignet, sagte Landrat Fritz Brechtel. "Es ist ein abgegrenztes Gelände. Für die Menschen stehen in einem großen Gebäude Einzelzimmer mit Nasszellen bereit." Er habe den Eindruck, dass bestmögliche Vorbereitungen getroffen worden seien.

Angespannter ist die Situation am Webasto-Standort in Stockdorf (Landkreis Starnberg), wo am Montag der erste Fall der Lungenkrankheit bei einem Mitarbeiter festgestellt wurde und inzwischen vier weitere Kollegen infiziert sind. Dort war eine infizierte Kollegin aus China zu Gast, die ihre Erkrankung erst auf dem Rückflug bemerkt hatte. Zusammen mit dem Kind, das im Landkreis Traunstein wohnt, gibt es nun sechs registrierte Fälle in Deutschland, alle im Zusammenhang mit der Firma Webasto in Stockdorf.

"Uns erreichen vermehrt Meldungen von Mitarbeitern, die nicht zur Risikogruppe gehören, dass sie und ihre Familien von Institutionen, Firmen oder Geschäften abgewiesen werden, wenn bekannt wird, dass sie bei Webasto arbeiten", sagte der Vorstandsvorsitzende Holger Engelmann am Freitag. "Wir verstehen, dass die aktuelle Situation Menschen verunsichert und auch ängstigt, aber das ist eine enorme Belastung für die Familien unserer Mitarbeiter." In einem Fall habe es einer Sprecherin zufolge eine Autowerkstatt mit Verweis auf das Virus abgelehnt, das Auto eines Mitarbeiters zu reparieren.

Die Zahl der in China bestätigten Fälle war am Freitag auf 9692 gestiegen, wie die Gesundheitskommission in Peking berichtete. Die Zahl der Toten stieg um 42 auf 213. Außerhalb Chinas wurde das Virus bisher bei mehr als 120 Menschen in über 20 Ländern nachgewiesen, Russland und Großbritannien meldeten am Freitag je zwei Fälle. In Afrika gab es bisher keinen einzigen bestätigten Fall.

Aufgrund der rasanten Ausbreitung hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstagabend eine "gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite" ausgerufen.

Italien hat nach zwei bestätigten Fällen im eigenen Land den Notstand ausgerufen, um eine besondere Koordinierung der Einsatzkräfte zu gewährleisten und Bürokratie zu vermeiden. Zudem stoppte es nach eigenen Angaben als erster EU-Staat alle Flüge von und nach China.

Airlines einiger Länder, darunter die Lufthansa, haben ihre China-Flüge bereits eingestellt. Noch in den ersten elf Monaten 2019 flogen etwa 1,5 Millionen Passagiere aus China nach Deutschland, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Erfasst wurden dabei ausschließlich Direktflüge. Die meisten Passagiere aus China landeten demnach 2018 in Frankfurt (1.019.000 Reisende), gefolgt von München (449.000) und Berlin-Tegel (50.000). Die wichtigsten Airports für die Verbindung von China nach Deutschland waren in Peking, Shanghai und Hongkong. Direktflüge nach Deutschland aus Wuhan fanden nicht statt.

International wird derweil an verschiedenen Stellen an der Entwicklung eines Impfstoffs gearbeitet. Die Tübinger Biotechfirma CureVac bekam von der internationalen Impfstoffinitiative CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) eine Zusage über eine Förderung in Höhe von 8,3 Millionen US-Dollar (rund 7,5 Millionen Euro). Die Impfstoff-Allianz, an der auch Deutschland beteiligt, unterstützt weltweit mehrere ähnliche Initiativen.

Auch am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) arbeiten Forscher an einem Impfstoff. Es dauere mindestens ein Jahr, bis klar sei, ob er wirke und sicher sei, schätzte Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie an der Philipps Universität Marburg und dem DZIF. Die EU-Kommission stellte am Freitag zehn Millionen Euro für die Erforschung des neuen Coronavirus bereit.

Ein litauisches Nachrichtenportal wurde nach eigenen Angaben Opfer einer Cyberattacke. Unbekannte hätten am Freitag auf der Internetportal der Tageszeitung "Kauno Diena" eine gefälschte Nachricht platziert, wonach ein US-Soldat in Litauen mit dem Coronavirus infiziert sei. Die auf Litauisch verfasste Fake News sei nach einem unerlaubten externen Zugriff auf das Redaktionssystem von kauno.diena.lt aufgetaucht. Sie sei nach Minuten entfernt worden.

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