Mann entführt 13-Jährige und missbraucht sie 108 Mal

Die damals 13-Jährige verschwindet 2013 mit seinem Internet-Bekannten. Der ist fast 40 Jahre älter. Sie hausen im Zelt und fahren durch Europa. In Italien wird der Mann 2018 gefasst. Am Mittwoch begann sein Prozess.
| Rosemarie Vielreicher
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Maria kommt in den Gerichtssaal.
Patrick Seeger/dpa Maria kommt in den Gerichtssaal.

Freiburg - Ein Mann taucht mit einem Mädchen unter – es ist rund 40 Jahre jünger als er, noch ein Kind. Jahrelang fehlt jede Spur von Maria aus Freiburg. Dann im vergangenen Sommer taucht sie plötzlich wieder bei ihrer Mutter auf. Und erzählt ihre Geschichte. Diese führt sie quer durch Europa – und endet vor Gericht.

Am Mittwoch hat nämlich in Freiburg der Prozess gegen Marias jahrelangen Begleiter begonnen. Dem Deutschen (58) aus Blomberg in Nordrhein-Westfalen werden Kindesentführung und sexueller Missbrauch zur Last gelegt. An wirkliche Freiwilligkeit glaubt die Staatsanwältin Nikola Novak nicht: Der Mann habe Maria, damals erst 13 Jahre alt, kontrolliert, ihr Kontakte zu anderen verboten und sie in 108 Fällen sexuell missbraucht.

Maria kommt in den Gerichtssaal.
Maria kommt in den Gerichtssaal. © Patrick Seeger/dpa

Der Angeklagte lernte das Mädchen im Internet kennen

Der Angeklagte räumte am Mittwoch ein, mit Maria untergetaucht zu sein. Für seine Aussagen wurde aber die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Aus Persönlichkeitsgründen.

Was genau ist ab Mai 2013 geschehen? Die Anklage schildert es so: Der verheiratete Familienvater flüchtet mit der damals 13-jährigen Maria ins Ausland – ohne dass deren Eltern von dem Plan wissen. Erste Kontakte habe es bereits im April 2011 gegeben, sagt Staatsanwältin Novak. Der rund 40 Jahre ältere Mann habe die damals Elfjährige über ein Chat-Forum im Internet kontaktiert und sich dabei anfangs als Teenager ausgegeben. Die Beziehung zu ihr habe er dominiert.

Die Polizei sucht nach dem Verschwinden sogar mit internationalem Haftbefehl nach dem Mann, ohne Erfolg. Eine erste Spur führt nach Polen: Wenige Wochen nach seinem Abtauchen wird das ungleiche Paar in der Kleinstadt Gorlice gesehen.

Der Angeklagte wurde erst 2018 festgenommen

Auch danach gibt es immer wieder Hinweise, Lebenszeichen von Maria und dem Mann haben Familie und Polizei aber fünf Jahre lang nicht. Auch das Engagement von Marias Mutter, die mit Aufrufen im Internet und in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY – ungelöst" um Hilfe bittet, bleibt wirkungslos.

In den mehr als fünf Jahren, in denen Maria und der Mann durch Europa reisen und untergetaucht bleiben, darf Maria kein Mobiltelefon nutzen und auch nicht ins Internet gehen. Das erinnert an den "Tatort" aus dem Schwarzwald vom März – der Krimi ist an diese Details von Marias Verschwinden angelehnt.

Der Mann wird erst im September 2018 in Italien festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Maria flüchtet zuvor, taucht überraschend wieder bei ihrer Mutter in Freiburg auf. Sie sagt aus, sie seien mit einem Zelt durch Osteuropa gereist, dann weiter nach Italien. Zwei Jahre verbringen sie demnach in einer Wohnung auf Sizilien. Ist das Paar dort nicht aufgefallen? Einheimische erzählen später, Maria und der Mann hätten sich als Vater und Tochter ausgegeben. Maria, die jetzt 19 Jahre alt ist, und ihre Mutter treten als Nebenklägerinnen auf.

Gericht prüft Sicherheitsverwahrung

Bei Kindesentzug drohen laut Strafgesetzbuch bis zu fünf Jahre Haft, in schweren Fällen bis zu zehn Jahre. Zudem prüft das Gericht, ob anschließende Sicherungsverwahrung möglich ist. Die formellen Voraussetzungen dafür seien gegeben, sagte die Staatsanwältin. Nun müsse das Gericht prüfen, ob es Sicherungsverwahrung anordne.

Für den Strafprozess sind sieben Verhandlungstage geplant. Gehört werden sollen 15 Zeugen und ein psychiatrischer Sachverständiger. Das Urteil soll es Ende Juni geben.

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