"Krimis schockieren mich"

Anke Engelke spielt im ZDF-Krimi „Wut im Bauch“ die jüngere Schwester der Kommissarin Lucas. Der Comedy-Star im AZ-Interview über Gewalt gegen Frauen und das Dilemma bei Bettszenen.
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MAINZ - Anke Engelke spielt im ZDF-Krimi „Wut im Bauch“ die jüngere Schwester der Kommissarin Lucas. Der Comedy-Star im AZ-Interview über Gewalt gegen Frauen und das Dilemma bei Bettszenen.

„Kommissarin Lucas“ (Ulrike Kriener) macht sich große Sorgen. Ihre Schwester Rike verliebt sich ausgerechnet in einen verurteilten Gewaltverbrecher, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Schon zum dritten Mal spielt Anke Engelke im ZDF-Krimi „Wut im Bauch“ die jüngere Schwester der Kommissarin.

AZ: Frau Engelke, Rike verteidigt den Mann, der sie schlägt. Warum?

ANKE ENGELKE: Frauen verlieben sich in Männer, die im Knast sitzen – das ist ein ganz weit verbreitetes Phänomen. Wie viele Frauen leben ihr Helfersyndrom aus und denken, nur sie allein könnten diesen Mann retten.

Aber passiert so etwas denn tatsächlich auch einer Frau wie Rike?

Wir haben uns viel mit dieser Frage beschäftigt. Es gibt aber einen großen Unterschied zwischen Rike und den anderen „Helfersyndrom- Frauen“. Sie verliebt sich nicht in eine Projektion, nicht in einen eingesperrten Mann. Sie hat Robert kennen und dadurch lieben gelernt.

So sehr, dass es ihr nichts ausmacht, dass er seine Ex- Freundin geschlagen und vergewaltigt haben soll?

Rike hat ein echt hartes Leben, keinen Job und kein festes Zuhause. Sie nistet sich bei ihrer großen Schwester ein. Da ist die Beziehung so etwas wie ein Strohhalm für sie.

Mögen Sie selbst Krimis?

Nein, ich bin überhaupt kein Krimifreund, die nehmen mich viel zu sehr mit. Oft bin ich nachher schockiert, richtig benommen und denke: Zum Glück ist mir das nicht passiert. Gott sei Dank ist das nur ein Film. Auf der anderen Seite finde ich aber gut, dass „Wut im Bauch“ viel näher am Leben dran ist, als man wahr haben möchte.

Wenn Sie schon beim Zuschauen so starke Gefühle haben, wie war es für Sie, das Opfer zu spielen? Rike wird verfolgt, gekidnapped und mit einer Pistole bedroht.

Bei der Szene mit der Waffe hatte ich große Angst. Ich habe auch privat eine große Furcht vor Pistolen. Deshalb finde ich es ganz gut, dass ich bislang vor der Kamera noch nicht so viel damit zu tun gehabt hatte. Michael Roll, der Kommissar Noethen spielt, hat erzählt, wie Polizisten ihm gezeigt haben, eine Pistole richtig zu halten. Da gehört die Waffe schon zum Körper.

Die Angst rührte allein daher, dass eine Waffe mit im Spiel war?

Ja, bei anderen Szenen ist man in einem Dilemma. Einerseits spürt man die Rolle, andererseits ist alles auch unglaublich technisch. Am krassesten ist es bei Bettszenen, wenn man darauf achten muss, dass man sich auch nicht nur einen Zentimeter weiter nach links dreht, weil man sonst wieder irgendeinen Schatten auf dem Gesicht hat. Und dann darf auch die Bettdecke auf keinen Fall verrutschen, sonst könnte die Szene ja für unter 18-Jährige nicht sendbar sein. Das macht es fürs Spiel sehr schwer.

Kennen Sie dieses Phänomen auch von Ihren komischen Rollen?

Absolut. Auch wenn man eine blöde Nacht hatte oder einen ein Magen-Darm-Virus plagt, muss man aussehen, wie das blühende Leben und alles mit der notwendigen Leichtigkeit spielen. Manchmal ist das total grotesk. Aber ich mag diese große Herausforderung sehr gerne. Manchmal ist man auch überwältigt von der eigenen Kraft, die sich dadurch freisetzt.

Heute bekommen Sie Ihren vierten Grimme-Preis. Mit Bastian Pastewka werden Sie für die Sat 1-Show „Fröhliche Weihnachten“ geehrt. Wie wichtig sind Ihnen Preise?

Machen wir uns nichts vor, ich freue mich immer, wenn wir ausgezeichnet werden. Wir stehen ja nicht so viel auf der Bühne, wo man direktes Feedback bekommt. Und die Quoten sind auch kein richtiger Maßstab für die Qualität der Arbeit. Insofern ist so ein Preis ganz schön schön.

Interview: Angelika Kahl

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