Hamstern kann auch der Staat: Die Bundesreserve Getreide

In 150 Hallen lagern deutschlandweit hunderte Tonnen Getreide. Gedacht sind die Noteinlagerungen für Krisenzeiten. Die Corona-Pandemie gehört aber nicht dazu.
| Lukas Schauer
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Hülsenfrüchte sind ebenfalls Teil der Bundesreserve Getreide.
BLE 2 Hülsenfrüchte sind ebenfalls Teil der Bundesreserve Getreide.
Meterhoch liegen die Säcke in den Lagerräumen.
BLE 2 Meterhoch liegen die Säcke in den Lagerräumen.

München - Meterhoch türmen sich die Getreideberge: Roggen, Hafer und vor allem Weizen wird in der "Bundesreserve Getreide" vom Staat eingelagert. Diese wiederum ist Teil der sogenannten "zivilen Notfallreserve", in der noch Reis, Hülsenfrüchte und Kondensmilch gebunkert sind.

Wie viel genau? "Am 31.12.2019 waren 789.775 Tonnen Getreide und 125.829 Tonnen Reis und Hülsenfrüchte im Bestand der Nationalen Vorratshaltung. In der Zivilen Notfallreserve Kondensmilch wurden 4.695 Tonnen Kondensmilch in der Werkslagerung für den Notfall vorgehalten", schreibt die für die Einlagerungen zuständige Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft (BLE) auf AZ-Anfrage.

Die Standorte der Lager sind geheim

Wo genau diese Lager sind, ist geheim. "Bei einer Veröffentlichung der Standorte der Lagerstätten würde die Wahrscheinlichkeit, dass in einer Versorgungskrise die Lager das Ziel von Plünderungen würden, deutlich zunehmen", so die Sprecherin weiter. Nur so viel: 150 Standorte deutschlandweit sind es, oft am Rande von Ballungsgebieten – und in der Nähe einer Mühle. Denn im Ernstfall fahren THW und Bundeswehr das Getreide dorthin, um es zu Mehl verarbeiten zu lassen.

Hülsenfrüchte sind ebenfalls Teil der Bundesreserve Getreide.
Hülsenfrüchte sind ebenfalls Teil der Bundesreserve Getreide. © BLE

Für zehn Jahre bleibt das Getreide in den Hallen. Dann werden alle Vorräte ausgetauscht. 2019 wurden etwa in Bayern 20.000 Tonnen Weizen zur Einlagerung ausgeschrieben. Gedacht ist die Bundesreserve Getreide für Krisenfälle, wie etwa für Naturkatastrophen, (Tier-)seuchen, Streiks oder terroristische Anschläge, oder auch für einen GAU, der größer ist als der von Tschernobyl. Im Ernstfall sollen die Vorräte für mehrere Wochen reichen.

Corona-Pandemie ist keine Bedrohung für die Lebensmittelversorgung

Die aktuelle Corona-Pandemie hat die staatlichen "gehamsterten" Vorräte nun wieder in den Fokus gerückt. Allerdings ohne Anlass, wie das Ministerium der AZ auf Nachfrage sagt: "Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geht  derzeit nicht davon aus, dass das Coronavirus-Geschehen zu einer Versorgungskrise führen könnte. Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln ist aktuell gesichert."

Zurückgegriffen hat Deutschland tatsächlich noch nie auf die Vorräte. Einzig im Jahr 1999 lieferte die Bundesrepublik einige hundert Tonnen Linsen, Erbsen und Reis in den Kosovo. Aufgrund des Balkan-Krieges waren dort innerhalb weniger Tage tausende Flüchtlinge angekommen.

Fast 16 Millionen Euro kostet die Einlagerung jedes Jahr

Weil die Einlagerung und der Kauf des Getreides den Staat jedes Jahr rund 15,9 Millionen Euro kosten, gibt es seit Bestehen des Vorrats immer wieder Kritik und Rufe nach einer Auflösung der Lager.

Meterhoch liegen die Säcke in den Lagerräumen.
Meterhoch liegen die Säcke in den Lagerräumen. © BLE

Auch wegen der Corona-Pandemie sind diese Rufe aber derzeit etwas verstummt. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sagt dazu: "Gebraucht wurde sie (die Bundesreserve Getreide, d. Red.) noch nie. Sie ist nur für den absoluten Notfall. Davon sind wir in der jetzigen Lage weit entfernt. Aber es ist gut, dass wir sie haben und immer wieder erneuern. Auch wenn ihre Auflösung mehrfach aus Sparsamkeitsgründen gefordert wurde: Ich werde sie als zuständige Bundesministerin aufrechterhalten."

Lesen Sie hier: Lebensmittelketten bleiben an Osterfeiertagen geschlossen

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