Der Peer und der Pontifex

Prominente neue Nutzer bei Twitter: Seit gestern machen auch der SPD-Kanzlerkandidat und der Papst mit.
| Annette Zoch
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„Wo muss ich drücken? Ah, da!“ Der Tweet von Papst Benedikt war schon vorgeschrieben, er musste nur noch auf „senden“ tippen.
AP „Wo muss ich drücken? Ah, da!“ Der Tweet von Papst Benedikt war schon vorgeschrieben, er musste nur noch auf „senden“ tippen.

ROM/BERLIN Die ganze Welt twittert. Seit Mittwoch hat der Internet-Kurznachrichtendienst zwei neue prominente Nutzer: Papst Benedikt XVI. und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

Steinbrück war vor dem Papst dran: Von 10 bis 11 Uhr gab der erklärte Internetmuffel ein „Twitterview“ – und wurde unter dem Motto „fragpeer“ mit Tweets überschüttet. Gleich zu Beginn musste er einräumen, dass er nicht selbst an der Tastatur sitzt. Referent Tobias Nehren half ihm. „Ich lese, mein Nachbar tippt. Der ist einfach schneller“, ließ Steinbrück ausrichten.

Fleißig versuchte er, so viele Fragen wie möglich abzuarbeiten. „Keine Stratego-Spielchen!“, pfefferte er zurück, als ein User ihn nach der Ampel fragte. Sein Bild von der Kavallerie, die er wegen der Steuerpolitik in die Schweiz schicken wollte, verteidigte er: „Mag undiplomatisch gewesen sein, aber es hat gesessen und die Bekämpfung von Steuerbetrug beflügelt.“

Wie immer bei Twitter kamen auch massenhaft Scherz-Fragen, wie: „Hallo @peersteinbrueck, wo bleibt mein Bier?“ Steinbrück: „Ist das eine konkrete Frage oder ihre Art von Humor?“ Auf die Frage: „Dürfen wir Sie jetzt immer Peer nennen?“, gab er zurück: „Treten Sie der SPD bei, dann dürfen Sie mich duzen.“

Einseitig, aber dafür weltweit beachtet war die Kommunikation von Papst Benedikt XVI. Während der Generalaudienz um kurz vor 12 Uhr setzte er auf dem iPad seinen ersten vorbereiteten Tweet ab: „Liebe Freunde! Gerne verbinde ich mich mit euch über Twitter. Danke für die netten Antworten. Von Herzen segne ich euch.“ Alleine diese kurze Botschaft wurde von Twitter-Nutzern rund 30 000 Mal retweetet, also weiterverbreitet. Aber: An den Sieg-Tweet von US-Präsident Barack Obama (über 500 000 Retweets) kam er nicht ran.

Und natürlich war auch der Papst nicht vor Scherzkeksen sicher: „Aus meinem iPhone kam gerade weißer Rauch!“, twitterte ein User. Andy Drop bat: „Grüße an Erwin Lindemann in Wuppertal.“

Noch schlimmer dran war allerdings Ex-Tennisstar Boris Becker. Er ist schon lange bei Twitter und zählt dort zu den populärsten Nutzern. Aber nicht, weil er so eine große Fangemeinde hat – sondern weil seine Tweets so unfreiwillig komisch sind. Jetzt hat er wieder einen Klops gelandet: „Grosser Bewunderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel! Ich bin sehr stolz und werde Patriot, als Sie Friedensnobelpreis gewonnen hat!!!“, stammelte er.

Problem: Nicht Merkel hat den Nobelpreis geholt, sondern die EU. Eine Welle des Spotts folgte: „Lasst uns Becker einen Duden schenken, oder eine Buchstabensuppe“, bat eine Nutzerin. Ein anderer ätzte: „Jahrzehnte in der Steueroase verbringen und über Patriotismus reden!“ Boris Becker reagierte verschnupft. „Was fuer 1Reaktion in der Twitterwelt, wenn man etwas ueber Merkel,Dankbarkeit und Patriotismus twitschert“ und klagte bitterlich: „Blanker Neid,Missgunst und Schadenfreude kommt aus meinem Handy“.

Vielleicht sollte er es so machen wie Papst Benedikt. Der reagiert auf den Spott gar nicht. Dafür gab er noch ein bisschen Lebenshilfe: „Sprich mit Jesus im Gebet.“ Und twittern kann man ja mit dem Papst.

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