Auto rast durch Fußgängerzone und verletzt mehrere Menschen

Umgestürzte Stühle, Kinderspielzeug auf der Straße: Eine Spur der Verwüstung hat ein Autofahrer im nordhessischen Hofgeismar hinterlassen. Es gibt mehrere Verletzte. Was bislang bekannt ist.
von  Christine Schultze, Sandra Trauner und Isabell Scheuplein, dpa
Das Auto fuhr laut Polizei mit hoher Geschwindigkeit durch die Fußgängerzone.
Das Auto fuhr laut Polizei mit hoher Geschwindigkeit durch die Fußgängerzone. © ---/HessenNewsTV/dpa

Schock und Aufregung im nordhessischen Hofgeismar: Ein Autofahrer raste am Vormittag mit hoher Geschwindigkeit durch die Fußgängerzone und verletzte dabei mehrere Menschen. Ursache war ersten Erkenntnissen zufolge ein medizinischer Notfall. Alles deute auf ein medizinisches Problem hin, sagte ein Polizeisprecher. Hinweise auf eine andere Ursache liegen seinen Aussagen zufolge nicht vor. 

Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurden acht Menschen bei dem Vorfall am Freitagvormittag in der Fußgängerzone verletzt, vier wurden vorsorglich in Krankenhäuser gebracht. Sie hätten Schürfwunden, Prellungen oder Schock davongetragen. Schwere Verletzungen sollen nach bisherigen Informationen bei keinem der verletzten Passanten vorliegen.

Die Fahrt des Autos durch die Fußgängerzone sorgte für große Aufregung, wie der Hauptamtsleiter der Kleinstadt, Chris Dworak, der Deutschen Presse-Agentur sagte. Sofort sei die Frage aufgekommen, welchen Hintergrund der Vorfall habe. "Hier hat das Telefon nicht mehr stillgestanden."

Was nach ersten Erkenntnissen passiert ist

Das Auto prallte den Angaben zufolge nach der mehreren Hundert Meter langen Irrfahrt gegen ein Kaufhaus-Schaufenster. Der Fahrer des Pkw wurde von einem Notarzt behandelt. Er wurde ins Krankenhaus gebracht und befinde sich in einem kritischen Zustand, berichteten die Beamten. 

Passanten hätten zuvor bei dem Fahrer in seinem Auto Erste Hilfe geleistet. Es handelt sich laut Polizei um einen 68 Jahre alten Mann aus Hofgeismar (Landkreis Kassel), eine Kleinstadt mit knapp 16.000 Einwohnern, die rund 25 Kilometer nördlich von Kassel entfernt liegt. 

Umgestürzte Stühle und Warenständer

Das Auto kollidierte laut Fotos auch mit Sitzmöbeln eines Eiscafès, die umstürzten. Auch die Außenständer von Geschäften fielen um, zu sehen sind umgefallene Warenkörbe, die auf der Straße liegen - zusammen mit Sitzpolstern, Geschirr und Spielsachen wie kleine Eimer mit Straßenmalkreiden für Kinder. 

Laut Polizei entstand in der Fußgängerzone hoher Sachschaden, der noch nicht beziffert werden kann. In die Ermittlungen wurde der Polizei zufolge auch ein Gutachter eingebunden.

Polizei und Rettungsdienst eilten mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort. In einem Video der "Hessische/Niedersächsischen Allgemeinen" (HNA) sieht man ein Feuerwehrauto, rot-weiße Absperrbänder und Warnhütchen. 

Was Zeugen berichten

"Zeugen gaben gegenüber den vor Ort eingesetzten Polizisten an, dass ihnen der Autofahrer zuvor an einem Zebrastreifen unweit der Mühlenstraße aufgefallen war", berichtete die Polizei. Dieser habe "augenscheinlich medizinische Probleme" gehabt. 

"Als sie den am Steuer sitzenden Mann ansprechen wollten, sei der Mercedes plötzlich mit hoher Geschwindigkeit in die Fußgängerzone gefahren, wo er mehrere Passanten erfasste, mit den Außenständern der Geschäfte kollidierte, gegen das Schaufenster des Kaufhauses fuhr und kurz danach schließlich stehenblieb."

Vorfall zur besten Einkaufszeit am Vormittag

Hauptamtsleiter Dworak sagte, es habe sofort Abstimmungen zwischen Bürgermeister Torben Busse (CDU), dem Stadtbrandinspektor und 1. Stadtrat sowie der Polizei gegeben. Zudem seien die Kindertagesstätten der Stadt vorsorglich informiert worden. Der Vorfall habe sich zu einem Zeitpunkt am Vormittag ereignet, zu dem sich zahlreiche Menschen in der Fußgängerzone aufgehalten haben dürften.

Der Vorfall weckte zunächst Erinnerungen an eine Tat im ebenfalls nordhessischen Volkmarsen - damals, im Februar 2020, steuerte ein Mann absichtlich sein Auto in einen Karnevalsumzug. Mindestens 88 Menschen, darunter 26 Kinder, wurden teils schwer verletzt. Der Fahrer wurde später zu lebenslanger Haft verurteilt.

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