Aerosol-Forscher: Die Corona-Gefahr lauert drinnen

Joggen mit Maske und Ausgangssperren bringen wenig im Kampf gegen das Coronavirus, glauben Experten. Man müsse dagegen viel stärker Zusammentreffen in Gebäuden reduzieren.
| Marco Krefting, Gisela Gross
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Spezielle Schutzmaßnahmen müssen laut den Experten besonders dort getroffen werden, wo sich Menschen lange gemeinsam in Innenräumen aufhalten - wie zum Beispiel in Schulen.
Spezielle Schutzmaßnahmen müssen laut den Experten besonders dort getroffen werden, wo sich Menschen lange gemeinsam in Innenräumen aufhalten - wie zum Beispiel in Schulen. © Felix Kästle (dpa)

Führende Aerosolforscher aus Deutschland schlagen Alarm: "Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass DRINNEN die Gefahr lauert", heißt es in einem Brief an die Bundesregierung und an die Landesregierungen.

"Leider werden bis heute wesentliche Erkenntnisse unserer Forschungsarbeit nicht in praktisches Handeln übersetzt", kritisieren die Verfasser. In Wohnungen, Büros, Klassenräumen, Wohnanlagen und Betreuungseinrichtungen müssten Maßnahmen ergriffen werden. In Innenräumen finde auch dann eine Ansteckung statt, wenn man sich nicht direkt mit jemandem trifft, sich aber ein Infektiöser vorher in einem schlecht belüfteten Raum aufgehalten hat, warnen sie.

Die Atemluft eines Mannes ohne Mundschutz wird bei einem Versuch der Universität der Bundeswehr München farblich dargestellt.
Die Atemluft eines Mannes ohne Mundschutz wird bei einem Versuch der Universität der Bundeswehr München farblich dargestellt. © Christian Kähler/Universität der Bundeswehr München/dpa

Debatten über das Flanieren auf Flusspromenaden, den Aufenthalt in Biergärten, das Joggen oder Radfahren seien hingegen kontraproduktiv. Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Joggen an Alster und Elbe in Hamburg etwa seien eher symbolischer Natur und ließen "keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen erwarten", schreiben die Experten.

Sars-CoV-2-Erreger würden fast ausnahmslos in Innenräumen übertragen. Im Freien sei das äußerst selten, im Promille-Bereich. Hierauf sollten die begrenzten Ressourcen nicht verschwendet werden. Auch würden im Freien nie größere Gruppen - auch Cluster genannt - infiziert, wie das in Innenräumen etwa in Heimen, Schulen, bei Veranstaltungen, Chorproben oder Busfahrten zu beobachten sei.

Ausgangssperren halten nicht, was sie versprechen

Auch die Ausgangssperren versprechen aus Sicht der Wissenschaftler mehr als sie halten können. "Die heimlichen Treffen in Innenräumen werden damit nicht verhindert, sondern lediglich die Motivation erhöht, sich den staatlichen Anordnungen noch mehr zu entziehen", heißt es in dem Brief.

Und weiter: "In der Fußgängerzone eine Maske zu tragen, um anschließend im eigenen Wohnzimmer eine Kaffeetafel ohne Maske zu veranstalten, ist nicht das, was wir als Experten unter Infektionsvermeidung verstehen."

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Stattdessen empfehlen die Autoren mehrere Maßnahmen wie Treffen in Innenräumen so kurz wie möglich zu gestalten, mit häufigem Stoß- oder Querlüften Bedingungen wie im Freien zu schaffen, effektive Masken in Innenräumen zu tragen sowie Raumluftreiniger und Filter überall dort zu installieren, wo Menschen sich länger in geschlossenen Räumen aufhalten müssen - etwa in Pflegeheimen, Büros und Schulen.

"Die Kombination dieser Maßnahmen führt zum Erfolg", heißt es weiter. "Wird das entsprechend kommuniziert, gewinnen damit die Menschen in dieser schweren Zeit zugleich ein Stück ihrer Bewegungsfreiheit zurück."


Zu den Unterzeichnern des Briefes zählen der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, Generalsekretärin Birgit Wehner und der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch.

 

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