30 Prozent Provision: So zocken Lieferdienste ab

Für Verbraucher sind sie bequem, für Restaurants derzeit oft die einzige Umsatzmöglichkeit. Doch die Anbieter sind durchaus umstritten.
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Ein Fahrrad-Kurier des Online-Lieferservice "Lieferando" steht an einer Haustür. (Symbolbild)
Ein Fahrrad-Kurier des Online-Lieferservice "Lieferando" steht an einer Haustür. (Symbolbild) © dpa/Michael Kappeler

München - Große Auswahl, unkomplizierte Bezahlung und Lieferung direkt an die Tür: Schon lange können Verbraucher ihre Lieblingspizza auch online bestellen. Doch die Corona-Krise hat diesen Trend massiv beschleunigt.

Verhältnis zwischen Lieferando und Restaurants umstritten

Die Konsumenten sparen sich den Weg nach draußen. Für viele Restaurants wiederum ist es derzeit oft die einzige Möglichkeit, überhaupt etwas zu verkaufen. Lieferdienste bieten somit eine Chance - doch die hat Kritikern zufolge auch Schattenseiten.

"Das Abholen und Bringen von Speisen ist aktuell der einzig noch erlaubte Vertriebskanal für die Restaurants", sagt Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga. "Gezwungenermaßen setzen viele Gastronomen auf das Take-Away-Geschäft." Davon profitieren vor allem Lieferdienst-Plattformen wie der Branchenriese Lieferando, eine Tochtermarke des holländischen Konzerns Takeaway.

Wenige Lokale können sich Zusammenarbeit mit Lieferportalen leisten

"Die großen Online-Plattformen greifen jede Menge Wertschöpfung ab", sagt Hartges. "Es sind die Restaurants, die das Produkt besitzen und die die wirtschaftliche Verantwortung für ihren Betrieb und ihre Mitarbeiter tragen - und eben nicht die Portale." Bei hohen Provisionen pro Bestellung sei klar, dass sich nur sehr wenige Restaurants eine solche Zusammenarbeit leisten könnten.

In München gibt es mit Wolt Lieferdienst-Konkurrenz

Seit 2019 ist Lieferando in Deutschland nahezu der einzige Anbieter, der die gesamte Palette von der Online-Bestellung bis zur Lieferung abdeckt. Seit Kurzem gibt es in München auch noch den finnischen Lieferdienst Wolt mit seinen blau gekleideten Kurierfahrern, der das Quasi-Monopol von Lieferando aufbrechen will.

Zuvor hatte Takeaway die Lieferdienste Lieferheld, Pizza.de oder Foodora geschluckt. Auch Deliveroo ist vom deutschen Markt verschwunden.

Lieferheld, Foodora und Deliveroo sind verschwunden

Und Lieferando profitiert enorm von der Krise: Allein im vierten Quartal stieg hierzulande die Zahl der Bestellungen über die Plattform um rund 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf rund 56 Millionen. Für 2020 geht der Konzern für sämtliche seiner Märkte von einem Umsatz von rund 2,4 Milliarden Euro aus.

Lieferando verlangt bis zu 30 Prozent Bestellumsatz

Für die Restaurants kann die Zusammenarbeit mit Lieferando jedoch kostspielig werden: 30 Prozent des Bestellumsatzes werden laut Deutschland-Chefin Katharina Hauke fällig, wenn ein Lieferando-Fahrer das Essen ausliefert. Liefert das Restaurant selbst, fallen 13 Prozent für die Nutzung der Lieferando-Plattform an. Das sei bei rund 90 Prozent der Gastronomen der Fall, sagt Hauke. Der Lieferdienst Wolt nimmt 25 bis 30 Prozent Provision für die Auslieferung.

Hartges erkennt das Argument an. Es gebe durchaus Betriebe, die sagten, dass sie über Lieferdienste deutlich mehr Bestellungen bekämen. "Letztendlich kann die Frage, was sich wirklich lohnt, der Gastronom nur individuell und abhängig von seiner konkreten Betriebssituation beantworten", sagt sie.

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