Zweite Stammstrecke: Das sagen Gegner und Befürworter

Der Bau der Zweiten Stammstrecke ist besiegelt, die Bagger können anrollen. Nicht alle finden das aber gut, vor allem die Haidhauser Bürgerinitiative ist enttäuscht. Politik und Fahrgastverbände hingegen sind erfreut.
| AZ/Sophie Burfeind
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Die zweite Stammstrecke kommt. Das Echo ist zweigeteilt.
dpa Die zweite Stammstrecke kommt. Das Echo ist zweigeteilt.

München - Reaktionen auf die Entscheidung:

Ingo Mittermaier, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion: „Schön, dass sich endlich was tut! Eine Entscheidung zum Großprojekt ist längst überfällig. München und die Region brauchen die zweite Röhre, damit der öffentliche Personennahverkehr in Zukunft funktioniert. Die Bevölkerung in Stadt und Umland wächst, die Pendlerzahlen steigen. Ein zuverlässiges und leistungsfähiges S-Bahn-Netz ist deshalb schlicht unverzichtbar.“

Zweiter Bürgermeister Josef Schmid (CSU): „Ich freue mich, dass das Projekt jetzt vorankommt, ist wichtig für München.“ Münchner SPD-Abgeordneter und Umweltsprecher Florian von Brunn: „Dass die Finanzierung nun endlich nach jahrelangem Hin und Her steht, ist eine überaus gute Nachricht für Hunderttausende von Pendler. Es ist auch eine gute Nachricht für den Klimaschutz, da ich erwarte, dass mehr Menschen vom Auto auf den öffentlichen Verkehr umsteigen.“

Zweite Stammstrecke kommt: Hier verläuft der neue Tunnel

Andreas Nagel, Aktion Münchner Fahrgäste: „Wir wünschen dem Projekt, dass es nicht in einem Atemzug mit Stuttgart 21 genannt wird. Ganz unbescheiden fordern wir auch einen pünktlichen und zuverlässigen Betrieb bis zum Jahr 2025. Aber es darf nicht bis dahin dauern, dass sich bei der S-Bahn nachhaltig etwas verbessert – zum Beispiel eine feste Oberleitung, eine Eindringüberwachung an jedem Tunneleingang und einen Regionalzughalt am Bahnhof Poccistraße.“

Markus Ganserer, verkehrspolitischer Sprecher der Landtags-Grünen: „Ein Durchbruch ist doch schon mehrfach verkündet worden. Das Geld sollte man lieber in den Ausbau der Außenäste des S-Bahn-Netzes investieren. Wir wollen außerdem, dass die Wirtschaftlichkeit noch einmal geprüft wird.“

Was die Haidhauser sagen

Lärm, Dreck und Laster: Nicht überall freut man sich auf den Bau des Tunnels. Die Bürgerinitiative in Haidhausen ist nicht sehr begeistert vom Bau der Zweiten Stammstrecke.

Während viele Münchner jubeln, dass die zweite Stammstrecke endlich kommen soll, gibt es eine Gegend in der Stadt, wo sich die Menschen über diese Nachricht weniger freuen: Haidhausen. In diesem Stadtviertel ist der Bau des Tunnels schon lange umstritten.

Zwar ist mittlerweile klar, dass zum größten Teil unterirdirsch gebaut wird - trotzdem wird es Baustellen am Orleansplatz, Johannisplatz oder Pariser Platz geben. Manche fürchten auch, dass ihre Häuser beschädigt oder bald Hunderte von Lastwagen durch die Straßen donnern könnten. Wie geht man in Haidhausen nun mit dieser Nachricht um?

Bei der Bürgerinitiative „S-Bahn-Ausbau“ ist man naturgemäß nicht begeistert. Sie versucht seit elf Jahren, den Tunnelbau zu verhindern und setzt sich für den Ausbau des Südrings ein. Walter Heldmann (74) ist der zweite Vorsitzende. Er sagt: „Es gäbe viele Alternativen, um die Verkehrsprobleme zu verbessern, die deutlich weniger kosten würden.“ Und überhaupt seien 3,4 Millarden Euro für einen Tunnel in erster Linie Verschwendung von Steuergeldern, die nicht mal alle Probleme lösen würden. Die Bürgerinitiative wolle weiter alles versuchen, den Bau zu verhindern - mit Klagen oder Demonstrationen.

Auch Adelheid Dietz-Will (SPD) vom Bezirksausschuss Haidhausen jubelt nicht nach der Entscheidung. Aber es sei seit Langem klar, dass der Tunnel komme, sagt sie. „Und München bricht zusammen vor Verkehr, das kann nicht so weitergehen.“ Aus diesem Grund sei der Bau des Tunnels sinnvoll.

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