Zweite Röhre: CSU ist jetzt dagegen

Der München-Chef Otmar Bernhard möchte  erstmal die Störungsursachen außerhalb der Stammstrecke beseitigt wissen – und schreibt einen Protestbrief.
| Willi Bock
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Die Stammstrecke kommt am Ostbahnhof wieder an die Oberfläche.
Die Stammstrecke kommt am Ostbahnhof wieder an die Oberfläche.

Der München-Chef Otmar Bernhard möchte  erstmal die Störungsursachen außerhalb der Stammstrecke beseitigt wissen – und schreibt einen Protestbrief.

München - Es ist eine radikale Kehrtwende, die die Münchner CSU bei der zweiten Stammstrecke vollzieht. Erst stand sie mit ihrem damaligen Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) hinter dem Milliardenprojekt. Doch seit 2008 verabschiedet sie sich schrittweise davon. Münchens CSU-Chef Otmar Bernhard rückt jetzt ganz davon ab: „Es wäre wichtiger, die Störungsursachen bei der S-Bahn zu beseitigen, als für zwei Milliarden Euro eine Röhre zu bauen.“ Das würde den Fahrgästen „wirklich nutzen“.

Die meisten Störungen träten „doch außerhalb des Tunnels“ auf, findet Bernhard. In einem Protestbrief an Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) lässt er es an Deutlichkeit nicht fehlen. Die Planungen für die zweite Röhre würden „im Gegenteil zur Verschlechterung des Angebots“ führen: „Da baut man eine Röhre, in der nur drei Züge in der Stunde durchfahren.“

Die „ganz überwiegende Mehrzahl der Störfälle“ lägen an der „veralteten Signal- und Steuerungstechnik, an Notfalleinsätzen, nicht ausgebauten Bahntrassen oder sonstigen Ursachen auf den Außenästen“. Bernhard an Zeil: „Ihr Argument, dass der zweite Tunnel die alleinige Lösung und daher dringend notwendig ist, um die Störanfälligkeit des S-Bahn-Systems zu beheben, wurde damit seit langem widerlegt. Es stellt die Fakten geradezu auf den Kopf.“

Statt eine zweite Röhre zu graben, sollte Zeil erst diese Probleme angehen. Zudem werde die Röhre „nur für einen einzigen Verkehrsträger, nämlich die S-Bahn“, genutzt und lasse Regional- und Fernverkehr außen vor. Das sei eine „groteske Fehlplanung“, so Bernhard zur AZ: „Wir halten das Projekt für nicht geeignet, weil es keine Lösung für die Probleme des Bahnknotens München bringt.“
Bernhard fordert wieder, die U-Bahnlinie <TH>5 nach Pasing zu verlängern. Das sei eine „gewichtige Verbesserung und wesentlich günstigere Maßnahme, um Störungen zu beherrschen und den Fahrgästen einen Bypass zu bieten“.

Im übrigen sieht Bernhard die Finanzierung auch dann gefährdet, wenn München am 6. Juli den Zuschlag für Olympia 2018 bekäme: „Der Bund bräuchte dann 800 Millionen Euro zusätzlich.“ Die Rechnung: Der Bundesanteil am Zwei-Milliarden-Projekt liege bei einer Milliarde Euro. Aus dem beschränkten Topf „Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz“ könne er für München aber nur 200 Millionen herausnehmen. Die fehlenden 800 Millionen müssten auf anderem Wege generiert werden. Bernhard: „Ich persönlich bin da sehr skeptisch.“

Die Münchner CSU war lange für die zweite Stammstrecke. Durch die massiven Proteste in Haidhausen bekamen die Tunnel-Gegner in der Münchner CSU zunehmend Oberwasser. Sie fordern einen Ausbau des S-Bahnsystems außerhalb der Röhre.

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