Zwei Drittel der Kinder leiden unter der Corona-Krise

Depressionen, Essstörungen, Ängste und Abhängigkeiten - die psychischen Probleme von Kindern nehmen während der Pandemie zu.
| Christina Hertel
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Besonders während des zweiten Lockdowns hat es den Ergebnissen zufolge eine Zunahme von Suizidgefährdungen, schwerem Alkohol- und Drogenmissbrauch gegeben. (Symbolbild)
Besonders während des zweiten Lockdowns hat es den Ergebnissen zufolge eine Zunahme von Suizidgefährdungen, schwerem Alkohol- und Drogenmissbrauch gegeben. (Symbolbild) © Christoph Soeder/dpa

München - Der erste Kuss, der erste Rausch, die erste Zigarette heimlich auf dem Schulklo - vieles was zum Erwachsenwerden dazu gehört, verpassen Jugendliche gerade. Das hat Folgen: Zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen geben an, gerade psychisch hoch belastet zu sein.

Studie zeigt: Risiko für psychische Auffälligkeiten hat sich fast verdoppelt

So geht es aus einer Studie hervor, die das Sozialreferat am Dienstag vorstellte, um eine Anfrage der CSU-Fraktion zu beantworten.

Mehr als 70 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen fühlen sich demnach durch die Corona-Krise seelisch belastet. Stress, Angst und Depressionen haben zugenommen. Das Risiko für psychische Auffälligkeiten habe sich fast verdoppelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), auf die sich das Sozialreferat beruft.

Verläufe verschlechterten sich im zweiten Lockdown

Jedoch berichten auch Münchner Kinderkliniken und Jugendpsychiatrien dem Sozialreferat, dass sich bestehende Symptomatiken wie Kinder- und Jugenddepressionen, Essstörungen sowie Ängste verschärfen.

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Besonders während des zweiten Lockdowns verschlechterten sich demnach die Verläufe. Es habe eine Zunahme von Suizidgefährdungen, schwerem Alkohol- und Drogenmissbrauch gegeben.

"Die häuslichen Spannungen spitzen sich in etlichen Familien zu"

Auch die Fachkräfte in den städtischen Einrichtungen schildern, dass die Belastungen gestiegen seien. Die Anfragen an die Fachkräfte haben sich laut Sozialreferat fast verdoppelt.

Die Behörde schreibt in ihrem Bericht: "Die häuslichen Spannungen spitzen sich in etlichen Familien zu so heftigen Konflikten zwischen den Eltern zu, dass es die Kinder psychisch nicht mehr verkraften."

ÖDP fordert Konzepte zum Kinderschutz

Trotzdem würden die polizeilichen Meldungen zu häuslicher Gewalt laut Sozialreferat nicht steigen. Bis auf den Monat April 2020 seien die Zahlen eher unauffällig. Das Sozialreferat vermutet allerdings eine Dunkelziffer.

Die ÖDP fordert nun in einem Antrag, dass die Stadt Konzepte zum Kinderschutz erarbeiten solle. Kindeswohlgefährdungen würden laut ÖDP von Lehrern, Erziehern und Ärzten gemeldet.

Doch während des Lockdowns fällt dieser Kontakt weg. Dass mit Familien telefonisch Kontakt gehalten werde, sei nicht ausreichend.

Auch von der CSU gibt es Kritik. Denn trotz der hohen psychischen Belastung, der Kinder derzeit ausgesetzt sind, plant die Stadt keine weiteren Stellen in diesem Bereich. Das sei "irritierend", meint der Stadtrat und Arzt Hans Theiss. "Hier wäre jeder Euro Gold wert."

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