Zum 80. Geburtstag: Uschi Dämmrich von Luttitz erinnert sich an Rudolph Moshammer - "Weißt, Uschi, der größte Feind der Menschheit ist die Gier"

Am Sonntag wäre Rudolph Moshammer (1940 - 2005), Modemacher, Paradiesvogel und echtes Original, 80 Jahre alt geworden. In der AZ erinnert sich seine Vertraute Uschi Dämmrich von Luttitz an Mosi - und beschreibt ihre bemerkenswerten Begegnungen
| Uschi Dämmrich von Luttitz
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
10  Kommentare Empfehlungen
"Mei Uschi, heit hab i wieder a Freid": Rudolph Moshammer und Uschi Dämmrich von Luttitz als heiteres Wiesn-Pärchen.
"Mei Uschi, heit hab i wieder a Freid": Rudolph Moshammer und Uschi Dämmrich von Luttitz als heiteres Wiesn-Pärchen. © privat

Gastbeitrag von Uschi Dämmrich von Luttitz

Die Moderatorin und Diplom-Psychologin lebt als gebürtige Münchnerin im Mangfalltal und empfindet es als Privileg, so unendlich viele unterschiedliche Menschen aus allen Schichten und Kreisen kennenlernen zu dürfen mit ihren einzigartigen Gepflogenheiten und Besonderheiten. Alle haben sie eine unverwechselbare Persönlichkeit. Mit Rudolph Moshammer, den sie sehr gut kannte, moderierte sie 1999 und 2000 die BR-Wiesn-Sendung "Wenn die Uschi mit dem Mosi".

"Ja mei, dann bleib' ma halt dahoam und schickn a Video-Botschaft, du, i find' Livestream sowieso super, einen Podcast mach ich auch, Watch-Party sowieso, auf YouTube hab' ich einen Kanal. Und Uschi, ehrlich gesagt, Influencer bin ich doch schon immer, ich weiß gar nicht, was die jetzt da alle wollen. Und: Soll ich das jetzt zugeben, dass ich 80 werde, also I woaß ned. Was moanst'n du?"

***

So ähnlich hätte der Rudi, Rudolpho, wie ich ihn nannte, wahrscheinlich seine Überlegungen angestellt.

Rudi wäre natürlich gerne 80 Jahre geworden, vorausgesetzt, er hätte es erlebt. Aussehen würde er wie eh und je, perfekt gestylt und gepflegt, vielleicht ein paar Kilo zu viel. Rudi findet gutes Essen einen Hochgenuss.

Er ärgert sich immer, dass, wenn er endlich all die vielen Interviews für die verschiedenen Sender gegeben hat, meistens die Buffets leer sind und er nur noch Reste bekommt. Aber seine Statements sind bei den Filmemachern gefragt und haben damit Vorrang.

Wie hab' ich ihn in Erinnerung: Rudi ist witzig, humorvoll, tut den Menschen nie weh, beobachtet genau und hat immer diesen Anflug von Philosophie: "Weißt, Uschi, der größte Feind der Menschheit ist die Gier."

Auch das, worin letztlich die ausgleichende Gerechtigkeit für die Menschen, vor allem für die Nicht-Privilegierten besteht, beschäftigt ihn. Er meint, dass die, die alles haben, oft am unzufriedensten sind.

Als Moshammer zu "Rei in der Tube" greifen musste

Rudi erkämpft und erarbeitet sich seinen Wohlstand, in seinem tiefen Inneren ist er bescheiden geblieben. Er wächst in gesicherten Verhältnissen auf, aber dann verliert sein Vater seinen Beruf als Versicherungsdirektor und endet in der Obdachlosigkeit. Rettungsanker ist eine enge Bindung an seine Mama Else, die er abgöttisch liebt. Sie unterstützt ihn bei seiner Karriere. Die Verletzlichkeit verlässt ihn nie.

Seine große vierbeinige Liebe ist seine Hundedame Daisy. Mit Daisy besucht uns Rudi mal - und Daisy verewigt sich auf einem Teppich im Haus. Rudi rennt sofort in die Küche, findet in der hintersten Ecke des Haushaltsschrankes "Rei in der Tube" und fertigt einen Schaum an, mit dem Daisys Hinterlassenschaft von ihm fachmännisch aufgelöst wird.

Rudi ist diesbezüglich praktisch. Daisy soll allerdings nicht nach meinem Vorschlag im Gras rumlaufen, das will Rudi nicht: Sie könnte krank werden. Rudi hat eben seine eigenen Vorstellungen von Hundehaltung.

Bei seinem Besuch lässt er es sich nicht nehmen, meinen Sohn Constantin in einen Skate-Park in die Nähe von Höhenkirchen-Siegertsbrunn zu fahren, und zwar im Rolls-Royce.

Lesen Sie auch

Wir sitzen zur Begleitung alle hinten drin, also im Fond des Wagens. Rudi chauffiert. Constantin präsentiert seine waghalsigen Sprünge mit dem Skateboard. Rudi ist begeistert, er ist eigentlich ganz bodenständig. Ich glaube, er sehnt sich nach Familie.

Zwei Jahre unternehmen wir als Wiesn-Traumpaar unsere Streifzüge übers Oktoberfest, und kein VIP ist vor uns sicher. Wir interviewen im Doppel, ohne uns groß abzusprechen, wir wollen die Spontaneität, und es ist das ursprünglich Bayerische, ja, die bayerische Seele, der Spaß an der Aufgabe und der wunderbare Grant, die Ideen und die Begeisterungsfähigkeit, die uns verbinden.

Unsere Auftritte geraten legendär, die Zuschauer haben ihre Freude, die Quoten schnellen in die Höhe!

"Wenn die Uschi mit dem Mosi" hieß die BR-Sendung von der Wiesn. Hier nehmen die Moderatoren 1999 Komiker Otto Waalkes in die Mitte.
"Wenn die Uschi mit dem Mosi" hieß die BR-Sendung von der Wiesn. Hier nehmen die Moderatoren 1999 Komiker Otto Waalkes in die Mitte. © imago/Lindenthaler

"Nie hat er auch nur einen Hauch von Überheblichkeit"

Wenn wir die Bierzelte betreten, sind die Scheinwerfer auf uns gerichtet, und die Besucher plärren "Mosi, Mosi!" Diese Auftritte gefallen den Leuten.

Rudi legt Wert auf Security. Zwei Sicherheitsleute müssen vor ihm, zwei hinter ihm und einer rechts und einer links gehen. Das wird ihm auch zugebilligt.

Die Zuneigung der Menschen ist für ihn Balsam, und er gibt sie zurück, nie hat er auch nur einen Hauch von Überheblichkeit, er weiß, wie schnell sich Gunst wandeln kann. Mit der Gunst muss der Begünstigte vorsichtig umgehen.

Da Rudi klug ist, weiß er das. Und er hat auch ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen.

Als ich mir einmal beim Skifahren das Bein breche, ist Rudi der erste, der einen prachtvollen Blumenstrauß schickt, der das ganze Reha-Personal beeindruckt, und mich jeden Tag in der Früh vom Geschäft aus anruft, um mir zur Aufheiterung eine lustige Geschichte zu erzählen: "Also, jetzt erzähl i dir was Lustig's, dann vergisst glei dein brochana Haxn."

Rudis Extravaganzen erfreuen sich hoher Akzeptanz. Als wir einmal mit dem Dreh fertig sind und die Festwiese verlassen wollen, sage ich zu Rudi: "Komm, lass uns die paar Schritte - über das freie Gelände, wo sonst das ZLF stattfindet - nach draußen gehen."

Das kommt aber nicht in Frage. Rudi ordert seinen Rolls-Royce mit Fahrer, wir steigen ein, und die Securitys müssen im Laufschritt neben dem Fahrzeug herlaufen - und das, obwohl zu keinem Zeitpunkt jedwede Gefahr besteht. Rudi mag solche Inszenierungen.

Zu Gast bei Rudi in seinem Haus in Grünwald, einfach wunderbar. Einmal zum Frühstück vor dem Einzug der Wiesnwirte: Perfekt gedeckter Tisch mit Kaffee, frischen Brezn, Butter, Semmeln, Marmelade, Wurst, Käse, frisch gepresster Orangensaft. Der Garten ist so liebevoll gestaltet, gar nicht groß, mit lauter farbenfrohen, bunten, frisch gepflanzten Blumen rechts und links unter den Bäumen, ungewöhnlich für die Jahreszeit, aber es soll eben ein Genuss für das Auge präsentiert werden.

Das Rätsel um die zwei knusprig gebratenen Enten

Highlight ist neben einer Einladung zum Schweinsbraten im Dachgeschoss der Hundskugel in der Münchner Altstadt eine Einladung zwischen Weihnachten und Neujahr für die ganze Familie zum Entenessen. Die Enten, seinerzeit unsere Bayerische Kronen-Ente, bringe ich tags zuvor ins Geschäft von Moshammer in der Maximilianstraße.

Alles ist wieder perfekt vorbereitet, erst Aperitif, dann gemischte Vorspeise und als Höhepunkt Ente mit Blaukraut, Kartoffelknödel und Selleriesalat. Der Tisch: festlich gedeckt.

Acht Tage nach seinem gewaltsamen Tod - Rudolph Moshammer wurde in seinem Haus in Grünwald erdrosselt - nahmen 15.000 Münchner am 22. Januar 2005 Abschied vom Modemacher. Er wurde auf dem Ostfriedhof beigesetzt.
Acht Tage nach seinem gewaltsamen Tod - Rudolph Moshammer wurde in seinem Haus in Grünwald erdrosselt - nahmen 15.000 Münchner am 22. Januar 2005 Abschied vom Modemacher. Er wurde auf dem Ostfriedhof beigesetzt. © Sigi Müller

Rudi besteht darauf, dass er die zwei Enten den ganzen Vormittag selbst gebraten hat. Mich wundert, dass überhaupt kein Bratenduft das Haus durchströmt. Dann werden die Türen geschlossen. Ich meine, die Haustüre zu hören, Rudi entschwindet in die Küche und serviert knusprig gebratene Enten. Bis heute bin ich nicht sicher, ob er sie nicht in einer Gaststätte in der Nähe hat braten und liefern lassen. Aber das ist ja auch vollkommen egal, es ist ein fantastisches Menü, und Nachspeise gibt es auch noch.

Der Kindheitstraum ist bewahrt geblieben - im Dachgeschoss

Unvergesslich, als uns Rudi ins Dachgeschoss führt, wo er eine riesengroße elektrische Eisenbahn aufgebaut hat mit Tunnels, Bergen, Bahnhöfen, ganzen Landschaften. Rudi, der sich einen Kindheitstraum bewahrt.

Lokomotivführer ist er nicht geworden, und doch hat er in einem langen Zug mit vielen Waggons Menschen mitgenommen auf eine unterhaltsame Reise, bei der sich der Alltag von seiner lustigen Seite zeigt. Und viele Waggons sind gefüllt mit den Obdachlosen dieser Stadt, die Rudi zeitlebens und bis zum heutigen Tag unterstützt.

* * *

"Mei Uschi, heit hab i wieder a Freid, wem kannt ma denn a Freid macha?"

"Griaß di Rudi und pfiat di, geh mach ma a Freid und schick ma amoi von deiner Geburtstagsfeier an Livestream vom Himmi!"

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 10  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
10 Kommentare
Artikel kommentieren