Zoff um Radl-Joker

Stadtrat streitet um die Fahrrd-Kampagne. KVR-Chef räumt ein:Die Kommunalpolitiker wussten nicht , wofür sie 2,4 Millionen Euro ausgegeben haben
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Der Radl-Joker
Gregor Feindt Der Radl-Joker

MÜNCHEN - Stadtrat streitet um die Fahrrd-Kampagne. KVR-Chef räumt ein:Die Kommunalpolitiker wussten nicht , wofür sie 2,4 Millionen Euro ausgegeben haben

„Was die AZ alles bewirkt“, räumte am Dienstag nicht nur Stadtrat Robert Brannekämper (CSU) ein. Denn erst nach der kritischen Schlagzeile über die städtische Radlkampagne wurde die Aktion zum zweiten Mal im Rat (heftig) diskutiert.

„Leider wird der Ausschuss heute erstmals über die Inhalte informiert“, räumte der zuständige Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle ein. Angeblich habe das Vergaberecht „eine intensive Diskussion über die Details und Inhalte“ vorher nicht zugelassen. Gleichzeitig musste er zugeben: „Es ist problematisch, wenn der Stadtrat über eine Kampagne entscheidet, ohne über die Inhalte informiert zu sein.“ Der Beschluss war Anfang März.

Die Kampagne ist erst einmal auf zwei Jahre begrenzt. Im Jahr soll sie bis zu 950000 Euro kosten plus 250000 Euro jährliches Honorar für die Agentur.

Die Präsentation der Kampagnen-Agentur gestern im Stadtrat war auch bestimmt von Marketing-Standards. Da wurden die künftigen Inhalte nicht erläutert. „Leere Marketingsprüche“ kritisierte FDP-Stadtrat Jörg Hoffmann. „Ich habe aus der Präsentation nichts gelernt“, sagte Linke-Stadtrat Orhan Akman.

Dabei ist die Kampagne auch erst am Start: Das Agentur-Team Helios aus Bozen, Green City und SportKreativWerkstatt aus München bekam erst am 16. März den Zuschlag. Der Radl-Joker ist dabei zum Symbol geworden. „Es ist wurscht, ob er gefällt oder nicht“, meinte Patrick Kofler von Helios, „dahinter steht der Wert, dass darüber gesprochen wird. Es findet eine Diskussion statt, da ist es egal, ob darüber positiv oder negativ berichtet wird.“

Dabei ist der Radljoker mit der Narrenkappe nur ein Bestandteil der Kampagne. Wie es dieses Jahr konkret weitergeht, war im Rat nur bruchstückhaft zu erfahren: Kurz vor der Fertigstellung ist der Radlkalender für 2010; Ende Juni soll die Aktion „München sucht den Radlstar“ abgeschlossen sein; nach einer Schulungs- und Testphase soll ab Juni/Juli der Radljoker eingesetzt werden; ab Juli Aufstellen von Rad-Zähl-Stationen und Infopoints; Ende des Jahres wird es ein viertägiges Film-Festival rund ums Rad geben. 2011 geht die Kampagne weiter.

„Wir werden selbstbewusst die Kampagne weiterführen“ so Sabine Nallinger (Grüne). Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) wandte ein, dass die Stadt einst auch für den erfolgreichen MVV massiv Werbung mache und für Verkehrsleitsysteme. „Der Radverkehr wird dagegen immer noch nicht ernst genommen.“

Die Radlkampagne soll die Münchner zum Radfahren animieren. Sie soll aber auch ein Beitrag zu mehr Sicherheit sein. Deshalb gab es auch Unmut, weil in der offiziellen Broschüre zur Kampagne Leute ohne Helm radeln. „Das sind Bilder aus dem täglichen Leben“, so KVR-Chef (und Radlhelmträger) Blume-Beyerle.

Bürgermeister Hep Monatzeder löste zum Thema Sicherheit ein Geplänkel aus. „Ich habe noch nie einen Helm getragen und werde ihn wohl auch in Zukunft nicht tragen.“ Es gebe auch keine Helmpflicht, und Radlhelme würden auch kritisch gesehen. Da entgegnete Josef Assal (SPD): „Als Notarzt denke ich, dass eine Helmpflicht notwendig ist.“

Unbeeindruckt vom Rathaus-Geplänkel wurde gestern ein neuer Radweg freigegegeben. Das Immobilienunternehmen Aurelis hat den 1,6 Kilometer langen und drei Meter breiten Rad- und Fußweg zwischen der Donnersberger Brücke und der Laimer Unterführung gebaut. Er ist Teil einer künftigen Fahrradachse nach Pasing. Willi Bock

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