Würm-Rangerin: "Es gibt mehr Libellen, aber auch mehr Kippen"

Die Würm: Sie fließt über zehn Kilometer durch die Stadt. Das glucksende Gewässer speist den See von Schloss Nymphenburg und zieht Biber an. Eine Würm-Rangerin plädiert jetzt für neue Flussbäder.
| Eva von Steinburg
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Ursula Schleibner mit den Kindern Mila (9), Emi (10), Ella (7), Lina (1) und Würmrangerin Sabrina.
Ursula Schleibner mit den Kindern Mila (9), Emi (10), Ella (7), Lina (1) und Würmrangerin Sabrina. © Bernd Wackerbauer

München - Ranger, also Naturraum-Schützer, gibt es nicht nur in Nationalparks im Ausland. Auch München hat welche: Die offiziellen Isar-Ranger etwa machen Kontrollgänge am Oberlauf der Isar.

An der idyllischen Würm arbeitet Ursula Schleibner (73) als freiwillige Rangerin und leitet die Naturschutzgruppe "Würmranger" in Obermenzing mit 20 Schülern. Die Initiative ist vernetzt mit der Stiftung der berühmten Schimpansenforscherin Jane Goodall, die weltweit Gruppen mit Kindern und Jugendlichen angestoßen hat. Die 73-Jährige war Grundschullehrerin in Obermenzing. Nun leitet sie die AG Würm und hat für ihr Engagement schon den Umweltpreis der Stadt bekommen.

Der Name der Würm ist abgeleitet vom keltischen "Wirmina", der schnell Strömenden. Ursula Schleibner weiß, wo hier der Biber wohnt, meldet dem Wasserwirtschaftsamt, wenn sich Treibgut verkeilt. Sie engagiert sich für Renaturierungen und hat mit ihrer Gruppe Insekten-Oasen angelegt.

Die Würm: Sanfter und beständiger als die Isar

AZ: Frau Schleibner, die Isar kennt jeder in München - was ist mit der kleinen Würm?
URSULA SCHLEIBNER: Die Isar ist unberechenbar, weil sie aus dem Gebirge kommt. Die liebliche Würm ist sanft und viel beständiger. Früher war sie ein wichtiger Mühlenfluss. Vor über 100 Jahren, bis 1975, gab es noch über 20 Würmbäder im Stadtgebiet. Sie waren sehr beliebt.

Was ist Ihre Aufgabe als Würm-Rangerin?
Echte Ranger passen in Nationalparks polizeimäßig auf. Wir arbeiten allerdings freiwillig. Wir sammeln Zigarettenkippen und anderen Müll ein. Mit Kindern und Jugendlichen setzen wir uns besonders für die Wertschätzung der Renaturierungen ein. In Allach und an der Blutenburg haben wir Insekten-Oasen angelegt. Was für diese paar Flecken und das Saatgut für eine Abstimmung mit den Ämtern nötig war - unglaublich!

Haben Sie bei Ihren Streifzügen mal etwas Illegales bemerkt?
Die Würm ist voller Forellen und Aitel, es gibt auch Hechte. Aber Schwarzfischer gibt es keine. Dazu werden die Angler am Ufer zu gut beobachtet. Es gibt den Japanknöterich, eine invasive Pflanze, die wir abschneiden. Doch die hatte offenbar jemand mit dem glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittel Roundup beseitigt. Das ist direkt am Gewässer zu 100 Prozent verboten.

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Baden in der Würm: Derzeit nicht erlaubt

Derzeit ist das Baden in der Würm innerhalb der Stadt ja nicht erlaubt.
Leider. Dabei würde sich das weiche und relativ saubere Würmwasser gut zum Baden eignen. Im Landkreis München ist das anders geregelt: In Planegg gibt es das Würmbad und in Gräfelfing eine Liegewiese mit Bademöglichkeiten in der Würm. München könnte Badeorte am Fluss schaffen. Öffentlich betriebene biologische Freibäder gibt es bereits in 135 Kommunen in Deutschland.

Sie haben sich zwischen 2002 und 2009 für Renaturierungen in Obermenzing eingesetzt, hier mäandert der Fluss wieder.
In Obermenzing, am Inselmühlweg Ecke Mergenthalerstraße, wurde die Würm renaturiert. Das ist toll. Das Ufer ist nicht mehr steil, Kinder können hier planschen unter Aufsicht der Eltern. Aber das Wasser strömt schnell. Kürzlich habe ich hier zwei Teenager mit einem Surfbrett gesehen, das ist sehr gefährlich. Nicht jeder weiß, dass weiter hinten versteckt das Wehr der Inselmühle kommt. Die Stadt sollte hier besser Stricke über das Wasser spannen.

Bei der Würm-Rallye für Kinder haben Sie mobile Aschenbecher an den Bäumen befestigt. Ihre jungen Würmranger haben sie aus Tetrapacks gebastelt, also upgecycelt. Wie kam das?
Um die Parkbänke herum liegen besonders viele Kippen. Wir hinterlassen dort Würm-Steine mit dem Hinweis, dass eine Zigarettenkippe 60 Liter Grundwasser verunreinigt. Für Raucher sind mobile Aschenbecher grundsätzliche eine gute Idee.

Warum sind Sie ein Fan von Natur- und Flussbädern?
Naturbäder sind in meinen Augen ein wichtiges ökologisches Thema für die Zukunft. Die Isar hat eine zu große Hochwassergefahr. Aber an der Würm in Allach könnte das Naturbad wiederaufleben. Genau an der Stelle, an der das Allacher Sommerbad war - als Novum in München. So ein Würmbad wäre eine große Möglichkeit für den Stadtteil mit der verstopften Eversbuschstraße und den Industrieanlagen.

Sauberes Wasser in der Würm

Würden die Allacher denn ein Würmbad begrüßen?
Sauber genug wäre die Würm jedenfalls. Aber jemand müsste das Thema in die Hand nehmen, eine Initiative gründen und politischen Willen kreieren. Langer Atem und kluges Vorgehen wären in der Angelegenheit gefragt.

Seit 45 Jahren wohnen Sie an der Würm in Obermenzing ...
... und es ist schön, dass das Plätschern der Würm die Autogeräusche von der Verdistraße übertönt. Genau mir gegenüber war das beliebte Obermenzinger Familienbad. 1975 ist es geschlossen worden - aber damals war das Wasser wirklich verschmutzt.

Rangerin Ursula Schleibner an der Würm, die idyllisch in Obermenzing vor ihrer Haustür plätschert.
Rangerin Ursula Schleibner an der Würm, die idyllisch in Obermenzing vor ihrer Haustür plätschert. © Bernd Wackerbauer

Weil aus dem Starnberger See verschmutztes Wasser in die Würm geflossen ist?
1971 hat der Abwasserverband Starnberger See seinen Betrieb aufgenommen. Die Wasserqualität der Würm hat sich danach entscheidend verbessert, auch durch UV-Bestrahlung. Vermutlich gab es früher auch Einleitungen aus der Pasinger Papierfabrik.

Als Rangerin haben Sie feststellen dürfen: Jede Renaturierung wirkt.
Die Libellen sind viel mehr geworden. Der Biber ist zurück. Auf der Insektenoase Allach, die von uns Würm-Rangern angelegt wurde, wachsen inzwischen Wiesensalbei, wilde Karotten, die Magerwiesenmargerite und viele andere Arten. Aber leider interessieren sich viele Menschen mehr für sich selbst und für ihr Wohlergehen und weniger für die Natur. So kommt es mir momentan zumindest vor. In einem Fragebogen kreuzen die Leute ihr großes Naturinteresse aber freilich an.


Weitere Infos: wuermranger.org; Im Garten des Ebenböckhauses in Pasing erzählt Ursula Schleibner am Mittwoch, 30. Juni (19 Uhr), Würm-Geschichten - sachlich, poetisch, lustig und persönlich (Ebenböckstraße 1, Eintritt frei). Die Veranstaltung findet im Rahmen der Stadtteilwoche Allach-Menzing-Pasing statt. Mehr Infos unter stadtteilwochen-muenchen.de

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