Wohnungsnot: Stadt München bittet Unternehmen und Kirchen um Hilfe

Fast 9.000 Wohnungslose leben in der Stadt. Sie unterzubringen, wird immer schwieriger. Das Sozialreferat bittet deshalb jetzt Hausbesitzer um Hilfe.
| Christina Hertel
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In München ein knappes Gut: bezahlbarer Wohnraum. (Symbolbild)
In München ein knappes Gut: bezahlbarer Wohnraum. (Symbolbild) © Matthias Balk/dpa

München - Wir bleiben zu Hause – lautet der Aufruf einer Social-Media-Kampagne der Bundesregierung seit Ausbruch der Corona-Pandemie im März. Doch in München können das immer mehr Menschen nicht tun: In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Wohnungslosen etwa vervierfacht.8682 Menschen haben in München laut Sozialreferat kein eigenes Zuhause.

Sie wohnen in Unterkünften, Heimen und Pensionen. Mindestens 550 Menschen leben auf der Straße, schlafen unter Brücken oder in Unterführungen. Dass Corona dazu führt, dass diese Zahlen weiter steigen, ist gerade eine Sorge der Stadt. Deshalb hat sie sich nun mit einem Aufruf an Immobilienbesitzer, Kirchen und Hotels gewandt und bittet, dass sie Zimmer zur Verfügung stellen.

Bisher bekam die Stadt darauf keine einzige positive Rückmeldung. Auf AZ-Anfrage antwortet die Bayerische Hausbau, eines der größten Immobilienunternehmen Münchens, dass ihre Immobilien nahezu vollvermietet seien. Das Erzbischöfliche Ordinariat Münchens sucht nach Zimmern. Und der Hotel- und Gaststättenverband will den Aufruf an seine Mitglieder weiterleiten.

"Die Akquise neuer Unterkünfte wird von Jahr zu Jahr schwieriger", sagt die Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD). Dabei gibt es schon heute im Sozialreferat eine Abteilung, die nur damit beschäftigt ist, Unterkünfte aufzutreiben.Denn die Stadt ist dazu verpflichtet, Wohnungslose unterzubringen. Außer es handelt sich um EU-Bürger ohne Anspruch auf Sozialleistungen.Diese stammen laut Sozialreferat meist aus Rumänien und Bulgarien und machen einen Großteil der 550 Obdachlosen in München aus.Auf der Straße frieren, muss in München trotzdem niemand, heißt es von Sozialreferat und SPD. 

Münchner Sozialreferat sucht Wohnungen

Obdachlose können in der Bayernkaserne unterkommen. Normalerweise gibt es dort 850 Schlafplätze. Doch seit Corona darf die Stadt nur noch die Hälfte anbieten. Das heißt: Eigentlich reichen die Plätze dort nicht mehr.Dass die Stadt Menschen abweisen müsse, sei jedoch kein realistisches Szenario, sagt SPD-Fraktionschef Christian Müller. Er engagiert sich seit Jahren für eine bessere Versorgung von Obdachlosen."Viele wollen nicht weg von der Straße." Oder sie schaffen es nicht. "Weit mehr als die Hälfte der Menschen, die ihre Wohnung verliert, hat psychische Probleme."Trotzdem gibt es Notfallpläne, falls die Bayernkaserne zu voll wird: Vor Jahren ließ die Stadt einen Bunker unter dem Elisenhof herrichten.

 

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Geöffnet wird er bloß, wenn es nicht anders geht.Er habe bereits Decken dorthin bringen lassen, sagt Anton Auer, der beim Evangelischen Hilfswerk den Bereich Obdachlosigkeit leitet.Bis jetzt sei das Coronavirus bei zehn Menschen, die in der Bayernkaserne übernachteten, festgestellt worden. Wohl eher zufällig: Denn Schnelltests am Eingang gibt es nicht.

 

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