Wohnung in München: Durchschnittliche Mietpreise steigen auf über 11 Euro

Der neue Mietspiegel für München ist da – und wieder hat er Hiobsbotschaften parat: Die Münchner Mietpreise sind seit 2015 noch einmal deutlich gestiegen
| Von Florian Zick
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Man sieht auf einen Blick, wo’s am teuersten ist: in der leuchtend roten Altstadt und im Lehel. Auch anderswo wird den Mieten nun auch offiziell ein „Zentralitätszuschlag“ zugebilligt.
Grafik: Stadt München 5 Man sieht auf einen Blick, wo’s am teuersten ist: in der leuchtend roten Altstadt und im Lehel. Auch anderswo wird den Mieten nun auch offiziell ein „Zentralitätszuschlag“ zugebilligt.
Der aktuelle Mietspiegel zeigt die Quadratmeterpreise nach Wohnungsgröße und Baujahr des Hauses geordnet.
AZ-Grafik 5 Der aktuelle Mietspiegel zeigt die Quadratmeterpreise nach Wohnungsgröße und Baujahr des Hauses geordnet.
In München wird gebaut – die Preise senkt das nicht.
dpa 5 In München wird gebaut – die Preise senkt das nicht.
Angebote gibt es – doch sie sind teuer.
dpa 5 Angebote gibt es – doch sie sind teuer.
Man sieht auf einen Blick, wo’s am teuersten ist: in der leuchtend roten Altstadt und im Lehel. Auch anderswo wird den Mieten nun auch offiziell ein „Zentralitätszuschlag“ zugebilligt.
Grafik: Stadt München 5 Man sieht auf einen Blick, wo’s am teuersten ist: in der leuchtend roten Altstadt und im Lehel. Auch anderswo wird den Mieten nun auch offiziell ein „Zentralitätszuschlag“ zugebilligt.

Nun hat man es also schwarz auf weiß: Wohnen in München ist auch in den vergangenen beiden Jahren noch einmal deutlich teurer geworden. Das geht aus dem neuen Mietspiegel hervor, der kommende Woche im Stadtrat vorgestellt wird.

Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie haben sich die Mietpreise in München verändert?

Die durchschnittliche Kaltmiete sprengt dem neuen Mietspiegel zufolge zum ersten Mal die 11-Euro-Marke: 11,23 Euro je Quadratmeter kostet eine Münchner Wohnung aktuell im Schnitt.

Lesen Sie hier:

Im Vergleich zur letzten Erhebung aus dem Jahr 2015 bedeutet das eine Teuerungsrate von 4,7 Prozent. Vor zwei Jahren hatte die Durchschnittsmiete noch 10,73 Euro betragen.

Wie wird der Mietspiegel erstellt?

Für den neuen Mietspiegel hat das Marktforschungsinstitut TNS Deutschland gemeinsam mit dem Statistik-Lehrstuhl der Ludwig-Maximilians-Universität exakt 41 289 Mieter befragt.

Mit deren Angaben wurde für jede Art von Wohnung ein Durchschnittswert errechnet: Ob neu oder alt, ob grünes Villenviertel oder belebte Straßenkreuzung – aus dem Mietspiegel lässt sich für jede Art von Wohnung der angemessene Grundpreis ablesen.

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Warum ist der Mietspiegel so wichtig?

Der Mitspiegel ist deshalb so wichtig, weil er auch vor Gericht bei Streitigkeiten gerne als Richtwert herangezogen wird. So legt die vom Freistaat erlassene Mietpreisbremse zum Beispiel fest, dass bei Neuvermietungen in München die Miete nicht mehr als zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen darf. Und da ist der Mietspiegel die entscheidende Instanz.

Hat sich an der Berechnung etwas verändert?

Ja, hat es sich. Den Statistikern ist ein Phänomen aufgefallen, das auch jeder Wohnungssuchende kennt: Je zentraler eine Wohnung liegt, desto teurer ist sie – ungeachtet des tatsächlichen Wohnwerts. Mit dem Mietspiegel 2017 wird deshalb erstmals ein neuer Faktor eingeführt: der Zentralitätszuschlag.

Lesen Sie auch: Mieten im Vergleich - München am teuersten!

Zwischen 0,62 und 2,07 Euro muss man im Zentrum also pauschal draufrechnen, je nach der genauen Lage.

Warum sind die Preise schon wieder gestiegen?

Seit der Finanzkrise vor ein paar Jahren beobachten Experten eine „Flucht ins Betongold“. Das heißt: Wer genug Geld hat, investiert dieses gerne in Wohneigentum.

Dadurch sind die Immobilienpreise und damit auch die Bodenrichtwerte in bislang nicht gekannte Dimensionen geschnellt.

Dazu kommt der enorm starke Zuzug, der den Mietdruck in München noch einmal erheblich erhöht. Die Nachfrage übersteigt deutlich das Angebot – das lässt die Preise weiter in die Höhe schießen.

Ist damit das Ende der Preisspirale erreicht?

Das ist eher unwahrscheinlich. Der Mietspiegel wird alle zwei Jahre aktualisiert – und vermutlich werden die Werte 2019 noch einmal höher ausfallen als heute.

Lesen Sie hier: Hat das Sozialreferat getrickst? Schwere Manipulationsvorwürfe gegen die Stadt

Der Immobilienverband IVD beobachtet für München derzeit stabile bis leicht steigende Mietpreise. Und auch die Stadtsparkasse sagt: Eine Immobilienblase ist derzeit nicht erkennbar – die Preise dürften also zumindest so schnell nicht wieder fallen.

Der Mietspiegel 2017 wird demnächst als Broschüre in der Stadtinfo im Rathaus und im Amt für Wohnen und Migration, Franziskanerstr. 8, kostenlos erhältlich sein. Online wird er unter www.mietspiegel-muenchen.de bereitstehen.


Oh, du schöner Speckgürtel!

Die Stadtzentren als verheißungsvolle Sehnsuchtsorte: Zuletzt hat es die Menschen vor allem vom Land in die Großstädte gezogen. Dieser Trend kehrt sich seit 2014 nun langsam um – auch in und um München. Zwar wachsen die deutschen Metropolen noch immer sehr kräftig. Erstmals verzeichneten sie laut Statistischem Bundesamt aber 2014 einen negativen Wanderungssaldo. In dem Jahr sind zum Beispiel in München fast 4500 Menschen mehr abgewandert als zugezogen.

In München ging außerdem die Zahl der Baugenehmigungen in den letzten Jahren zurück – laut Bundesinstitut für Bau, Stadt- und Raumforschung stieg die Zahl dagegen im Umland überdurchschnittlich an. Der Kostenfaktor sei für viele einer der wichtigsten Gründe, meldet der Infodienst der Bausparkasse LBS. Aber auch soziale und emotionale Gründe wie Entschleunigung, Nähe zur Natur sowie der Heimataspekt, also die Rückkehr zu Familie und Freunden, spielten beim Umzug in den Speckgürtel eine Rolle, ergab eine Umfrage der Universität Bamberg.

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