Wohntürme und Tunnelträume

Beim Info-Abend zum Tunnelbau an der Landshuter Allee sind zwei Varianten in der Diskusssion. Die Bauzeit soll unter acht Jahren bleiben.
| Verena Kemmer / Lokales
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Bürger haben das Wort: Zum geplanten Tunnel in der Landshuter Allee haben viele eine Meinung.
Petra Schramek 2 Bürger haben das Wort: Zum geplanten Tunnel in der Landshuter Allee haben viele eine Meinung.
Diskussion über die Landshuter Allee in der SWM-Kantine (v. l.): Henriette Thoma, Michael Lotterschmid und Susanne Mayer von der Bürgerinitiative BI pro Landshuter-Allee-Tunnel.
Petra Schramek 2 Diskussion über die Landshuter Allee in der SWM-Kantine (v. l.): Henriette Thoma, Michael Lotterschmid und Susanne Mayer von der Bürgerinitiative BI pro Landshuter-Allee-Tunnel.

München - Es ist ein Kreuz mit der Landshuter Allee: Auf der 2,9 Kilometer langen Strecke zwischen Richelstraße bis zur Borstei donnern täglich rund 150 000 Fahrzeuge vorbei. Bis 2025 soll die Zahl nochmal auf 165 000 Fahrzeuge ansteigen. Das macht diesen Teil des Mittleren Rings zur dreckigsten und am stärksten befahrenen Verkehrsader der Stadt. Auf einem Kilometer leben hier 4550 Menschen – zum Teil direkt an der Fahrbahn.

Wie die Lärm-, Stau-, Abgasbelastung reduziert werden kann, hat die Stadt in einer Studie untersuchen lassen. Auf einem Infoabend bei den Stadtwerken in der Emmy-Noether-Straße konnten die Anwohner mit Stadt-Vertretern und Sachverständigen diskutieren und Vorschläge machen. Die Gutachter halten einen langen Tunnel mit Lärmschutzwänden und sogenanntem lärmreduzierenden Flüster-Asphalt für die beste Lösung. Die 1,5 Kilometer lange Röhre soll am Ende der nördlichen Rampe der Donnersbergerbrücke beginnen und an der Südauffahrt der Brücke über die Dachauer Straße enden. Auf Höhe der Borstei ist eine 300 Meter lange und fünf Meter hohe Schallschutzwand geplant – an der Oberfläche soll eine einspurige Straße verbleiben. Der bestehende Tunnel ab der Nymphenburger Straße bis zur Ecke Leonrodstraße müsste dann der Abrissbirne weichen. Die Kosten belaufen sich auf nicht gerade günstige 537 Millionen Euro. Weil die Maßnahmen wie etwa der lärmreduzierende Asphalt und Lärmschutzwände regelmäßig der Erneuerung bedürfen, kämen jährlich voraussichtlich 2,5 Millionen Euro an Unterhaltskosten dazu. Die Bauzeit soll maximal acht Jahre dauern, wie Gutacher Konrad Daxenberger vorrechnet.

Die neue Röhre wird teuer, aber sie hätte mehrere Vorteile: Die Abgase – vor allem das besonders schädliche Stickstoffoxid – könnten maßgeblich reduziert werden. An manchen besonders lärmverseuchten Ecken wie etwa zwischen Leonrod- und Dachauer Straße könne laut Plan der Lärm sogar halbiert werden. „Mit dem Tempo 50 auf der Landshuter hat die Stadt bei der Verringerung des Lärms den Planern ja bereits vorausgegriffen“, wie Gutachter Manfred Ertl bemerkt. Weil über zahlreiche Rampen der Verkehr nach unten in den Tunnel geleitet werden soll, nimmt die oberirdische Automasse ab. Wege an der Oberfläche könnten dann durchgängig verlaufen, was Fußgängern und Radlfahrern zugutekomme. Generell würde durch den Tunnel oberhalb viel Platz entstehen. „Was über dem Tunnel passiert, ist allerdings noch völlig offen“, sagt Christine Weis-Hiller vom Stadtplanungsreferat.

Für den Umbau der Landshuter haben auch die Münchner Bauunternehmer Gebrüder Rossius einen spektakulären Plan bei der Stadt eingereicht: Zwischen der Hirschberg- und der Heideckstraße soll die Fahrbahn, so der Plan, einen 1,5 Meter langen Deckel bekommen und hinter Lärmschutzwänden verschwinden. Über dem Tunnel sind zwölf Meter hohe Häuser mit bis zu 1000 Wohnungen plus Garagen geplant. Auch 500 Sozialwohnungen, Kindergärten und viel Grün könnten auf der neuen Röhre entstehen. Zwei 45 Meter hohe Türme mit je 75 Wohnungen sollen zusätzlich neue bauliche Akzente in Neuhausen setzen.

Die Kosten? Wesentlich billiger als die städtischen Tunnelprojekte, da über die Wohnungseinnahmen der Löwenanteil refinanziert werden könnte, wie Bauherr Rolf Rossius versichert. Marita Firnkes-Müller von der „Initiative für Neuhausen“ sieht die bestehende Teilung Neuhausens durch die Landshuter wegen dem Rossius-Vorschlag erst recht zementiert. Die Bürgerinitiative fordert von der Stadt „keine 1,5 Kilometer lange und 20 m hohe Mauer“ zu bauen und den Tunnel ausschließlich „öffentlich“ zu finanzieren. Beide Varianten, die an diesem Abend vorgestellt wurden, bedürfen ohnehin noch genauer Prüfung, so Weis-Hiller. Die Baureferentin hält aber „eine Verschmelzung“ des städtischen Tunnelplans und der Rossius-Lösung durchaus für denkbar.

Wann und wie der Tunnel gebaut wird, entscheidet der Stadtrat 2015. Welcher Tunnelplan in Giesing, Schwabing oder Neuhausen dann das Rennen macht, bleibt also noch offen. Interessierte können sich noch bis zum 15. Januar im kommenden Jahr unter www.muechen.de über die Ergebnisse und Pläne informieren und ihre Ideen einbringen.

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