Wohnhaus-Abriss in München: Neue Luxus-Immobilien in der Au

Neubauprojekte bekommen oft besonders klangvolle Namen. Da wird sich gerne der englischen oder französischen Sprache bedient, damit das Vorhaben wahlweise modern und urban oder luxuriös und elegant daherkommt. Ein Beispiel dafür lässt sich gerade in der Au finden.
Klangvolle Namen und saftige Kaufpreise
L’Isar heißt das Projekt des in Grünwald ansässigen Immobilienentwicklers Monvest, das gerade an der Zeppelinstraße, Ecke Kreuzplätzchen, entsteht - mit direktem Blick auf die Isar und das Deutsche Museum. Die AZ hatte schon im Februar 2025 über das Bauvorhaben berichtet - und über die Vorbehalte des örtlichen Bezirksausschusses demgegenüber. Denn für den schicken Neubau mit Luxus-Eigentumswohnungen muss ein bestehendes Mietshaus an der Zeppelinstraße 49 weichen. Dieser Abriss ist nun in vollem Gange.
Der Abrissbagger ist schon bei der Arbeit
Schon im vergangenen November begann man, das Gebäude zu entkernen und den rückwärtigen Anbau abzureißen. Seit dem Frühjahr fraß sich der Abrissbagger dann Stück für Stück durch das fünfgeschossige Wohnhaus. Kurz vor Ostern ist vom Haus kaum mehr etwas übrig.

So werden die neuen Wohnungen bei Interessenten angepriesen
Derweil werden die noch nicht gebauten Edel-Wohnungen schon längst zum Verkauf angeboten. Mit dem „leisen Rauschen der Isar“, dem „gefilterten Licht der Baumkronen“ und der „spürbaren Weite eines außergewöhnlichen Stadtraums“ wird etwa auf Immobilienscout für das Objekt geworben. Das alles „in erster Reihe zum Fluss und nur einen Brückenschlag von der Münchner Altstadt entfernt“.
Drei-Zimmer-Wohnung für knapp zwei Millionen
Zum Kaufpreis von 3.260.000 Euro gibt’s zum Beispiel ein Townhouse, fürs „Hausgefühl mitten in der Stadt“. 161 Quadratmeter mit vier Zimmern auf drei Etagen und mit Privatterrasse. Günstiger geht die „Zwei-Zimmer-Residenz“ im vierten Obergeschoss mit Loggia und Isarblick her. Ihre 88,33 Quadratmeter kosten 2.170.000 Euro. Darunter gebe es noch etwa eine Drei-Zimmer-Wohnung im zweiten Stock mit zwei Bädern und Isarblick für 1.995.000 Euro oder zweieinhalb Zimmer im ersten Stock mit Loggia und Isarblick für 1.785.000 Euro.

Der Höhepunkt ist das Penthouse
Dies sind freilich Beispielangebote: 16 Wohneinheiten zwischen 59 und 284 Quadratmetern Größe und mit zwei bis sechs Zimmern entstehen insgesamt. 14 davon sind Wohnungen, teilweise mit privaten Dachterrassen, teils mit Balkonen oder Loggien, zwei Einheiten sind Townhouses mit begrüntem Innenhof. Und der „Höhepunkt“ sei ein „beeindruckendes Penthouse“. So soll das Projekt „unterschiedliche Lebensentwürfe“ ansprechen.
Luxusausstattung bis ins Tiefgeschoss
Das Haus bekommt außerdem ein „Zen-inspiriertes Gartengestaltungskonzept im Innenhof, ein repräsentatives Entrée, eine intelligente Schließanlage mit cloudbasiertem Zutrittsmanagement, Tiefgaragen-Einzelstellplätze mit Vorrüstung für E-Mobilität und Fahrradstellplätze. 2028 soll alles bezugsfertig sein.

Den Lokalpolitikern gefällt das nicht immer
Die Immobilienentwickler beschreiben, ihr Bau mit der „abgetreppten Kaskadenform“ füge sich „selbstverständlich in die gewachsene Bebauung von Au-Haidhausen ein“. Die Architektur suche „das Luxuriöse nicht im Gestus, sondern in der Präzision: reduziert, klar und durchdacht“. Architektonisch mag das vielleicht stimmen, dennoch gefällt den Lokalpolitikern freilich nicht, was hier entsteht.
Ablehnung im Bezirksausschuss Au-Haidhausen
Der zuständige BA Au-Haidhausen hatte das Projekt schon 2023 und erneut 2025 gleich aus mehreren Gründen „komplett abgelehnt“: Zum einen, weil funktionsfähiger Bestand wenig nachhaltig abgerissen wird. Vor allem aber, weil hochpreisiger Wohnraum entsteht, der für das Umfeld keinen Gewinn, sondern eine unnötige Aufwertung darstelle, wie Lena Sterzer (SPD), die Vorsitzende des Unterausschusses Planung im BA der AZ erklärte. Allerdings hat ein BA in solchen Angelegenheiten nur beratende Funktion.

Dennoch: Weil Neubauwohnungen im Fall einer Vermietung den Mietspiegel des Viertels anheben und das Projekt an der Zeppelinstraße nicht der erste Edel-Neubau in der Gegend ist, hatte der BA sich schon seit 2022 für die Erhaltungssatzung für den Bereich Untere Au Nordost zwischen Zeppelin- und Lilienstraße, Schweigerstraße und Ludwigsbrücke eingesetzt. Tatsächlich hat der Stadtrat im Dezember 2025 die bestehende Erhaltungssatzung um genau den vorgeschlagenen Bereich erweitert. Für das Projekt an der Zeppelinstraße kam das jedoch zu spät, wie Lena Sterzer erklärt. „Das war schon vorher genehmigt, da konnte die Erhaltungssatzung nichts ausrichten.“