Nur noch 30 Prozent Sozialwohnungen in Neubaugebieten? Das plant das Rathaus, um den Wohnungsbau anzukurbeln
In München werden so wenige Wohnungen gebaut wie seit 15 Jahren nicht: 2025 wurden bloß 4348 fertig. Das sind etwa halb so viele, wie sich die Stadt vorgenommen hatte. Gleichzeitig steigen die Mieten immer weiter: Im Neubau sind inzwischen 25,40 Euro für den Quadratmeter fällig.
Kein Wunder, dass OB Dominik Krause (Grüne) den Wohnungsbau zum wichtigsten Wahlkampfthema erklärt hat. 50.000 neue Wohnungen hat er versprochen. Doch wenn in dem Schneckentempo weitergebaut wird, bräuchte es fast zwei Amtszeiten.
Schon an seinem ersten Arbeitstag hat Krause zu einem "Wohnungsgipfel" eingeladen. Der fand an diesem Dienstag statt. Rund 80 Akteure aus der Münchner Wohnungswirtschaft haben sich im Rathaus getroffen. Die AZ hat sich danach umgehört, welches Fazit die Unternehmer, Genossenschaften und Politiker ziehen und was sich in München verändern muss.
Alle Vertreter, mit denen die AZ spricht, beschreiben die Atmosphäre als konstruktiv. Einer lobt, dass der Oberbürgermeister und Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) die vollen zwei Stunden dabei waren – und sich nicht plötzlich zwischendrin zu einem anderen Termin verabschiedeten. "Der Wohnungsgipfel hat gezeigt, dass der Wohnungsbau in München politisch oberste Priorität hat – ein wichtiges Signal", sagt Gordon Gorski, der Chef der Bayerischen Hausbau.
"Es herrschte eine Atmosphäre des Aufbruchs", sagt Kristina Frank, die früher Kommunalreferentin war und jetzt Chefin des landeseigenen Wohnungsbauunternehmens ist. "Jetzt zählt, sie in eine Atmosphäre des Machens umzusetzen." Nur, was heißt das alles konkret?
Müssen Investoren bald weniger Sozialwohnungen bauen?
Klar scheint bereits: Die "Sozialgerechte Bodennutzung" (Sobon), die Bauherren dazu verpflichtet, in Neubaugebieten in der Regel 60 Prozent geförderten und günstigeren Wohnraum zu schaffen, wird wohl so nicht bleiben. Grün-Rot hatte die Sobon 2021 verschärft. Jetzt wird sie wohl wieder aufgeweicht werden. Zuletzt hatten in München auch Fördergelder des Freistaats für Sozialwohnungen gefehlt.
"Ideal wäre, wenn die Stadt eine Änderung der Sobon so schnell wie möglich angeht", sagt Andreas Eisele, der Präsident des Verbands der freien Immobilien- und Wohnungsunternehmen in Bayern. Im Gespräch ist eine Quote von 30 Prozent für günstigen Wohnraum – also halb so viel wie heute und sogar zehn Prozent weniger als vor der grün-roten Sobon-Reform.
Bedenken müsse man jedoch, sagt Eisele, dass sich die Bedingungen verändert haben: "Seit 2021 sind die Baukosten um über 40 Prozent gestiegen." Und was aus Eiseles Sicht viele vergessen: Immo-Unternehmer müssen sich für ihre Projekte weitere Investoren suchen – die sich nicht finden lassen ohne Gewinn-Aussicht.
Bestätigt sieht sich nun CSU-Chef Manuel Pretzl. Er warnte schon vor Jahren, dass die Sobon-Reform zum Stillstand des Wohnungsbaus in München führt. "Jetzt muss die Stadt reagieren und endlich der Wohnungswirtschaft zuhören", sagt er.
Bauherren sollen in Zukunft nicht nur weniger günstigen Wohnraum bauen dürfen. Auch sonst sollen die Auflagen weniger werden. "Mut zu einer neuen Münchner Einfachheit" nennt Kristina Frank das. Sämtliche kommunalen Regeln – vom Stellplatz bis zur Fassadenbegrünung – sollen auf den Prüfstand.
Diese Auflagen stehen auf dem Prüfstand
Ein Beispiel: das Dach. Früher war seine Hauptaufgabe, den Regen draußen zu halten. Jetzt sollen auch Beete drauf, Solar-Anlagen, Schatten spendende Pergolen. "Das alles macht das Dach teuer", sagt Thomas Schimmel von der Gima, wo sich Baugenossenschaften zusammengeschlossen haben. Ähnlich sieht das Hans Maier vom Verband der Wohnungswirtschaft Bayern. Geholfen wäre aus seiner Sicht, wenn die Stadt nicht mehr beides – die Photovoltaikanlage und das begrünte Dach – vorschreiben würde. Auch beim Schallschutz könnten aus seiner Sicht Auflagen abgespeckt werden.
Und was sagt die Politik zu all dem? Sind Grüne und SPD jetzt recht zerknatscht, dass sie von ihren Zielen abweichen müssen? Schließlich war von der Sobon bis zur grünen Fassade doch alles ihre Idee?
Stadträtin Simone Burger verweist darauf, dass die SPD schon vor einigen Monaten beantragte, die Standards beim Bauen zu reduzieren – und damit die Kosten zu senken. "Münchner Standard" nennt die SPD das. Den Rest will die SPD offensichtlich dem neuen OB überlassen: "Wir fordern nun, dass sich OB Dominik Krause und die Stadtverwaltung, gemeinsam mit Bau- und Wohnungswirtschaft an die Umsetzung machen", sagt Burger. Der wiederum sagt, es "bedarf eines gemeinsamen Kraftakts, um die Wohnungskrise in München zu bewältigen". Bleibt also spannend, wie sehr die neue Mango-Koalition da tatsächlich an einem Strang zieht.
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