Wohin mit den Tannen? Christbaum mal anders

Nach den Feiertagen landen Hunderte Tonnen ausrangierter Tannen und Fichten im Müll. Wir bieten Alternativen zur Baumbeseitigung.
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Christbaum mal anders: Wir haben Tipps für die Weiterverwertung der Bäume.
AZ/greentree Christbaum mal anders: Wir haben Tipps für die Weiterverwertung der Bäume.

Etwa 30 Millionen Christbäume werden in deutschen Wohnzimmern jedes Jahr aufgestellt, mit mehr oder minder geschmackvollem Schmuck behängt und als Zentrum des Weihnachtsbrauches mit Geschenken umlagert und bestaunt.
Danach landen die meisten davon allerdings im Müll.

Allein in München sammelt der Abfallwirtschaftsbetrieb jedes Jahr rund 100 Tonnen an Christbäumen ein und entsorgt sie anschließend in den Müllverbrennungsanlagen – und das sind nur die, die an den Sammelstellen liegen.

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Wir denken über Essen und Reisen nach. Wieso nicht über den Baum?

Dazu kommen noch Zigtausende Bäume, die an den Wertstoffhöfen abgegeben und nicht getrennt erfasst werden. Das kann man als gegeben hinnehmen. Aber da sich auch immer mehr Menschen inzwischen Gedanken um die Herkunft ihrer Lebensmittel, ihre Ernährung allgemein, die Produktionsbedingungen für ihre Kleidung und ihr Reiseverhalten machen, ist es nur logisch, dass es auch eine wachsende Gruppe gibt, die die Nachhaltigkeit eines jährlich wiederkehrenden Rituals umtreibt – und die Frage: Gehört ein toter Baum wirklich zwangsläufig zum Weihnachtsfest dazu?

Natürlich gibt es echt aussehende Kunststofftannen, die dazu nicht nadeln. Aber die sind erstens teuer und zweitens duften sie nicht. Und das gehört ja nun wirklich dazu.

Die AZ hat da ein paar andere Christbaum-Vorschläge:

Der Südländische

Foto: AZ

Natalie Kettinger: Bei uns ist es voll – jeden Winter, wenn die Kübelpflanzen von der Terrasse ins Warme drängen. Oleander im Keller, Bougainvillea im Badezimmer und irgendwas, was wenig Wasser braucht, wird in der Höhle des Teenagers abgestellt.

Das Wohnzimmer gehört den Citrus-Stämmchen. Die fangen nämlich auf wundersame Weise an zu blühen, sobald man sie reinstellt – und das duftet nach Sommer, Sonne, Süden.

Allerdings gibt es ein Problem: Weil rund um Couch und Esstisch auch noch andere Pflanzen wohnen (und zwar ganzjährig), die Katze einen Kratzbaum braucht und die Bücher ein Regal, hätte ein Christbaum nur dann Platz, wenn wir beim Fernsehen im Unterholz sitzen. Wollen wir aber nicht. Deshalb haben wir uns für eine pragmatische Lösung entschieden – und aus einem Citrus- mit Hilfe von Kerzen und Kugeln ein Weihnachtsstämmchen gemacht.

Der Eigenkonstruierte

Sophie Anfang: Ich gehe sehr gerne an der Isar spazieren. Auch, weil man dort immer wieder schönes Treibholz findet, mit dem man die erstaunlichsten Dinge bauen kann. Lampen oder Kleiderständer, geht alles. Mein aktuelles Projekt ist sehr weihnachtlich: Aus altem Holz soll ein Christbaum werden.

Dazu braucht man nicht mehr als ein paar verschieden lange Äste beziehungsweise Treibholz, zwei Seile oder robuste Fäden und Christbaumschmuck. Das Treibholz sollte man gut abwaschen und trocknen lassen. Dann schneidet man sich die Äste, die nicht zu dick sein sollten, mit einer Säge zurecht.

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Legt man die Hölzer nebeneinander, soll ein Dreieck entstehen, das einer Tanne ähnelt. Dann die einzelnen Stämme mit den zwei Seilen verbinden, am oberen Ende die Seile zusammenbinden und mit einer Schlaufe versehen, damit Sie Ihren Baum auch an der Wand aufhängen können.

Ein Stern oben macht sich noch einmal besonders gut. Schmücken können Sie ihre alternative Treibholz-Tanne natürlich, wie Sie möchten: mit einer Lichterkette, Kugeln oder getrockneten Orangenscheiben. Ein Baum, der Platz spart – und vor allem nicht nadelt.

Der Zurückgepflanzte

Foto: Green Tree

Die Idee hinter dem lebenden Christbaum ist simpel: Ein Baum im Topf muss (und sollte) nach den Feiertagen nicht auf die Straße geworfen und von der Müllabfuhr eingesammelt werden – er lebt bei guter Pflege weiter. Bisher konnte man vor allem bei Baumschulen und Förstereien Weihnachtsbäume mieten, inzwischen gibt es Unternehmen, die das anbieten.

Zum Beispiel kann man im Glockenbachviertel (vorm Café Sax) bei Schreinermeister Werner Wesslau und Wirt Friedel Bulach nicht nur Christbäume kaufen, sondern auch mieten – mit Liefer- und Abholservice. Es handelt sich bei den Leihbäumen um kleine Tannen mit Wurzelstock im Topf. Diese können nach Weihnachten zurückgegeben werden.

Oder Green Tree aus Österreich: Die Betreiber wollen mit dem Baum-Verleih die Umwelt schonen und die Monokultur-Produktion von Christbäumen verringern. Die Tannen und Fichten wachsen zwei Jahre lang als Stecklinge in einem Gewächshaus, dann werden sie auf Feldern „ausgewildert“ – im Topf, damit sich die Wurzeln schon anpassen. Green Tree liefert die Bäume dann in die Wohnung und holt sie auch wieder ab. Nach Weihnachten kommen die Pflanzen dann schon auf den Gnadenhof: Sie werden nördlich von Wien am Rande des Nationalparks Thayatalin in einem Waldstück gepflanzt.

Wer möchte, kann den Baum auch behalten. „Wenn die Leute ihn gut pflegen und über Weihnachten auch gießen, dann lebt er auch noch lange“, sagt Betriebsleiterin Daniela Poredos. 80 Prozent kämen in gutem Zustand retour. Eine Gebrauchsanleitung hängt an jedem Stamm.

Green Tree liefert auch nach München – im vergangenen Jahr waren allerdings um diese Zeit schon alle lebenden Christbäume vergeben. „Heuer haben wir aber geschaut, dass wir ausreichend Bäume haben“, sagt Poredos. Knapp 700 lebende Christbäume (ab 65 Euro) können an Haushalte in München geliefert werden.

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Der Selbstgezogene

Foto:ape

Anja Perkuhn: Ich warte. Ein geduldiger Mensch war ich noch nie, werde ich auch nicht mehr. Aber für manche Dinge lohnt es sich ja doch, ein bisschen zu warten – zum Beispiel für den selbstgezogenen Weihnachtsbaum. Natürlich werde ich in diesem Jahr noch keine Geschenke drunterlegen können, sondern eher daneben.

Aber mein Weihnachten im Jahr 2035, das wird spektakulär: Es werden kaum Menschen in den Raum passen, in dem ich es feiere, weil die Tanne so viel Platz einnehmen wird! Allerdings müsste sie dafür mal anfangen, zu wachsen. Vielleicht keimt ja in der inzwischen vierten Woche noch was.

Ich warte.

 

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