Wo beim Bier die Büchsen knallen

Wie Wiesn-Wirt Edi Reinbold in seiner traditionsreichen Festhalle zu jährlich tausenden Meisterschützen kam - und zu 18 Herren in voller Schützenmontur, stolze 2,50 Meter groß.
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Wohin mit der Festzelt-Deko? Wiesn-Wirt Edi Reinbold mit seinen beiden Söhnen Matthias (r.) und Ludwig.
Gregor Feindt Wohin mit der Festzelt-Deko? Wiesn-Wirt Edi Reinbold mit seinen beiden Söhnen Matthias (r.) und Ludwig.

Wie Wiesn-Wirt Edi Reinbold in seiner traditionsreichen Festhalle zu jährlich tausenden Meisterschützen kam - und zu 18 Herren in voller Schützenmontur, stolze 2,50 Meter groß.

Wiesn-Wirt Edi Reinbold steht in luftiger Höhe auf einer Leiter, um den 2,50 Meter grossen Schützen in voller farbenprächtiger Montur genau inspizieren zu können. "Ich muss mir den Herren doch mal aus der Nähe anschauen", sagt er lachend: "Der war nicht mehr in Top-Form." Bis er und einige weitere seiner insgesamt 18 Kollegen gründlich aufpoliert wurden - von einem Dekorateur und einem Trachtenschneider, von dem sie nach alten Vorlagen neue Original-Gewänder aus diversen Schützengauen auf den Leib genäht bekamen.

Die überdimensionalen Schützenfiguren hoch über den Boxen gehören traditionsgemäss ebenso dazu wie die unzähligen Schützenscheiben, die das Wiesn-Zelt am Fusse der Bavaria schmücken. Schliesslich wird in der Schützen-Festhalle der Wirte-Familie Reinbold nicht nur gespeist, getrunken und gefeiert. Im Festzelt mit dem üppigen Geranienbalkon über dem Haupteingang wird seit jeher auch geschossen. Ab und an von ambitionierten Laien (betreut von Profis), tagtäglich von Meisterschützen.

Die sind von der Wiesn nicht wegzudenken: Die Schützen sind seit jenem legendären Tag im Oktober 1810 dabei - als am 12. des Monats Kronprinz Ludwig, der spätere König Ludwig I., seine Vermählung mit Therese von Sachsen-Hildburghausen auf der heutigen Theresienwiese feierte und damit die Oktoberfest-Tradition begründete. "Früher gab es im Südteil der Theresienwiese 80 Schiessstände, jeweils stolze 130 Meter lang", erzählt Wolfgang Kink, der Erste Landesschützenmeister des Bayerischen Sportschützenbundes. Für die Verpflegung durften die Schützen seinerzeit eine kleine Wirtsbude errichten. Die erste Schützen-Festhalle stand 1876 auf der Theresienwiese.

Mit den Jahren wurden die Zelte grösser, die Schiessstände kleiner, und so wird heute im Schützenzelt nur noch auf Zehn-Meter-Bahnen geschossen - auf nicht weniger als 100, die sich in einem grossen Zeltanbau befinden. Während in Edi Reinbolds Festzelt ausgelassene Wiesn-Stimmung herrscht, wird gleich nebenan (von den Besuchern geradezu unbemerkt) alljährlich das Oktoberfest-Landesschiessen ausgetragen, bei dem die besten Sportschützen in den Disziplinen Luftgewehr und Luftpistole ermittelt werden. Rund 5000 Schützen sind Jahr für Jahr dabei, auch so namhafte wie Sonja Pfeilschifter, Heinz Mertel oder Hans Riederer.

Unübersehbar sind sie am ersten Wiesn-Sonntag beim Trachten- und Schützenzug, der für die Schützen traditionell in ihrer Festhalle endet. "Es ist einmalig schön, wenn all die Schützen mit ihren Musikkapellen bei uns feiern und um die Wette aufspielen", sagt Edi Reinbold: "Es macht einen schon stolz, Wiesn-Wirt in diesem traditionsreichen Festzelt sein zu dürfen."

Das ist Edi Reinbold sehr erfolgreich seit inzwischen genau 30 Jahren. Zusammen mit seiner Frau Claudia schaffte es der rührige Wirt, die einstige unattraktive Randlage bei der Bavaria aufzuwerten und das Schützenzelt zu einem Publikumsmagnet mit Stimmungsgarantie zu machen. Neben all den Stammgästen aus seiner Traditionsgaststätte "Zum Franziskaner", wo seit jeher auch Promis, Politiker und Adel gern einkehren, zieht die Schützen-Festhalle vor allem die Jugend an. Nicht zuletzt an der Champagner-Bar wird - in fescher Tracht, versteht sich - geflirtet, was das Zeug hält. Eine riesige Kontaktbörse!

"Unsere gesamte Familie fiebert dem Wiesn-Start schon entgegen", sagt Edi Reinbold und lacht: "Mal schau'n, wie heuer angezapft wird." Das Anzapfen des ersten Fasses bietet im Schützenzelt alljährlich so manche Überraschung, schliesslich greift hier immer ein Festzelt-Gast zum Schlegel. "Vor drei Jahren fiel die Wahl auf einen Münchner, der sage und schreibe 16 Schläge gebraucht hat", erzählt der Wiesn-Wirt: "Das ganze Zelt hat gelacht." Und draussen liessen die Schützen ihre Büchsen knallen.

Alle Infos rund ums Zelt

Größe: 5500 Plätze in der traditionsreichen Schützen-Festhalle, 1000 weitere draußen im Garten.

Spezialität: Das Spanferkel, das in Malzbier gebraten wird, Wiesn- Hendl, Kaiserschmarrn. Außerdem (nicht kulinarisch): Für Franziskaner- Stammgäste gibt es spezielle Einlasskarten, die mehr als begehrt sind.

Publikum: Zelt der Münchner und der Schützen; viel junges Publikum. Stimmungsgarantie und hoher Flirtfaktor!

Annette Baronikians

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