Wirte: Weg mit den stillen Tagen!

An Karfreitag ist laut Feiertagsgesetz sogar Musik verboten, von großen Partys ganz abgesehen. Altschwabinger Wirte rufen jetzt FDP-Minister Martin Zeil um Hilfe. Ihre Meinung: „Religion ist doch Privatsache!“ Sie wollen eine Lockerung des Gesetzes.
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Mit Trommelstöcken gegen das Gesetz: Die Wirte kämpfen für eine Lockerung des „anachronistischen“ Feiertagsgesetzes.
Gregor Feindt Mit Trommelstöcken gegen das Gesetz: Die Wirte kämpfen für eine Lockerung des „anachronistischen“ Feiertagsgesetzes.

MÜNCHEN - An Karfreitag ist laut Feiertagsgesetz sogar Musik verboten, von großen Partys ganz abgesehen. Altschwabinger Wirte rufen jetzt FDP-Minister Martin Zeil um Hilfe. Ihre Meinung: „Religion ist doch Privatsache!“ Sie wollen eine Lockerung des Gesetzes.

Ihr Sündenregister umfasst Oldies, Hip Hop und Volksmusik. Die Bußgelder reichen von 260 bis über 1000 Euro – weil sie am Karfreitag in ihren Lokalen Musik gespielt haben. Jetzt reicht’s den Altschwabinger Wirten. Ihre Osterbotschaft an Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP): „Schaffen Sie die stillen Tage ab“! Heute erreicht den Liberalen ein Brief der Wirte, denen es ums Prinzip geht.

Ob Karfreitag 2007 oder 2008, immer kontrollierte die Polizei die Kneipen rund um die Feilitzschstraße. Karfreitag ist laut Feiertagsgesetz ein „stiller Tag“, es gilt nicht nur Tanzverbot wie an allen anderen stillen Tagen, sondern auch Musikverbot in Schankbetrieben (siehe unten).

Schwabinger Sieben, Podium, Vereinsheim, Lloyds, Black & White... – alle hatten Ärger. Sehr hart traf es 2007 das Alfonso’s in der Franzstraße, eine Mini-Live-Bühne. „Es lief leise Volksmusik von Maxl Graf“ erzählt Barfrau Monika Pigeau. Die Folge: 530 Euro Bußgeld für sie, über 1000 Euro für die Wirtin Evi Henschelmeister. Sie legten Einspruch ein, es kam zum Verfahren vor dem Amtsgericht. Es endete im Februar 2009 damit, dass die Richterin die Strafen reduzierte (200 und 250 Euro), die Gerichtskosten müssen die beiden Frauen tragen.

Zeit, Geld, Nerven - das Bußgeld ärgert die Wirte gewaltig

Der Ärger um die heilige Ruhe kostet Zeit, Geld und Nerven. „Seit zwei Jahren wird schärfer kontrolliert“, berichtet Jonny Saffari, er ist seit 37Jahren Wirt des Drugstore in der Feilitzschstraße. Was die Wirte ärgert: „Draußen hörst Du nichts von der Musik, aber es soll stören“, so Gerd Waldhauser, Gründer der Schwabinger Sieben. Viele haben Einspruch gegen ihre Bußgeldbescheide eingelegt. Von Wirtschaftsminister Zeil erhoffen sie sich, dass er eine Lockerung des Feiertagsgesetzes erreichen kann. Schon allein, weil es um die Trennung von Staat und Kirche geht. Zumal es beim Rauchverbot mit Hilfe der FDP ja möglich war, das Gesetz rasch zu ändern.

Der Vollzug des Feiertagsgesetzes liegt in München beim Kreisverwaltungsreferat (KVR), Sprecher Christoph Habl sagt über das Musikverbot: „Wir hätten gern eine pragmatische Lösung – etwa eine Kopplung an die alte Sperrzeit.“ Will heißen: Die Gäste dürfen Musik hören bis drei Uhr früh. „Dann kommen sie auch nicht den Kirchgängern in die Quere.“

Ursprung des Ärgers um die stillen Tage ist der MTV Award an Allerheiligen 2007. Die Stadt erteilte eine Ausnahmegenehmigung für die Show in der Olympiahalle – auch Wirte konnten damals noch solche Scheine für Halloween beantragen. Die Ausnahmen brachten Ärger mit der Kirche, dass Innenministerium untersagte dem KVR diese Praxis.

Mehr Münchner besuchen Kneipen als Gottesdienste

Dabei dürfte es in München mehr Kneipen- als Gottesdienstbesucher geben. 2006 traten 6476 Christen beider Konfessionen aus der Kirche aus, 2008 waren es 9247. Allein im Februar 2009 kehrten 1039 Menschen der Kirche den Rücken. Doch das Feiertagsgesetz betrifft alle: Christen, Atheisten, Moslems. Drugstore-Wirt Saffari sagt: „Religion ist eine private Sache.“

Bernhard Kellner, Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats, sagt: „Der Karfreitag betrifft nicht nur Christen.“ Der Feiertag gehöre zum Werte- und Grundkonsens der Gesellschaft. In München seien zudem „48 Prozent katholisch und zwei Drittel Christen“. Eine Lockerung des Gesetzes hält Kellner für unmöglich: „Staat und Kirche sind nicht auseinander zu dividieren. Wir würden auch kämpfen für den Tag!“

Katharina Rieger

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