Wird Horst Seehofer am Nockherberg zum Teufel?

Das Singspiel gerät heuer zu einer Adaption von Goethes Faust. Wer ist hinterfotzig genug, um den Mephisto zu spielen? Ilse Aigner als Gretchen? Die AZ macht sich Gedanken.
| Tina Angerer
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Mephisto Horst? Ministerpräsident Seehofer spielt im Singspiel frei nach "Faust" eine Hauptrolle. Welche, das ist noch geheim.
dpa/AZ-Montage Mephisto Horst? Ministerpräsident Seehofer spielt im Singspiel frei nach "Faust" eine Hauptrolle. Welche, das ist noch geheim.

Das Singspiel gerät heuer zu einer Adaption von Johann Wolfgang von Goethe Faust. Wer ist hinterfotzig genug, um den Mephisto zu spielen? Ist Ilse Aigner das Gretchen? Die AZ macht sich mal Gedanken.

München – Bis jetzt hat Ludwig Spaenle am Nockherberg meist nur Watschn abgekriegt – jetzt freut sich der Schulminister vielleicht. Denn der Klassiker der Klassenzimmer schafft es nun auf die Bühne des Salvatorkellers: Das Singspiel ist eine politisch-bajuwarische Adaption von Johann Wolfgang von Goethe Faust.

„Die Kultur hält Einzug am Nockherberg“, verkündet Regisseur Marcus H. Rosenmüller, der an seiner Seite Autor Thomas Lienenlüke hat, quasi als weiß-blauen Johann Wolfgang von Goethe. Viel mehr verrät Rosenmüller aber noch nicht.

Gleich dreht sich im Kopf das Assoziations-Karussell: Faust, Mephisto, Gretchen, habe ich nun, ach... – wie ging das nochmal? Die AZ klärt das System Faust.

Die wichtigste aller Fragen: Wer ist Mephisto? Denn – zwar heißt der Titelheld Faust, schon immer aber wollte jeder Schauspieler am liebsten den Mephisto spielen, er ist die wahre Hauptrolle. Er ist durchtrieben und verführerisch und selbstherrlich. Das trifft doch mindestens in Teilen auf Horst Seehofer zu.

Wird der Ministerpräsident der Nockherberg-Deifi? Der, der im Himmel droben wettet, dass er den Doktor Faust vom rechten Weg abbringen kann?

Daraus folgt die zweite Frage: Wer lässt sich als Faust mit dem Teufel ein? In Johann Wolfgang von Goethe Tragödie ist Faust ein nicht mehr ganz junger Wissenschaftler, der sehr unzufrieden mit seinem Leben ist. Er hatte eigentlich mal gute Voraussetzungen, dennoch ist er Mittelmaß: Kein Erfolg, keine Erkenntnisse, keine erotische Strahlkraft. Söder vielleicht?

Oder einfach nur der Normalbürger, der Bayer an sich? In seiner Misere lässt sich Faust mit dem Teufel, Mephisto, ein: Er bekommt Jugend, Schönheit und den Charme, eine unschuldige Frau zu verführen.

Oh Gott, da drängt sich die dritte Frage auf: Wer ist das Gretchen? In der unvollständigen Darsteller-Liste, die Paulaner preisgab, taucht nur eine Frau auf: Ilse Aigner. Da wird die Fantasie arg strapaziert. Gretchen ist ein junges naives Ding. Sie verliert durch den Doktor alles: Er schwängert sie, heiratet sie aber nicht und richtet ihre Familie zugrunde. Gretchen tötet ihr uneheliches Kind. Zwar wird sie am Ende erlöst, ein Top-Posten sieht aber anders aus.

Berühmt ist Gretchen durch ihre Gretchenfrage, „Nun, sag, wie hältst du’s mit der Religion?“, mit der sie Faust zu einem eindeutigen Statement treiben will. Dann ist der Faust doch Seehofer, Merkel ist Gretchen und die Frage heißt: „Wie hältst du’s mit der Energiewende?“

Ein vakanter Posten ist auch noch der liebe Gott, der sich im Himmel über seinen miesen Knecht Faust beklagt. Da wäre noch Platz für Helmut Schleich als Franz Josef Strauß. Oder alles ist doch ganz anders. Nur eines scheint klar: Auerbachs Keller, Ort des berühmtesten Besäufnisses der Literaturgeschichte, heißt hier garantiert Salvatorkeller.

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