Wirbel um Wiesn-Plakat: Das sagt der Künstler zum KI-Vorwurf
Da hat mancher Experte nicht schlecht gestaunt, als der Wiesnchef Christian Scharpf (SPD) letzten Freitag feierlich das neue Wiesnplakat für dieses Jahr enthüllt hat. Das regenbogenbunte Motiv des Thalhausener Grafikers Florian Huber hat über das Wochenende bei vielen den Verdacht hervorgerufen, dass es mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurde.
Das ist seit 2024 ausdrücklich verboten. Im Reglement zum Wettbewerb heißt es: "Sämtliche künstlerischen oder grafisch üblichen Arbeitstechniken sind möglich. Als Arbeitstechnik gilt ausdrücklich nicht der Einsatz von KI-Bildgeneratoren".
Der Münchner Grafikdesigner Simon Marchner kritisiert in einem viel beachteten Video auf Instagram am Montag den Sieger. "Im Bild gibt es einige deutliche Hinweise" auf KI, sagt er. Die Gestaltung des Riesenrads im Bild sei "ganz typisch für KI", auch das "geometrische Irgendetwas" der Frauenkirche.
Außerdem sei auch die Webseite Hubers ein "Sammelsurium an verschiedenen Stilen" mit vielen Illustrationen, die eindeutig von einer KI generiert wurden – für Marchner ein Indiz für den Einsatz von KI beim Wiesnplakat. Er fordert, dass die Stadt den Gewinnerentwurf noch einmal genauer unter die Lupe nimmt und zu den Vorwürfen Stellung bezieht.
Neues Wiesnplakat: Mit KI erstellt?
Für ihn, der auch schon beim Wiesnplakat-Wettbewerb mitgemacht hat, ist es "ein Schlag ins Gesicht für alle Künstlerinnen und Künstler, die versuchen mit fairen Mitteln ihrer Leidenschaft nachzugehen".
Auf AZ-Anfrage sagt das Wirtschaftsreferat (RAW), das für den Wettbewerb verantwortlich ist, alle Einsendungen würden "von einem Grafik-Team überprüft". Eine Einsendung sei disqualifiziert worden, "weil sich der Vorwurf der unerlaubten KI-Nutzung erhärtet hat", so Maren Kowitz, Sprecherin des RAW zur AZ.
Und das Gewinnermotiv von Florian Huber? Der habe bereits 2021 den dritten Platz belegt und "hat alle seine einzelnen Arbeitsschritte und die verwendeten Bildbearbeitungsprogramme transparent offengelegt", so Kowitz. Und: "Sie haben keine Hinweise auf den Einsatz eines KI-Bildgenerators erkennen lassen."
Sein Beitrag sei beim Publikumsvoting auf Platz zwei gelandet und habe auch die Jury überzeugt, die dieses Ergebnis nicht kannte.
Und was sagt der Sieger selber? Die AZ erreicht Huber am Telefon. Er habe die Jury alle Daten einsehen lassen. Er habe erst eine Ursprungsskizze gemacht und "darauf eine Vektorgrafik gemacht und koloriert", sagt Huber. Er habe keine KI verwendet, "das ist alles noch einmal durchgecheckt worden, auch die Vorentwürfe". Das sei "grundsätzlich ein schwieriges und sensibles Thema", sagt Huber noch zur Nutzung von KI in der Kunst.
Der Sieger des Plakatwettbewerbs erhält 2.500 Euro Preisgeld und 5.000 Euro dafür, dass er die gesamten Nutzungsrechte an die Stadt abtritt. Die nutzt dann das Motiv auf dem offiziellen Masskrug und vielen anderen Merchandising-Artikeln wie T-Shirts oder Taschen.
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