Wiggerl Hagn: "Gut gebrüllt, Löwe!"

Wie Löwenbräu-Festwirt Wiggerl Hagn zu seinem überdimensionalen Wiesn-Maskottchen kam, das einem ausgebildeten Sänger seine berühmte Stimme verdankt.
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Hoch droben bei seinem berühmten riesigen Maskottchen: Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn.
Petra Schramek Hoch droben bei seinem berühmten riesigen Maskottchen: Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn.

Wie Löwenbräu-Festwirt Wiggerl Hagn zu seinem überdimensionalen Wiesn-Maskottchen kam, das einem ausgebildeten Sänger seine berühmte Stimme verdankt.

Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn steht in luftiger Höhe auf einer Leiter und inspiziert die Zähne seines Löwen. „Das Gebiss war nicht mehr unbedingt strahlend weiß“, sagt er, um sich dann den Knien des Tieres zuzuwenden: „Die sahen etwas abgescheuert aus.“ Bis vor zwei Tagen, bis der Löwe in Behandlung war – bei einem Dekorateur und einem Maler. Hagn ist zufrieden: „Jetzt passt wieder alles! Zum Wiesn-Start muss unser Maskottchen doch schön ausschauen.“

Dieses ist stolze 4,5 Meter groß, eine Tonne schwer und thront über dem Haupteingang des Festzelts: der berühmte „Löööwenbräu“ brüllende Löwe, der Einheimische wie Zuagroaste gleichermaßen anzieht. „Er bekommt wahnsinnig viel Aufmerksamkeit“, sagt Festwirt Wiggerl Hagn: „Täglich sprechen mich Besucher auf unseren Löwen an. Bei vielen weckt er auch Erinnerungen. Die Oma und der Opa, die jetzt mit ihren Enkeln auf die Wiesn gehen, haben ihn ja selbst als Kind schon brüllen gehört.“

Das tat der Löwe zum ersten Mal im Jahr 1949 – noch ganz flach aus Sperrholz erbaut. Einem Brauereidirektor war die Idee gekommen, die Löwenbräu-Zeltfassade werbewirksam mit einer großen beweglichen Figur zu schmücken. Doch kaum hatte der Löwe zu brüllen begonnen, gab’s auch schon Ärger mit der Wirte-Konkurrenz, die letztlich sogar für ein Jahr ein Schweigegelübde erwirken konnte.

Aus dem ersten Sperrholz- Löwen wurde schnell eine plastische Figur aus Pappmaché. Seit den 70er Jahren gibt’s einen Polyester-Überzug. Dass dieser für langeHaltbarkeit sorgt, steht außer Frage. 1979 übernahm Wiggerl Hagn (der ab 1961 bereits das Schützenzelt hatte) die große Löwenbräu-Festhalle: „Da gab’s den jetzigen Löwen schon. Dieses Exemplar steht also zumindest mehr als 30 Jahre über unserem Haupteingang.

Seine Stimme ist noch weit älter. Sein berühmtes Gebrüll verdankt der Löwe seit Anbeginn dem stimmgewaltigen Münchner Max Baumeister (1898 – 1974). Dieser warMakler und ausgebildeter Bass und „sang“ das Löwengebrüll einst ins Mikrofon. Im Jahr 2001 wurde das Original digital überarbeitet. Das Endlosband gehört der Vergangenheit an, doch nach wie vor erklingt Baumeisters legendärer „Löööwenbräu“-Ausruf.

Dieser wird auch heuer wieder jede Minute – 60 Mal in der Stunde – übers Festgelände ertönen, wenn der Löwe in gewohnter Manier seinen großen Bierkrug hebt, dabei den Schwanz bewegt, genüsslich trinkt und sich dann zufrieden den Bauch reibt.

Bei den Löwenbräu-Wirten sieht das während der Wiesn ganz anders aus. „Wir freuen uns schon riesig auf das erste Hendl und den ersten Schluck Wiesn-Bier nach dem Anzapfen“, sagt Hagn- Tochter und Festwirtin Steffi Spendler: „Hendl gibt’s während des Oktoberfests noch mehrere. Bier wird aber durch Wasser ersetzt.“ Wiggerl Hagn nickt und sagt: „Sonst schafft man die Wiesn nicht! Bier ist bei uns erst wieder am letzten Wiesn-Tag im Krug. Unser Löwe hat’s also eindeutig besser.“

Alle Infos rund ums Zelt

Größe: 5860 Plätze im Zelt, 2700 im Garten.

Spezialität: Mit Butter gegrillte Landhendl, das Braumeister-Pfandl und der Kaiserschmarrn aus der Riesenpfanne.

Publikum: „Unter der Woche 95 Prozent Münchner aus dem Sund U-Bahnbereich vom Ministranten bis zum Ministerialrat. Am Wochenende Touristen aus aller Welt“, sagt Festwirt Wiggerl Hagn, der seine Gäste während des gesamten Jahres im Unionsbräu in Haidhausen bewirtet.

Annette Baronikians

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