Wiesn: Autor schürt Angst vor Anschlägen

Der Autor Christoph Scholder hat seinen ersten Thriller veröffentlicht. Darin schildert er, wie Terroristen die Wiesn in ihre Gewalt bringen. Das Buch steht in der Kritik
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Autor Christoph Scholder
Christian Kaufmann 2 Autor Christoph Scholder
Das Cover verrät, um was es bei „Oktoberfest“ geht – um einen Anschlag russischer Terroristen.
Thomas Gaulke 2 Das Cover verrät, um was es bei „Oktoberfest“ geht – um einen Anschlag russischer Terroristen.

Der Autor Christoph Scholder hat seinen ersten Thriller veröffentlicht. Darin schildert er, wie Terroristen die Wiesn in ihre Gewalt bringen. Das Buch steht in der Kritik

MÜNCHEN Es ist die Ur-Angst der Münchner: Ein Anschlag auf der Wiesn. An diesem Freitag kommt ein Thriller heraus, der minutiös ein solches fiktives Schreckens-Szenario beschreibt. Wenige Wochen, bevor sich das reale Oktoberfest-Attentat, bei dem 1980 dreizehn Menschen starben, zum 30. Mal jährt.

Noch bevor es in den Regalen feilgeboten wird, steht das Buch schon in der Kritik. „Pietätlos“ lautet zum Beispiel das Urteil von Wilfried Blume-Beyerle, dem Chef des Kreisverwaltungsreferats.

Der Autor Christoph Scholder (43) lebt in München. „Oktoberfest“ ist sein erster Roman. Darin bringen russische Terroristen die Festzelte in ihre Gewalt – 70000 Besucher werden zu Geiseln. Sämtliche Zelte seien mit Giftgas bestückt, erklären die Attentäter. Ihre Forderung: zwei Milliarden Euro in Form von ungeschliffenen Rohdiamanten.

Als ein Sondereinsatzkommando trotzdem versucht, eines der Zelte, hier „Fischer-Liesl“ genannt, zu stürmen, machen die Terroristen Ernst. Das Nervengift strömt aus. Und das liest sich im Buch so: „Die zweitausend Besucher der Fischer-Liesl waren auf biologische Organismen reduziert. Ihre Körper kämpften gegen einen biochemischen Prozess an, dessen Verlauf unabänderlich und unumkehrbar war. Jeder einzelne Muskel verkrampfte sich bis zum Zerreißen. Leiber wanden sich.“

Der Thriller ist packend geschrieben. Im Stakkato-Stil nimmt die Geschichte ihren Lauf. Die Auflage des Buchs liegt bei 50000 – für ein Erstlingswerk ist das viel. „Das ist für uns ein absoluter Spitzentitel in diesem Herbst“, sagt Hans-Peter Übleis, Verleger bei Droemer Knaur.

Spitzentitel hin oder her – KVR-Chef Blume-Beyerle mag die Geschichte nicht lesen. „Ich finde es den Opfern und Angehörigen gegenüber pietätlos, dass man genau 30 Jahre nach dem Oktoberfest-Attentat so ein Buch raus-bringt.“ Der Autor spiele mit unguten Gefühlen bei den Menschen. „Er muss sich überlegen, ob er das mit seinem Gewissen vereinbaren kann, ein Buch zu schreiben, das die Wiesn-Besucher verunsichert – und damit einen Schatten auf das Fest wirft.“

Deutliche Worte. Zu dem konkret beschriebenen Anschlag will Blume-Beyerle, der im Ernstfall Leiter des Einsatzstabs wäre, aber nichts sagen. „Ich werde mich nicht dazu äußern, welches Szenario ich für denkbar halte.“

Richtig erbost zeigt sich Wiesn-Wirte-Sprecher Toni Roiderer: „Ich verabscheue zutiefst, wenn Leute mit der Angst der Bürger spielen“, sagt er. „Es kann nicht sein, dass solche Schmierfinken das Fest in den Dreck ziehen.“

Beim Verlag Droemer Knaur hatte man mit der Aufregung offenbar gerechnet. „Ich habe das nicht anders erwartet. Das ist schon sehr münchnerisch-kleingeistig“, sagt Hans-Peter Übleis. Sämtliche Schauplätze der Weltgeschichte seien in der Literatur mehrfach in die Luft gesprengt und vernichtet worden. „Es ist das Wesen und die Existenzberechtigung eines Thrillers, mit der Angst der Menschen zu spielen.“ Zudem spiele der Thriller im Jahr 2004 und sei so „überdreht“, dass das Szenario in keiner Weise wahr werden könne. „Das ist wie James Bond“, sagt Übleis. Dass sich das echte Wiesn-Attentat zum 30. Mal jährt, habe für die Planung keine Rolle gespielt.

Autor Scholder, der Soziologie, Philosophie und Psychologie studiert hat, erklärt: „Wenn jemand glaubt, das sei in irgendeiner Art und Weise verunglimpfend, dann ist das ein großes Missverständnis.“ Julia Lenders

Feiern in der Festung

Die Wiesn in Zeiten der Terrorgefahr: Schon im vorigen Jahr war ein mehrfach gesicherter Sperrgürtel um die Theresienwiese herum errichtet worden – zum ersten Mal in der Geschichte des Oktoberfestes. Und auch heuer sollen potenzielle Attentäter durch drei Sperr-Ringe ferngehalten werden. Da einige Elemente wie versenkbare Poller erst 2011 aufgestellt werden können, sind heuer nochmal Provisorien im Einsatz.

Konkrete Hinweise auf drohende Anschläge gibt es nicht. In diesem Zusammenhang ist die Rede von einer „abstrakten Gefahrenlage“.

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