Interview

"Wie Manuel Neuer": Was diesen Münchner Busfahrer so besonders in Deutschland macht

Ein Fahrgast nominierte Sergei Machowski als einen der besten Busfahrer Deutschlands – und verglich ihn sogar mit Manuel Neuer. Im AZ-Interview erzählt der MVG-Fahrer, was seinen Beruf ausmacht.
Lukas Plaschke |
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Sergei Machowski: TOP-30 Busfahrer in Deutschland
Sergei Machowski: TOP-30 Busfahrer in Deutschland © Daniel von Loeper

Die AZ berichtete im März über den Wettbewerb "LieblingsbusfahrerIn 2026", bei dem Fahrgäste ihre ganz persönlichen Bushelden nominieren konnten. Einer der Ausgezeichneten kommt aus München: MVG-Busfahrer Sergei Machowski zählt zu den bundesweit 30 beliebtesten Busfahrern – die AZ hat mit ihm gesprochen.

AZ: Herr Machowski, wie sind Sie Busfahrer bei der MVG geworden?
SERGEI MACHOWSKI: Bei der MVG bin ich seit Juli 2002. Damals habe ich bei der Deutschen Post als Paketzusteller gearbeitet. Von einem Bekannten bekam ich die Empfehlung, doch als Busfahrer bei der MVG zu arbeiten.

Klingt, als sei es sehr unkompliziert gelaufen.
Die erste Zeit war nicht leicht, weil ich nicht in München geboren und aufgewachsen bin. Außerdem war ich als Paketzusteller hauptsächlich im Ostteil der Stadt unterwegs. Aber hier als Fahrer war ich dann im Westen der Stadt unterwegs – der Teil von München war mir völlig unbekannt.

Was sind insgesamt die weniger schönen Seiten des Jobs?
Schwierig ist es vor allem in der Anfangszeit, klarzukommen. Man muss hier ein klares Auftreten entwickeln und die schwierigen Ecken kennenlernen. Wo genau muss man anhalten? Da habe ich mich dann schon gefragt: Bin ich hier richtig? Da sagt dann einer vielleicht 'Nein, ist nichts für mich. Ich suche mir etwas anderes'. Ortskenntnisse zu gewinnen, der Umgang mit Fahrgästen und vor allem die große Verantwortung. Das ist alles nicht einfach. Und dann sind da allgemein die schwierigen Tage, die jeder mal hat. Sei es schlechte Laune oder schlecht aus dem Bett gekommen. Das muss der Busfahrer jedoch zu Hause lassen. Eine innere Einstellung zu entwickeln und am Schichtende mit einem guten Gefühl nach Hause zu fahren, das zählt.

Warum ein schon "Guten Morgen" viel Wert ist

Dann sprechen wir doch über die schönen Seiten. Was gefällt Ihnen am Busfahren in München?
Wenn du als Busfahrer selbst schon freundlich auftrittst, dann kommt das auch von den Fahrgästen zurück. Ich hatte es schon, dass Fahrgäste mit trauriger Miene eingestiegen sind. Nach einem 'Guten Morgen' von mir habe ich dann später erlebt, wie solche Fahrgäste dann auch mit einem anderen Gesicht ausgestiegen sind. Die wünschen dir dann sogar noch eine gute Fahrt und einen schönen Tag. Und das freut mich wiederum, weil es einem neue Energie für den weiteren Tag gibt.

Mit dieser freundlichen Art haben Sie es nun zu den "Top-30-Busfahrern" deutschlandweit gebracht. Der Fahrgast, der Sie vorgeschlagen hatte, verglich Sie mit Manuel Neuer: "Diese Ruhe beim Fahren. Wenn Neuer Welttorhüter ist, dann ist dieser Busfahrer Weltbusfahrer". Wie passend finden Sie den Vergleich zu Neuer?
(lacht) Ach, das Mindeste ist, meine Arbeit gut zu Ende zu bringen. Doch wenn die Fahrgäste merken, dass ich da vorne ruhig bin, dann gibt es auch für sie keine Hektik. Nicht schnell beschleunigen, nicht stark abbremsen. Das erst macht die Busfahrt angenehm.

"Es ist klar, dass jeder pünktlich zur Arbeit kommen will"

Haben Sie in stressigen Situationen ein Ritual, mit dem Sie zur Ruhe kommen?
Wenn es Momente gibt, die mir nicht gut gefallen, versuche ich es auszublenden. Man muss das vergessen und darf nicht immer wieder daran denken. Schließlich kommt eine Zeit, wo ich mir denke: 'Ja, das war unangenehm. Aber ich werde mich nicht weiter damit befassen'. Wir stehen oft im Stau und haben viele Fahrgäste zur Stoßzeit. Es ist klar, dass jeder pünktlich zur Arbeit oder zur Schule kommen will. Ältere Kollegen, die mittlerweile schon in Rente sind, haben mir immer gesagt, dass wir Fahrer vieles einfach nicht selbst beeinflussen können. Für die meisten Verspätungen können wir nichts.

Zurück zur Nominierung als Lieblingsbusfahrer. Haben Sie mit dem Fahrgast eigentlich auch persönlichen Kontakt gehabt, haben Sie sich bedankt?
Kontakt wahrscheinlich schon, aber ich kann nicht sagen, welcher Fahrgast das damals genau war. Für mich war die Nominierung jedenfalls eine Überraschung. Ich kam aus dem Urlaub zurück und bekam vom Pressesprecher den Anruf.

Mit 62 Jahren ist es ja nicht mehr so weit bis zur Rente. Was machen Sie dann, wenn Sie nicht mehr Busfahren?
Solange es meine Gesundheit zulässt, möchte ich gerne als Busfahrer weitermachen. Wenn die Möglichkeit da sein sollte, würde ich also auch gerne in der Rente noch auf Teilzeitbasis weiterfahren. Ich bin keiner, der die Rente als Ziel sieht und dann 'Stopp' sagt. 

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