Wie Apotheker den Notdienst an Weihnachten erleben

Arbeiten, wenn andere Geschenke auspacken: Ein Münchner Apotheker erzählt, wie er Notdienste an Weihnachten erlebt. 
| Thilo Schröder
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Peter Sandmann hinter der Theke seiner Apotheke. An den Weihnachtstagen werde vor allem die Pille danach gut verkauft, sagt er.
Bernd Wackerbauer Peter Sandmann hinter der Theke seiner Apotheke. An den Weihnachtstagen werde vor allem die Pille danach gut verkauft, sagt er.

München - Während die meisten Münchner die Weihnachtsfeiertage besinnlich und im Kreis der Familie verbringen, stehen einige Apotheker an diesen Tagen hinterm Tresen. Bis zu 24 Stunden am Stück verkaufen sie dringend benötigte Medikamente, aber auch Babynahrung und Kosmetikartikel. Mancher findet in der Apotheke kurzfristig noch ein Weihnachtsgeschenk.

"Grundsätzlich ist an solchen Tagen die Hölle los, da kommen 400 bis 500 Kunden", sagt Ralph-Eric Koch (71). Der Inhaber der Adler-Apotheke in der Dultstraße, unweit vom Marienplatz, hatte in seinen 45 Dienstjahren schon sieben oder acht Mal Weihnachtsnotdienst. Heuer ist er mal wieder am 25. Dezember dran. Er sagt: "Mich kann nichts mehr erschüttern."

Der Notdienst der Apotheken ist ein Service vergleichbar mit dem des ärztlichen Bereitschaftsdiensts. Zwischen zehn und 15 der rund 360 Münchner Apotheken übernehmen ihn laut Sprecher Peter Sandmann (53) an Sonn- und Feiertagen zeitgleich. Alle 27 Tage ist man an der Reihe, so der Inhaber der Nauplia-Apotheke an der Säbener Straße. Im Voraus legen die Diensthabenden einen erfahrungsbasierten Vorrat an: Antibiotika, Fiebersäfte, Babynahrung seien bei ihm beispielsweise wichtig, sagt Sandmann mit Verweis auf die nahegelegene Harlachinger Kinderklinik.

Die Pille danach ist an Weihnachten besonders gefragt

Beim Notdienst, der von 8 Uhr morgens bis zur selben Zeit am Folgetag dauert, ist man in der Regel alleine. Nur approbierte Apotheker dürfen ihn übernehmen. Wer an den Weihnachtstagen Dienst hat, muss die eigenen Feierlichkeiten flexibel planen. Wenn er am 25. Dezember Dienst habe, feiere er halt an Heiligabend, sagt Koch. "Wir haben mal in der Apotheke gefeiert, die Familie war da, wir haben hier zusammen gegessen", erinnert sich Sandmann an einen Dienst vor einigen Jahren.

An Heiligabend sei die Pille danach besonders begehrt, sagt er. "Da geht richtig viel. Da haben die Leute Panik, dass ihr Arzt des Vertrauens am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag nicht da ist. Das ist vielen echt schweinepeinlich." Koch stimmt ihm zu: "Die Pille danach hab ich schon in der Kitteltasche."

Für manche ist die Apotheke aber auch die letzte Hoffnung, um ein Weihnachtsgeschenk zu bekommen. "Es gibt tatsächlich Leute, die versuchen, in der Apotheke an Weihnachten noch ein Geschenk zu kaufen, wenn sie nix gefunden haben", sagt Sandman, "Kosmetik oder Nahrungsergänzungsmittel zum Beispiel."

Höfliche und nicht so ganz höfliche Kunden

Ob Kunden wertschätzten, dass Apotheker für sie aufs Feiern verzichten? "Da sind die Leute froh, dass jemand da ist", sagt Maria Treß, eine der Betreiberinnen der Flora-Apotheke am Wettersteinplatz. "An Heiligabend sind die Leute mitfühlender und entschuldigen sich sieben Mal für ihr Kommen", sagt Koch, "am 25. nicht mehr." Dankbar seien vor allem Einheimische, Touristen weniger.

Danach gefragt, ob ihm Kunden an diesen Tagen frohe Weihnachten wünschten, sagt Sandmann: "Bis Heiligabend ja, aber danach nicht. In der Stadt hat man schon eine Anspruchshaltung, dieses Amazon-Denken." Zugleich betont er: "Viele sind ja ernsthaft krank und bettreif geworden über die Feiertage, für die sind wir da."

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