Wenige Wohnungen, irre Preise: Welcher Student soll sich das leisten?

Tausende Studenten in München suchen wenige Tage vor dem Start des Wintersemesters weiterhin eine Wohnung. Doch Wohnraum ist knapp und mitunter für Studenten unbezahlbar.
| Michael Schleicher
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Das Studentenwohnheim im ehemaligen olympischen Dorf.
Das Studentenwohnheim im ehemaligen olympischen Dorf. © Sven Hoppe/dpa

München - Am kommenden Montag startet das neue Wintersemester offiziell, Tausende der insgesamt rund 130.000 Studenten in München sind jedoch weiterhin auf der Suche nach einer Bleibe, die hauptsächlich eines sein muss: bezahlbar.

Vor allem die Erstsemester, von denen viele aus anderen Städten kommen, sind besonders von der akuten Wohnungsnot in München betroffen. Alleine an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) sind es 8.053 (Stand: 11.10.21), wie eine Sprecherin auf AZ-Nachfrage mitgeteilt hat. Die LMU geht davon aus, dass bis Anfang November noch weitere hinzukommen werden. Erste Anlaufstelle in Sachen Wohnung dürfte für viele Studenten das Studentenwerk sein, doch auch dort sind die Kapazitäten begrenzt.

Tausende Studenten auf der Warteliste

"Aktuell stehen 13.665 Studierende auf unseren Wartelisten für München", teilt Studentenwerk-Sprecher Ingo Wachendorfer auf AZ-Nachfrage mit. Und auch (deutlich) außerhalb sind die Studenten dringend auf der Suche nach einer Wohnung: "Außerdem haben sich 916 Studierende für eine der Wohnanlagen in Freising und 185 für eine der Wohnanlagen in Rosenheim beworben, die bislang noch keinen Wohnplatz beim Studentenwerk München erhalten haben", sagt Wachendorfer.

Das Studentenwerk weist darauf hin, dass die hohe Zahl der Studenten auf der Warteliste nicht gänzlich aussagekräftig sei und relativiert werden müsse. Die Zahl würde auch Bewerbungen aus früheren Semestern umfassen. Die Erfahrung zeige, dass Studenten, die schon länger auf der Warteliste stehen, Wohnangebote häufig ablehnen, weil sie in der Zwischenzeit schon etwas Passenden gefunden haben. "Dadurch rücken 'aktuelle' Antragsteller automatisch nach und bekommen eher eine Chance, als es die reine Zahl der Bewerber/-innen vermuten lässt", so Wachendorfer.

Wie prekär die Lage dennoch vor allem in München ist, zeigen Zahlen des Deutschen Studentenwerks (DSW): In Berlin stehen rund 4.000 Studenten auf der Warteliste, in Frankfurt am Main sind es 3.000.

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Warum die 31 Wohnheime des Studentenwerks bei den Studenten besonders beliebt sind, liegt auf der Hand: Im Vergleich zu vielen privaten Angeboten sind die Mieten im Studentenwohnheim noch bezahlbar. Die durchschnittliche Bruttowarmmiete für einen Wohnplatz beträgt aktuell 301,80 Euro.

Neben den Plätzen im Studentenwohnheim gibt es aber natürlich auch noch die Angebote privater Anbieter. Doch vor allem hier wird deutlich, dass es in Sachen Wohnung mitunter auch mal (deutlich) teurer werden kann.

Knapp 1.400 Euro für eine Ein-Zimmer-Wohnung

Zum Beispiel können sich Wohnungssuchende auf der offiziellen Seite der Technischen Universität (TU) Privatangebote ansehen und gegebenenfalls dafür bewerben. So ist dort beispielsweise aktuell ein Angebot für eine Ein-Zimmer-Wohnung in der Herzogstraße in Schwabing-West online. Für 36 Quadratmeter müsste der Interessent hier 1.390 Euro warm zahlen.

36 Quadratmeter in der Herzogstraße wären für 1.390 Euro zu haben. (Die Hausnummer wurde von der Redaktion gepixelt.)
36 Quadratmeter in der Herzogstraße wären für 1.390 Euro zu haben. (Die Hausnummer wurde von der Redaktion gepixelt.) © AZ-Screenshot

Ein anderes Beispiel – ebenfalls aus Schwabing: Eine Zwei-Zimmer-Wohnung (81 Quadratmeter) in der Gohrenstraße für 2.375 Euro Warmmiete. Viele Studenten dürften sich da vermutlich die Frage stellen: Wer soll und vor allem kann das in einer Stadt wie München überhaupt bezahlen?

Knapp 2.400 Euro warm für eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Schwabing. (Die Hausnummer wurde von der Redaktion gepixelt.)
Knapp 2.400 Euro warm für eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Schwabing. (Die Hausnummer wurde von der Redaktion gepixelt.) © AZ-Screenshot

Im Vergleich dazu: Dem Studentenwohnreport 2021 zufolge hat eine 30 Quadratmeter große Musterwohnung in München und Uni-Nähe zum Ende des vergangenen Sommersemesters im Schnitt 802 Euro warm gekostet. Der bundesweite Schnitt lag bei 515 Euro. Für ein WG-Zimmer in München musste man im Schnitt 554 Euro hinlegen, das liegt deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 325 Euro.

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Wohnheimplatz: Wartezeit von bis zu vier Semestern

Viele Studenten hoffen angesichts der teils irren Preise privater Anbieter aufs Studentenwerk, doch die Wartezeit für einen der insgesamt rund 11.000 Wohnheim-Plätze liegt je nach Wohnheim zwischen einem und vier Semestern. Für manche Studenten dauert das freilich zu lange. Um die Chancen bei der Wohnungssuche zu erhöhen, bietet das Studentenwerk noch einen Service zur Vermittlung von Unterkünften privater Vermieter an, laut eigener Aussage werden so pro Jahr "einige Hundert Wohnmöglichkeiten" vermittelt.

Tatsächlich finden sich auf der entsprechenden Seite mehrere faire Angebote, doch einige liegen auch deutlich über dem im Studentenreport genannten Bundesschnitt: So kostet ein 20 Quadratmeter großes WG-Zimmer im nicht zentral gelegenen Haar 630 Euro. Für ein 29-Quadratmeter-WG-Zimmer in Großhadern sind ebenfalls 630 Euro fällig.

Wie knapp der Wohnraum in München ist, zeigen auch zwei Zahlen eindrücklich: Auf der Seite des Studentenwerks sind für München aktuell 38 Privatangebote online, auf der TU-Seite sogar nur acht (Stand: 14.10.). Deutlich zu wenig für die vielen Tausenden noch suchenden Studenten.

Studentenwerk: Nachfrage nach Wohnraum ist ungebrochen

Nach drei Semestern, die hauptsächlich digital stattgefunden haben, soll das kommende Wintersemester nun erstmals wieder überwiegend in Präsenz stattfinden. Ein Anstieg an Wohnungssuchenden sei laut Studentenwerk deshalb aber nicht zu erkennen. Die Nachfrage sei aufgrund des angespannten Münchner Mietmarkts seit jeher sehr hoch, so Wachendorfer. Auch während der Pandemie ließ die Nachfrage nach Wohnraum nicht nach und blieb ungebrochen auf hohem Niveau. "Wie immer zu Wintersemesterstart hat die Nachfrage derzeit einen Jahreshöchststand erreicht", erklärt Wachendorfer.

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