Weihnachten bei der Familie? Diese Münchner arbeiten, während wir feiern

Für viele Münchner bedeuten die Feiertage ausschnaufen, sich zurücklehnen, die Arbeit ein bisserl vergessen. Aber das gilt nicht für alle! In der AZ erzählen vier Menschen, die Dienst haben.
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Auch Weihnachten unterwegs: Taxler.
Auch Weihnachten unterwegs: Taxler. © Bodo Marks/dpa

München - In diesen Tagen feilt der ein oder andere bestimmt schon an seiner Abwesenheitsnotiz fürs E-Mail-Postfach. Die Feiertage nahen und damit für viele zumindest ein paar Tage Ruhe über die Feiertage.

Doch in vielen Branchen ist die stille Nacht gar nicht still und an Silvester knallen um Mitternacht auch nicht die Korken, sondern man holt sich einen Kaffee zum Wachbleiben am Automaten in der Dienststelle.

Wie es ist, zu arbeiten, wenn die meisten feiern? Das haben wir vier Menschen aus verschiedenen Arbeitsbereichen gefragt. Auf diesen beiden Seiten können Sie lesen, was sie am Feiertagsdienst nervt, aber auch, was sie daran freut.

Taxifahrer Frank Götz (37): "Eine ganz besondere Stimmung in der Stadt"

Frank Götz arbeitet in München als Taxifahrer.

Taxifahrer Frank Götz.
Taxifahrer Frank Götz. © privat

"Eigentlich habe ich immer gerne an Weihnachten gearbeitet. Viele ältere Leute sind in der Zeit auf ein Taxi angewiesen und man fährt sie dann zum Gottesdienst in die Kirche oder zu Verwandten - man hat also besonders am 24. ganz gut zu tun. Kollegen mit Familie feiern natürlich gerne zu Hause, aber ich war an den Feiertagen eigentlich immer gerne unterwegs. Manchmal habe ich mir dann eine Weihnachtsmann-Mütze angezogen, um meine Fahrgäste zu erfreuen - für viele ist Weihnachten ja auch Stress.

An Heiligabend ist eine ganz besondere Stimmung in der Stadt. Doch seit Corona ist vieles anders. Allgemein fahren wenige Leute Taxi, die Bars und Diskotheken haben ja zu, Hotels sind schlecht besucht und die meisten Messen wurden abgesagt. Das ist ziemlich hart für uns, denn wir müssen und dürfen ja weiterhin Taxi fahren.

Nicht alle Kollegen sind gut durch die Coronazeit gekommen. Ich bin mir sicher, dass es dieses Jahr an Weihnachten deutlich ruhiger wird als sonst. Leute werden eher zu Hause bleiben und auch nicht so oft in die Gottesdienste gehen. Ich hoffe sehr, dass im nächsten Jahr wieder etwas Normalität einkehrt.

Protokoll: Paul Nöllke

Feuerwehrfrau Alexandra Römer (37): "An Heiligabend brennt es oft"

Alexandra Römer ist Brandamtfrau bei der Münchner Berufsfeuerwehr.

Alexandra Römer hat es an Heiligabend oft mit brennenden Adventskränzen oder Christbäumen zu tun.
Alexandra Römer hat es an Heiligabend oft mit brennenden Adventskränzen oder Christbäumen zu tun. © Daniel von Loeper

"Dieses Jahr endet für mich mit einem Triple: Ich arbeite an Heiligabend, am Zweiten Weihnachtsfeiertag und dann auch noch an Silvester. Bei uns sind das immer 24-Stunden-Schichten. Sie fangen morgens um 7 Uhr an und gehen dann bis zum nächsten Morgen. Ich übernehme in der Zeit Führungsaufgaben im operativen Einsatzgeschäft und unterstütze den Einsatzführungsdienst vor Ort.

Wenn keine Einsätze sind, bin ich an diesen Tagen auf der Hauptfeuerwache. Seit 17 Jahren arbeite ich eigentlich immer an den Feiertagen über den Jahreswechsel. Mir macht das nichts aus, Freunde und Familie haben sich damit arrangiert. Ich finde es wichtiger, dass Kollegen, die Familie und kleine Kinder haben, an diesen Tagen frei bekommen.

Langweilig wird es über den Jahreswechsel bei der Feuerwehr nicht, fast jedes Mal haben wir Brände an Heiligabend. Adventskränze, die in Flammen aufgehen, oder auch mal einen brennenden Christbaum, bei dem jemand im Umgang mit den Wachskerzen zu leichtsinnig war. Manchmal sind es auch Hilfseinsätze, zu denen wir gerufen werden, wenn sich jemand verletzt hat. Das passiert öfter, als man denkt - meist spielt der Alkohol bei den Leuten eine große Rolle. An Silvester sind es oft Unfälle mit Feuerwerkskörpern. Aber da wird dieses Jahr wegen des Böllerverbots vermutlich nicht viel passieren.

Ich freue mich auf die freie Zeit zwischen den Schichten. Ich wohne in der Nähe von Schliersee. Da hat man die Berge quasi vor der Haustür. Ich gehe zum Skilaufen auf die Piste, wenn es die Coronalage zulässt. Ansonsten werde ich eine Skiwanderung unternehmen. Je nach Wetter gehe ich auch gerne Joggen oder ich fahre Rad. Nach ein paar Hundert Höhenmetern schmeckt so ein Festtagsmenü auch viel besser und man muss sich keine Gedanken über die vielen Kalorien machen. Die hab' ich ja dann schon vorher abgearbeitet. Wenn mir Zeit bleibt, werde ich mir Gedanken über den nächsten Urlaub machen. Eine Freundin und ich wollen zusammen mit ihrem Hund gerne einen Campingurlaub in Slowenien unternehmen. Der musste dieses Jahr wegen der Pandemie leider ausfallen. Aber vom nächsten Sommerurlaub zu träumen, macht auch viel Spaß.

Ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr Corona endlich hinter uns lassen. Die Silvesterschicht ist deshalb für mich auch gleich ein Start in ein neues Jahr, in dem man sich wieder ohne große Vorplanung mit Freunden treffen, in den Biergarten gehen oder in den Urlaub fahren kann."

Protokoll: Ralph Hub

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Polizistin Magdalena Sixt (26): "Kollegen mit Familie haben Vorrang"

Magdalena Sixt, ist Polizeiobermeisterin und arbeitet auf dem Altstadtrevier, der PI 11.

Magdalena Sixt kann Weihnachten heuer zum ersten Mal seit Langem mit ihren Großeltern verbringen. Dafür muss sie in der Silvesternacht wieder arbeiten.
Magdalena Sixt kann Weihnachten heuer zum ersten Mal seit Langem mit ihren Großeltern verbringen. Dafür muss sie in der Silvesternacht wieder arbeiten. © Daniel von Loeper

"Ich freue mich ganz besonders auf Weihnachten dieses Jahr, denn ich habe erstmals an Heiligabend frei. Mein Großvater hat Geburtstag, den können wir dann in der Familie alle zusammen feiern und abends gemeinsam in die Christmette gehen. Das habe ich schon lange nicht mehr gekonnt, weil ich über die Weihnachtsfeiertage im Schichtplan stand. Wenn man am nächsten Tag Frühdienst hat, überlegt man es sich zweimal, ob es abends später werden darf. Ich hoffe nur, dass uns die Corona-Pandemie an Weihnachten nicht wie im vergangenen Jahr einen Strich durch die Rechnung macht. Ich bin geimpft und werde mich auf alle Fälle testen lassen, bevor ich zu meinen Großeltern fahre. Ich will da ganz sicher sein und kein Risiko eingehen.

Die Feiertage über werde ich entspannen, viel Zeit mit der Familie verbringen und es genießen, mal Zeit zu haben, nicht ständig auf den Schichtplan achten zu müssen. Normalerweise arbeite ich ganz gerne an den Feiertagen. Im vergangenen Jahr haben wir auf der Dienststelle ein gemeinsames Weißwurstfrühstück gemacht. Das war sehr schön und es kam kein einziger Einsatz dazwischen, das ist Glückssache und kann sich ganz schnell ändern. Bei uns haben an Weihnachten natürlich diejenigen Kollegen den Vorrang, die Familie und kleine Kinder haben. Da ist Heiligabend unterm Christbaum mit großen staunenden Kinderaugen ganz besonders schön.

Weihnachten auf der PI 11 ist eigentlich aber auch ganz nett. Die Schichten verlaufen meist sehr ruhig, das liegt daran, dass in unserem Zuständigkeitsbereich im Vergleich zu anderen Stadtvierteln relativ wenig Menschen wohnen. Dafür ist bei uns über den Jahreswechsel deutlich mehr los. Die ganzen Clubs und Bars liegen in unserem Bereich, die Feiermeile - aber da ist inzwischen wieder alles dichtgemacht.

Nach Weihnachten habe ich wieder normalen Dienst. In der Silvesternacht ist normalerweise bei uns viel los. Die Leute feiern am Stachus und in der Fußgängerzone. Durch das Böller- und Raketenverbot im vergangenen Jahr und die Corona-Beschränkungen war der Jahreswechsel 2020/21 allerdings sehr ruhig. Könnte gut sein, dass Silvester 2021/22 auch wieder ziemlich ruhig wird."

Protokoll: Ralph Hub

Richterin Dr. Christiane Rapp-Gazic (47): "Der Dienst unterscheidet sich nicht"

Familienrichterin Dr. Christiane Rapp-Gazic (47) ist beim Amtsgericht zuständig für Betreuungsverfahren.

Die Richterin Dr. Christiane Rapp-Gazic.
Die Richterin Dr. Christiane Rapp-Gazic. © Daniel von Loeper

"Der Bekanntenkreis reagiert meist überrascht, wenn ich erzähle, dass man als Richterin an Weihnachten Dienst im Klinikum hat. Was macht das Gericht im Krankenhaus? Noch dazu an Feiertagen?

Hintergrund ist, dass für die geschlossene Unterbringung von Patienten und Patientinnen in der psychiatrischen Klinik eine gerichtliche Genehmigung erforderlich ist, wenn die Person entweder aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht in die Unterbringung einwilligen kann oder die Unterbringung gegen ihren Willen erfolgt.

Bei Minderjährigen ist die gerichtliche Genehmigung immer erforderlich, auch wenn die Eltern damit einverstanden sind. Da die gerichtliche Anhörung spätestens am Tag nach der Unterbringung erfolgen muss, gibt es einen richterlichen Bereitschaftsdienst, auch an Weihnachten. Anders als bei Verhandlungen im Gerichtsgebäude selbst wird bei den Terminen in den Kliniken keine Robe getragen.

Dieses Jahr wird der Bereitschaftsdienst an Heiligabend von mir wahrgenommen. Mit mir kommen dann auch die Protokollführerin, die Weihnachten gar nicht feiert und gleich mehrere Dienste freiwillig übernimmt, und eine Verfahrenspflegerin mit in die Kliniken. Gemeinsam werden dann die Betroffenen in den verschiedenen Münchner Kliniken aufgesucht und angehört.

Der Dienst an Weihnachten unterscheidet sich dabei nicht von einem sonstigen Dienst. Die geschlossene Unterbringung ist immer ein tiefgreifender Eingriff. Sie ist nur zulässig, wenn die Betroffenen andernfalls sich selbst oder andere erheblich gefährden. Das muss in jedem Einzelfall abgewogen werden. Dies ist an Weihnachten nicht anders als an anderen Tagen. Viele der Betroffenen in der Gerontopsychiatrie sind auch so krank, dass ihnen das Fest gar nicht bewusst ist. Dennoch sind die Klinikstationen weihnachtlich geschmückt. So bemühen sich die Kliniken, auch die schwer demenzkranken Patienten am Weihnachtsfest teilhaben zu lassen.

Schwierig ist es allerdings in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Aufnahme von Kindern und Jugendlichen in der Psychiatrie hat nach meiner Wahrnehmung in letzter Zeit stark zugenommen. Die Kliniken sind so voll, dass zum Teil Notbetten aufgestellt werden müssen. Im Großteil der Fälle erfolgt die Aufnahme aufgrund einer akuten Suizidgefährdung. Das ist besorgniserregend. Die Kinder und Jugendlichen sind gerade an Weihnachten häufig sehr zerrissen. Einerseits haben sie den großen Wunsch, heim zu ihrer Familie zu kommen. Andererseits sind sie so krank, dass sie dringend behandelt werden müssen.

Als Richterin sehe ich natürlich diesen Zwiespalt. Allerdings darf die richterliche Entscheidung auch hier an Weihnachten nicht anders ausfallen als an anderen Tagen. Wenn die geschlossene Unterbringung der Kinder und Jugendlichen zu deren Schutz erforderlich ist, muss sie auch an Weihnachten richterlich genehmigt werden. Wie lange der Dienst an Weihnachten dauert, kann im Vorfeld nie gesagt werden. Manchmal bin ich nachmittags zu Hause, manchmal erst am späteren Abend. Deshalb habe ich mir für Heiligabend nichts Großes vorgenommen. Schön ist es, wenn ich mit der Familie das Fest beginnen kann, ansonsten komme ich einfach später mit dazu."

Protokoll: John Schneider

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