Wegen 20 Zentimetern: Neuer Brückenstreit in München

Eine kleine Brücke in Sendling ist für Radfahrer gesperrt – was auf Widerstand stößt. Während die Stadt Sicherheitsbedenken anführt, ignorieren viele Radler das Verbot. Der Bezirksausschuss will nun handeln.
von  Maja Aralica
Hier müssen Radfahrer eigentlich absteigen, weil das Geländer zu niedrig ist. Die Grünen im Bezirksausschuss fordern, die Brücke wieder für Radfahrer freizugeben.
Hier müssen Radfahrer eigentlich absteigen, weil das Geländer zu niedrig ist. Die Grünen im Bezirksausschuss fordern, die Brücke wieder für Radfahrer freizugeben. © ma

Die Autos rauschen über die mehrspurige Brudermühlstraße in Sendling. Auf der Fußgängerbrücke darüber geht es deutlich ruhiger zu: Menschen führen ihre Hunde aus, schieben Kinderwagen – und fahren Rad. Dabei ist das eigentlich verboten.

Baureferat sperrt Brücke für Radfahrer

Ein Schild am Zugang zur Brücke fordert Radfahrer auf, abzusteigen. Im Sommer 2025 war sie wegen Bauarbeiten gesperrt, seit dem 8. August ist sie wieder geöffnet. Allerdings nur für Fußgänger.

Zusätzlich hat das Baureferat Sperrpfosten aufgestellt. Sie sollen verhindern, dass Fahrzeuge und Fahrräder die Brücke befahren. Das geht aus einem Schreiben des Baureferats an den Bezirksausschuss 06 (Sendling) vom 19. November hervor. Als Grund nennt das Referat die Höhe des Geländers: Es sei "nach derzeitigen technischen Bedingungen" zu niedrig. Eine aktuelle Stellungnahme des Baureferats war bis Redaktionsschluss nicht zu erhalten.

Eigentlich müssen Radlfahrer absteigen, bevor sie die Brücke überqueren. Nur wenige halten sich daran.
Eigentlich müssen Radlfahrer absteigen, bevor sie die Brücke überqueren. Nur wenige halten sich daran. © ma

Radweggeländer müssen zwischen 1,20 und 1,30 Meter hoch sein. An der Brücke in Sendling beträgt die Höhe dagegen nur knapp einen Meter.

Radfahrer ignorieren Verbot

Von den Pollern und Schildern lassen sich die Radfahrer, zumindest als die AZ vor Ort ist, nicht beirren. Einer von ihnen ist Jörg Sellerbeck. Der 56-Jährige wohnt in der Nähe und nutzt die Brücke regelmäßig. Warum er absteigen soll, kann er nicht nachvollziehen. "Ich nehme das Schild wahr und fahre dennoch drüber", sagt er. Er sitzt auf seinem roten Fahrrad und ist gerade auf dem Weg zu einem Termin.

Jörg Sellerbeck (56) nutzt die Brücke regelmäßig. Dass er absteigen soll, kann er nicht nachvollziehen.
Jörg Sellerbeck (56) nutzt die Brücke regelmäßig. Dass er absteigen soll, kann er nicht nachvollziehen. © ma

Wer von der anderen Seite kommt, bekommt von der Regel allerdings kaum etwas mit: Dort liegt das Schild im Schnee, die beschriftete Seite nach unten. Auch einer der Sperrpfosten liegt auf der Fahrbahn. Ob das die Gewalt der Natur oder menschliches Einwirken war, ist unklar.

Gut getarnt liegt das Schild im Schnee.
Gut getarnt liegt das Schild im Schnee. © ma

Grüne wollen Geländer erhöhen

Laut Schreiben des Baureferats sind zudem "verstärkte Kontrollen durch die Anlagenaufsicht" geplant, um "im Besonderen auf das Verhalten der Radler*innen" zu achten. Kritik daran kommt von den Grünen im Bezirksausschuss Sendling. "Eine Brücke für den Radverkehr sperren, weil das Geländer zu niedrig ist – das ist doch keine Lösung", so BA-Vorsitzende Dagmar Irlinger. Statt Kontrollen und Sperrpfosten, wäre es "besser" das Geländer zu erhöhen, so Irlinger.

"Das ist eine kleine Brücke, die wirklich viel genutzt wird", sagt auch BA-Mitglied Tini Hesse (Grüne). Der Radverkehr habe dort bislang gut funktioniert. Am Mittwoch stellten die Grünen einen Antrag an das Baureferat mit der Forderung, die Brücke wieder für den Radverkehr freizugeben. Der Antrag wurde im Bezirksausschuss einstimmig beschlossen. Sollte eine vollständige Freigabe aus technischen Gründen nicht möglich sein, solle zumindest eine provisorische Lösung gefunden werden, um Radfahren auf der Brücke wieder zu erlauben.

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