Was wäre die Bavaria bloß ohne ihren Markus?

„Halb Schäufele, halb Weißwurst“: Söder, der fränkische Finanzminister, bekommt in der Rede von Luise Kinseher eine Hauptrolle: als Watschnmann. Das macht alles einfacher – und unterhaltsamer.
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Luise Kinseher als Mama Bavaria auf dem Nockherberg 2016.
dpa Luise Kinseher als Mama Bavaria auf dem Nockherberg 2016.

München -Freilich, die Kleiderordnung hält sie in ihrer Fastenpredigt schon noch ein, die Luise Kinseher. Sie ist ja schließlich die Mama, die auf so etwas achtet. Also gilt ihr erster Gruß dem ersten Mann im Freistaat: dem Ministerpräsidenten Horst Seehofer.

Aber als sie dann in Wallung, Pardon: in Fahrt gerät, die Bavaria, da nimmt sie vor allem einen ins Visier: Markus Söder. Franke, Finanzminister, Möchtegern-Ministerpräsident und – als erkennbar ausgebildeter Sym- und Antipathieträger – ein Polarisierer vor dem Herrn. Und vor der Bavaria auch. Wenn also Ilse Aigner in der Fastenpredigt „die Kellerprimel vom Horst“ ist, dann wird Söder bei Kinseher zur „fleischfressenden Schlingpflanze“. Deren Opfer ist natürlich Seehofer. Dieses Derblecken am Nockherberg zeigt wieder mal, dass Kabarettisten bei der Auswahl ihrer Protagonisten am liebsten dorthin langen, wo es Ecken und Kanten zum Festhalten gibt – seien sie auch noch so schroff.

AZ-Kommentar zum Nockherberg 2016: Selbstbewusst am Grat

Söder ist für Kinseher (und ihren Co-Autoren Thomas Lienenlüke) der beste Pointenlieferant. Noch vor Seehofer, der wenigstens im Singspiel mehr ins Zentrum rücken darf. Dem Söder schenkt die Bavaria sauber ein, schön schluckweise:

Sein Wesen: „Jahrhundertelang hat es geheißen: Franken und Bayern, das geht nie zusammen. Aber das ist ein Irrtum. Schaut euch den Markus Söder an! Es hat immer geheißen: Ein Franke hat keinen Hang zur Selbstdarstellung, er hat es nicht mit Neoseppilismus und Jodel-Allüren. Von wegen! An Söder sieht man: Integration kann gelingen! Markus Söder – ein gesamtbayerischer Wolperdinger: Halb Schäufele, halb Weißwurst!“

Seine Ideologie: „Der Söder hat gar keine Obergrenze. Der hat gleich gesagt: Ein Zaun muss her! Der Markus ist kein Mystiker, der ist kein Physiker – der ist Pragmatiker: Der kauft sein ideologisches Handwerkszeug im Baumarkt. Deswegen war der auch immer schon in der Lage, seinen Gartenzaun für den Horizont zu halten.“

Bilder, Interviews, Hintergründe: Alles zum Nockherberg 2016

Sein Antrieb: „Der Söder schläft sogar dynamischer, als Joachim Herrmann redet! Dem haben sie als Bua gesagt: Markus, dir brennt der Hintern. Er hat nie nachgeschaut, aber seitdem rennt er.“

Sein Machtwille: „Beim Söder ist alles klar: Der kann es nicht erwarten! Da muss der Seehofer nur einen kleinen Schluckauf haben, schon ruft es von hinten: Lassen sie mich durch! Ich bin Söder!’ Angeblich ist auch sein Parteiprogramm schon fertig. Das wird übrigens das kürzeste der Welt: Eine Seite, auf der steht: Ich! Und für uns steht da: Er!“

Der AZ-Liveticker vom Nockherberg zum Nachlesen

Sein Mitteilungsdrang: „So, wie ich den Markus Söder kenne, hat er die ganze Zeit unterm Tisch getwittert. Wenn Markus Söder twittert, ist es meistens ein Destillat ungebremster Anmaßung. Aber ich hab’ ihn als Bua untersuchen lassen, er hatte damals schon moralische Legasthenie. Das hat übrigens nichts mit Intelligenz zu tun. Die Intelligenz von Markus Söder ist wie ein schnelles Auto auf der falschen Straßenseite: Ein Geisterfahrer aus Prinzip!“

Das Fazit der Bavaria lautet: Irgendwo werde dieser Söder schon noch unterkommen, und sei es als Bürgermeister irgendwo in Franken: „Bürgermeister, das ist ein ehrbarer Beruf. Gut, des macht es für dich auch nicht leichter!“

Die Mama Bavaria kann von Glück sagen, dass sie den Söder hat. Sonst wäre ihre Rede um einige Lacher ärmer ausgefallen.

Und wie fand Markus Söder die Rede? Nicht ganz so lustig: „Ich fand die Predigt solide. Vielleicht hat sie Teile etwas in die Länge gezogen. Außerdem finde ich es nicht angebracht, mit Krankheiten wie Legasthenie Witze zu machen. Ich glaube auch, dass der Grundduktus etwas an der Mehrheit der Zuschauer vorbeigeht. Aber die Mama Bavaria darf so eine Rede halten.“

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