Warum die Zahl der Demenzfälle steigt – und wie München darauf reagiert

Mit Fototapeten, Vogelgesang und detailreicher Einrichtung versucht ein Pflegeheim in Ramersdorf, "die Welt von draußen reinzuholen" und einen fortschrittlichen Lebensraum für Menschen mit Demenz zu schaffen. 
von  Sophia Willibald
Eine Pflegerin betreut einen Bewohner in der neuen Demenzstation des Münchenstifthauses in Ramersdorf. Hier ein Bereich, der wie ein italienisches Café gestaltet ist.
Eine Pflegerin betreut einen Bewohner in der neuen Demenzstation des Münchenstifthauses in Ramersdorf. Hier ein Bereich, der wie ein italienisches Café gestaltet ist. © Daniel von Loeper

Ein Café in einer engen Gasse in Süditalien. Wenige Schritte weiter das Zwitschern der Vögel rund um eine urige Berghütte auf den saftigen Wiesen der Alpen. Am Ende des Weges ein Bankerl vor der Wallfahrtskirche St. Bartholomä am grüntürkisen Königssee. Orte, die in der Realität Hunderte Kilometer voneinander entfernt liegen, sind hier auf der Demenzstation des St. Maria in Ramersdorf mit wenigen Schritten zu erreichen.

Möglich wird das durch Fototapeten: Sie zeigen die idyllischen Urlaubsorte in satten Farben. Entlang der Wände sind Tische und Stühle arrangiert, die an ein italienisches Café erinnern oder ein Holzbankerl, wie man es oft am Rand von Wanderwegen sieht. Lautsprecher spielen dazu den Gesang von Vögeln ab – für akustische Eindrücke.

So schafft ein Ramersdorfer Pflegeheim einen Wohlfühl-Ort für Bewohner mit Demenz

"Wir wollen die Welt von draußen hier reinholen", erzählt die stellvertretende Pflegeleitung des Ramersdorfer Pflegeheims der Münchenstift, Lisa Birndorfer (60). Denn die Station ist geschlossen. Hinein und hinaus kommt man hier nur mit einem elektronischen Schlüssel.

Lisa Birndorfer, stellvertretende Pflegeleitung des Münchenstifthauses St. Maria (St. Martin-Straße 65) in Ramersdorf.
Lisa Birndorfer, stellvertretende Pflegeleitung des Münchenstifthauses St. Maria (St. Martin-Straße 65) in Ramersdorf. © Daniel von Loeper

Die Bewohner und Bewohnerinnen haben zwar auch Bereiche unter freiem Himmel – Terrassen und Gärten –, die sie frei betreten können, doch auch die sind umzäunt. Klingt ein bisserl nach Gefängnis, soll es aber nicht sein. Auch wenn für eine dortige Unterbringung der Beschluss eines Gerichts erforderlich ist – der des Betreuungsgerichts.

Die Zahl der Demenzfälle steigt

Man will die Menschen beschützen, denn es bestehe ein Risiko, "dass sie sich oder andere gefährden", schreibt die Münchenstift. Personen mit Demenz hätten häufig einen Bewegungsdrang, machten sich auf den Weg zu einem Ort aus ihrer Erinnerung. Nicht immer finden sie wieder zurück nach Hause.

Vor einer Fotokulisse mit einer urigen Berghütte in den Alpen steht ein Bankerl.
Vor einer Fotokulisse mit einer urigen Berghütte in den Alpen steht ein Bankerl. © Daniel von Loeper

Die Zahl der Demenzfälle steigt. Hausleiter des St. Maria Holger Damme erklärt warum: "Wir werden immer älter und die Medizin wird immer besser. Das bedeutet, dass die Menschen zwar körperlich fit bleiben, es aber gleichzeitig mehr Menschen mit dementiellen Erkrankungen gibt."

Wenn wir auf unsere Stadt schauen, sehen wir eine klare Entwicklung.

Der beschützende Bereich in Ramersdorf soll künftig für 27 Menschen ein sicheres Zuhause sein. Finanziert wurde der Umbau durch ein Förderprogramm des Landesamts für Pflege sowie durch eine private Spende von 100.000 Euro.

Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) sagte am Mittwoch bei der Eröffnungsfeier: "Wenn wir auf unsere Stadt schauen, sehen wir eine klare Entwicklung: München wächst und wächst und wird zudem auch älter. Gerade deshalb müssen wir solche Modelle ausprobieren, um für die vielen Menschen unserer Stadt mit Demenz da zu sein. Und die Prognosen zeigen auch: Diese Zahl wird in den kommenden Jahren noch einmal deutlich ansteigen."

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