Vorsicht, Tigermücke! Wie man sie bekämpft und sich vor ihr schützt

Das asiatische Insekt, das Tropenkrankheiten übertragen kann, verbreitet sich auch in München. Wie es am Winthirfriedhof und in zwei Schrebergärten bekämpft wird.
| Irene Kleber
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Schwarz-weiß gestreift mit dunklem Stechrüssel, zwischen zwei und zehn Millimeter groß - und leider auch in München angekommen: So sieht die Asiatische Tigermücke (Aedes albopicts) aus. Das Insekt, das auch Tigermoskito genannt wird, kann gefährliche tropische Krankheiten übertragen.
Schwarz-weiß gestreift mit dunklem Stechrüssel, zwischen zwei und zehn Millimeter groß - und leider auch in München angekommen: So sieht die Asiatische Tigermücke (Aedes albopicts) aus. Das Insekt, das auch Tigermoskito genannt wird, kann gefährliche tropische Krankheiten übertragen. © picture alliance/dpa/Hermes Arzneimittel GmbH

München - Wer in diesen Tagen am Winthirfriedhof in Neuhausen spazieren geht, stößt auf Warnhinweise. Gießkannen bitte aufhängen - und keine Wasserpfützen stehen lassen, heißt es da etwa.

Wer Gräber pflegt, möge dringend helfen bei der Bekämpfung der Asiatischen Tigermücke. Denn der exotische Moskito kann tropische Krankheiten übertragen wie das Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Fieber.

So gelangt die Asiatische Tigermücke zu uns

Die Asiatische Tigermücke, auffällig schwarz-weiß gestreift, ist in Südostasien beheimatet, in den letzten Jahren aber auch in unseren Breiten angelangt. Über den Handel mit Gebrauchtreifen oder Glücksbambus etwa und auch durch den Kraftfahrzeugverkehr, teilt das städtische Gesundheitsreferat mit.

Auch in München wurde sie schon gesichtet

In den letzten Jahren ist sie schon in Freiburg, Heidelberg, Frankfurt, Jena und Erding nachgewiesen worden, jetzt wird man auch in München zunehmend unruhig. Denn 2019 sind aufmerksamen Münchnern die ersten dieser Biester aufgefallen - in zwei Bogenhauser Kleingartenanlagen am Schreberweg. Und am Neuhauser Friedhof. Klarheit brachte eine Analyse der Forscher des "Mückenatlas", wohin die Münchner ihre Fund-Moskitos geschickt hatten.

Richtig gelagert: Hier sind die Gießkannen so schräg aufgehängt, dass sich kein Wasser ansammeln kann. Auch der Kübel liegt auf dem Kopf.
Richtig gelagert: Hier sind die Gießkannen so schräg aufgehängt, dass sich kein Wasser ansammeln kann. Auch der Kübel liegt auf dem Kopf. © Bernd Wackerbauer

Noch besteht keine Gesundheitsgefahr

Wie groß ist die Gefahr, dass sich nun tropische Krankheiten in der Stadt verbreiten? Noch ist in München kein Infektionsfall durch eine Tigermücke bekannt geworden, heißt es beim Gesundheitsreferat. Aktuell bestehe "keine direkte oder unmittelbare" Gesundheitsgefahr.

Bilden sich aber stabile Tigermücken-Populationen aus, dann ändert sich die Lage. Aber "ein konsequentes Eingreifen" kann eine explosionsartige Vermehrung noch verhindern, so eine Referatssprecherin.

In Deutschland könnte es zu Chikungunya-Ausbrüchen kommen

Für den Dengue-Erreger, so heißt es vom Robert-Koch-Institut (RKI), sei das Klima in Deutschland bisher wenig geeignet. Nur bei Temperaturen, die eher Italien, Südfrankreich und Griechenland erreichen, vermehren sich solche tropischen Viren gut.

Dengue-Fälle gab es unter anderem in Südfrankreich und Griechenland schon, größere Chikungunya-Ausbrüche in Italien. Chikungunya ist laut Experten wohl auch das gefährlichste Virus für Deutschland, weil es sich auch bei gemäßigten Temperaturen gut vermehren kann.

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Wissenswertes über die Tigermücke

Was sollte man noch wissen über die Tigermücke? Sie gilt als schlechte Fliegerin, schafft nur Flugdistanzen von etwa 200 Metern, meidet stärkere Winde und hält sich meist in Bodennähe auf. Das Weibchen legt die Eier in kleinen Wasseransammlungen knapp über der Wasseroberfläche ab.

Auch dieser tönerne Untertopf am Winthirfriedhof ist ausgeleert und umgedreht gelagert, damit sich kein Regenwasser darin sammeln kann.
Auch dieser tönerne Untertopf am Winthirfriedhof ist ausgeleert und umgedreht gelagert, damit sich kein Regenwasser darin sammeln kann. © Bernd Wackerbauer

Ungut: Die Eier sind gegen Austrocknung resistent und können den Winter überstehen, die Mücken schlüpfen dann im Frühjahr. Perfekte Brutstätten sind also nicht abgedeckte, stehende Wasserreste - wie oft am Friedhof oder in Gärten zu finden. Also weg mit den Wasserresten, möglichst überall.

Hier am Winthirfriedhof in Neuhausen haben aufmerksame Spaziergänger den exotischen Moskito entdeckt und eingeschickt.
Hier am Winthirfriedhof in Neuhausen haben aufmerksame Spaziergänger den exotischen Moskito entdeckt und eingeschickt. © Bernd Wackerbauer

Maßnahmen wurden bereits ergriffen

In den betroffenen Schrebergärten hat eine Firma deshalb alle potenziellen Brutstätten gereinigt, die Gartler über Verhaltensregeln informiert und Info-Flyer ausgehängt. Auch die städtischen Friedhöfe hätten am Winthirfriedhof alle gefährlichen Stellen säubern lassen, heißt es beim Gesundheitsreferat.

Ein Warnschild am Winthirfriedhof zur Tigermücken-Bekämpfung.
Ein Warnschild am Winthirfriedhof zur Tigermücken-Bekämpfung. © Bernd Wackerbauer

An Grabnutzungsberechtigte seien Info-Briefe verschickt worden. Auch habe man die Müllcontainer angepasst - von offenen Gittercontainern zu geschlossenen Behältern, die wöchentlich abgeholt werden. Der Inhalt werde verbrannt, damit sich die Larven nicht verbreiten können. Schilder an den Gießkannenhaltern zeigen, wie man die Kannen aufhängt, damit kein Restwasser drinbleibt.

Dass die Tigermücke einfach wieder verschwindet, davon gehen Experten nicht aus. Bleibt nur: Obacht geben und weiter beobachten.

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So schützen Sie sich vor dem Insekt

Wie können Balkon- und Gartennutzer sowie Menschen, die Gräber pflegen, dazu beitragen, dass die Asiatische Tigermücke sich in München nicht weiter verbreitet? Das städtische Gesundheitsreferat rät zu diesen Maßnahmen:

1. Verhindern Sie Brutstätten

Mögliche Brutstätten sind alle Stellen, an denen sich stehendes Wasser sammeln kann: etwa Blumentöpfe und Untersetzer, Blumenvasen, Vogeltränken, Eimer, Gießkannen, Zisternen, kleine Gefäße wie Teelichthalter und Spielzeug, alte Autoreifen, Sonnenschirmständer, verstopfte Regenrinnen, Grabvasen und Weihwasser-Schalen.

Bitte leeren Sie alles regelmäßig. Vogel- und Igeltränken sowie Planschbecken bitte einmal richtig reinigen und danach das Wasser wöchentlich wechseln. Gartenteiche mit Fischen sind kein Problem, weil Fische die Mückenlarven fressen. Auch in Teichen lebende Insekten wie Libellen, Wasserkäfer und Wasserwanzen reduzieren Stechmückenlarven effektiv.

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2. Reinigen Sie Blumentopf- und Zisternen-Innenränder

Tigermücken legen ihre Eier bevorzugt am Rand von Brutstätten oberhalb der Wasseroberfläche ab. Eier kann man leicht entfernen, wenn man mit einem Schwamm und Seifenlauge den inneren Rand eines Blumentopfs oder einer Regentonne abschrubbt.

Frieren Sie danach den Schwamm (in einem Beutel) für 48 Stunden bei Minus 20°C ein, bevor Sie ihn in den Restmüll geben. Bitte Handschuhe tragen. Das Reinigungswasser bitte nicht in den Abfluss schütten, weil sich dort die Eier zu Mücken weiter entwickeln können. Leeren Sie das Wasser stattdessen auf die Rasenfläche oder die Beete aus.

3. Decken Sie Regentonnen, Schirmständer & Co ab

Lagern Sie gereinigte Gegenstände so, dass sich kein Wasser darin sammeln kann. Stellen Sie Pflanzentöpfe statt in Untersetzer auf Blumentopffüße oder befüllen Sie die Untersetzer mit Sand. Lagern Sie größere Gegenstände wie Zisternen und Regenwassertonnen so, dass sich darin kein Wasser mehr ansammeln kann (etwa mit einem Deckel, umgedreht, unter einem Dach oder im Keller).

Hohle Stangen wie Sonnenschirmständer können Sie mit Klebeband oder Schutzkappen abdichten. Und befreien Sie Regenrinnen mehrmals pro Jahr vom Laub, damit sich dort kein Wasser mehr ansammelt.

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